Ausschuss stimmt Prüfung alter Baupläne in Weyhe zu / FDP fordert mehr Begrünung

„Baurecht schlägt Baumrecht“

Wie viele Jungbäume sind nötig, um eine alte Eiche wie diese zu ersetzen? Eine Frage, die am Dienstag im Weyher Bauausschuss diskutiert wurde. 
Foto: Peter Kneffel/dpa
+
Wie viele Jungbäume sind nötig, um eine alte Eiche wie diese zu ersetzen? Eine Frage, die am Dienstag im Weyher Bauausschuss diskutiert wurde. Foto: Peter Kneffel/dpa

Weyhe – Was beim Hausbau in Weyhe erlaubt ist und was tatsächlich gemacht wird, geht weit auseinander. Das ist das Fazit einer Analyse des Fachbereichs „Gemeinde und Entwicklung“ im Weyher Rathaus. Um seine Aussage zu untermauern, blendete Fachbereichsleiter Steffen Nadrowski am Dienstagabend im Bauausschuss einen Kartenausschnitt von Kirchweyhe und ein Luftbild desselben Areals ein. Erlaubt seien in dem Gebiet laut Bauplan zweigeschossige Gebäude. Die Realität: eingeschossige Einfamilienhäuser.

Diesen Kapriolen im zum Teil Jahrzehnte alten Baurecht der Gemeinde Weyhe will der Fachbereich von Nadrowski nun Herr werden. „Wir wollen in einem ersten Rundumschlag alle Baupläne überprüfen“, erläuterte Nadrowski den Mitgliedern des Bauausschusses. „Alle“ bedeutet in dem Fall 122 Bebauungspläne. Das ist zeitaufwendig. „Die Änderung eines Bebauungsplans dauert genau so lange wie eine Neuaufstellung“, stellte Nadrowski auf Nachfrage klar. Mit der Maßnahme sollen am Ende sogenannte Planungsschäden in den Griff bekommen werden.

Die Ratsmitglieder waren nach Nadrowskis Vortrag jedoch schnell bei einem ganz anderen Thema: Es ging um das Weyher Ortsbild und die Baukultur. Ein Bürger aus dem komplett ausgefüllten Zuschauerrang hatte zuvor nach Möglichkeiten gefragt, in Zukunft „katastrophale Bausünden“ wie jene am Ortseingang von Kirchweyhe verhindern zu können.

Daraufhin entbrannte eine Diskussion über die Ästethik von Neubauten. Annika Bruck von den Grünen lehnte sich weit aus dem Fenster und stellte fest: „Es gibt keine echte Baukultur in Weyhe.“ Einig war sie sich mit den anderen Ausschussmitgliedern jedoch nach einer kurzen Aussprache, dass es derzeitig wichtigere Dinge als das Aussehen von neuen Gebäuden in Weyhe gebe. Ingrid Söfty von der CDU machte es kurz: „Über Geschmack, da lässt sich streiten.“

Klare Position bezog die Christdemokratin jedoch mit Blick auf die rechtlichen Wege, Planungsschäden auszubessern. Die sogenannte Veränderungssperre, bei der ein Eigentümer dazu verpflichtet werden kann, keine weiteren Änderungen an seinem Grundstück vorzunehmen, bereitete ihr Bauchschmerzen. Sie lehne diese Möglichkeit nicht ab, wolle jedoch eine klare Aufschlüsselung vom Fachbereich, wie so ein Verfahren abläuft. Immerhin sei eine Veränderungssperre ein „ganz schwerer Eingriff in privates Recht“.

Schlussendlich begrüßten aber die Abgeordneten die Pläne von Nadrowskis Team und sprachen sich einstimmig für die Überprüfung der alten Baurechte aus.

Ein weiteres Thema auf der Tagesordnung des Bauausschusses schloss nahtlos an die vorige Debatte an. Es ging um Bäume und wie diese geschützt werden können. Anders als viele andere Gemeinden hat Weyhe eine eigene Baumschutzsatzung. Die sollte nun in Details an die heutige Verwaltungspraxis angepasst werden.

Durch die Satzung sind zahlreiche Bäume in der Gemeinde geschützt, eine Fällung muss beantragt werden. Wie das in der Praxis aussieht, stellte Steffen Nadrowski als zuständiger Fachbereitsleiter in zwei Diagrammen vor. 2018 wurden 51 Baumfällanträge gestellt, 40 davon von Privathaushalten. Während fünf von ihnen abgelehnt wurden, wurden fünf weitere Anträge, die von Baugesellschaften gestellt wurden, allesamt genehmigt. sechs Anträge von den 51 wurden zurückgezogen. 2019 sah das Verhältnis bei insgesamt 28 Anträgen ähnlich aus.

Auf die Frage des Sozialdemokraten Jürgen Borchers, warum sämtliche Anträge von Baugesellschaften angenommen wurden, berichtete Nadrowski mit seinem Teamkoordinator Thomas Krause von einem Dilemma. „Baurecht schlägt Baumrecht“, so Nadrowski in aller Kürze. Wie es denn um Neuanpflanzungen stünde?, fragten die Ausschussmitglieder. Da die Grundstücke immer kleiner würden, sei es zunehmend schwerer, noch Platz für neue Bäume zu finden, so die beiden Verwaltungsmitarbeiter. „Da sind uns die Hände gebunden“, beteuerte Krause.

Ein Einwand, den die Mitglieder nicht gelten lassen wollten. Antje Sengstake von der FDP unterstrich mit Blick auf den Klimawandel die Bedeutung von Ersatzanpflanzungen. „Es tut mir um jeden Baum leid, der weggefällt wird“, so die Politikerin. Auch die Entfernung einer alten Eiche an der Leester Straße und die Frage, wie viele Jungbäume einen Baum wie diesen ersetzen müssten, beschäftigte den Ausschuss.

Am Ende stand schließlich aber der einvernehmliche Beschluss, die Baumschutzsatzung wie vorgeschlagen zu aktualisieren. Auch einer Anpassung der komplexen Satzung über die Erhebung von Erschließungsbeiträgen stimmten die Mitglieder nach einem Vortrag aus dem Fachbereich 5 zu.

Von Luka Spahr

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Rückkehr nach Mallorca - ein Erfahrungsbericht

Rückkehr nach Mallorca - ein Erfahrungsbericht

Schöne Picknick-Plätze in Deutschland

Schöne Picknick-Plätze in Deutschland

Wie man Backups und Datenumzüge meistert

Wie man Backups und Datenumzüge meistert

Mit der App auf Motorrad-Tour

Mit der App auf Motorrad-Tour

Meistgelesene Artikel

„Beamte“ auf vier Pfoten haben eine Nase für Drogen

„Beamte“ auf vier Pfoten haben eine Nase für Drogen

Zwei Todesopfer nach schwerem Unfall auf der B6 bei Asendorf

Zwei Todesopfer nach schwerem Unfall auf der B6 bei Asendorf

Am Montag zerschlug sich letzte Option auf zusätzliches Personal für die Öffnung

Am Montag zerschlug sich letzte Option auf zusätzliches Personal für die Öffnung

Twistringen trauert um Peter Dünzelmann

Twistringen trauert um Peter Dünzelmann

Kommentare