Max Weidenhöfer nimmt an der deutschen Meisterschaft teil

Barfuß auf dem Weg zum Schach-Genie

+
Max Weidenhöfer bereitet sich intensiv auf die deutsche Schachmeisterschaft vor.

Weyhe - Von Julia Kreykenbohm. Die größten Entdeckungen werden meist durch Zufall gemacht. Bei Max Weidenhöfer aus Leeste war es auch so.

Eigentlich wollte der Zehnjährige nur das Schachspielen lernen, weil er es bei einem Freund in der Schule gesehen hatte und ganz interessant fand. Das war in der ersten Klasse. 

Dass er damit ein bislang unerkanntes Talent von sich finden würde, ahnte damals noch keiner. Jetzt ist er in der vierten Klasse und hat sich gerade für die deutsche Schachmeisterschaft der U12 in Willingen qualifiziert.

„Die erste Partie war unentschieden, aber die zweite habe ich gewonnen“

Max liebt das Schachspiel. Was genau er daran so mag, kann er gar nicht in Worte fassen. „Es macht einfach Spaß“, sagt der Leester und strahlt. Diejenigen, die mit Schach das Spiel der alten grauen Männer – gern exzentrisch und eigenbrötlerisch – verbinden, straft der Zehnjährige mit den schulterlangen blonden Haaren Lügen. Denn Max ist nicht nur flink im Kopf, sondern bewegt auch seinen Körper gern: Ob Fußballspielen, Schwimmen oder mal ein Triathlon mit Mama und Papa – er ist dabei. Auch Gitarre spielt er. Aber die große Liebe gehört doch dem Schach.

Nachdem er sich bei seinem Freund „angesteckt“ hatte, bat er seine Mutter, ihn mit dem Spiel näher vertraut zu machen. „Wir haben den ganzen Tag gespielt“, erinnert sich Max. „Die erste Partie war noch unentschieden, aber die zweite habe ich gewonnen.“

Meisterschaftsteilnahme als Zweitklässler

Danach rückte er fast jeden Tag die Figuren über das Brett und trat einem Verein bei. Wenn er und sein Freund im Matheunterricht mit ihren Aufgaben durch sind, holen sie auch schon mal das Spiel raus. Und wenn er nicht spielt, liest er gern Bücher über Strategien, Eröffnungen und Partien.

Sein Talent blieb nicht lange unentdeckt und sorgte, als er in der zweiten Klasse war, bei seinen Eltern für eine ordentliche Überraschung. „Wir saßen beim Abendessen und plötzlich fragte Max, ob er am Donnerstag nach Hildesheim fahren dürfe“, erinnert sich sein Vater. „Wir fragten, was er denn da wolle und sagten, dass das nicht ginge, da er doch Schule habe. Da erklärte er, dass er an der Schulschachmeisterschaft teilnehmen wolle.“

Schach? Nur barfuß!

Das konnten die Eltern erst nicht glauben, denn in der Schulschachmannschaft werden erst Kinder ab der dritten Klasse aufgenommen. Doch da einige nicht teilnehmen konnten und Max’ Lehrer die Begabung des Jungen bemerkt hatte, durfte er mitfahren. Über 100 Kinder aus ganz Niedersachsen waren dabei. „Ich war sehr aufgeregt“, sagt Max. Kein Wunder, fuhr er doch als zweitjüngster Spieler hin – und kehrte als Bester wieder zurück. Inzwischen ist er schon zweimaliger Schulschachmeister, wurde zweimal zur Talentsichtung des deutschen Schachclubs eingeladen und ist seit einem Jahr im Bremer Kader.

Um dort aufgenommen zu werden, musste er anfangs seine Ziele definieren, also sagen, was er erreichen möchte. Max wollte unter anderem 1500 Punkte als Deutsche Wertungszahl (DWZ) holen. Anhand dieser Zahl kann man den Erfolg eines Spielers erkennen. „Ab 1000 gehört man zu den Besseren. Mein Trainer hat 2000.“ Wofür andere drei Jahre brauchen, gelang Max in acht Monaten, in dem er Turnier um Turnier spielte – übrigens immer barfuß, weil er sich dann besonders behaglich fühlt. Seine jüngsten Gegner waren in seinem Alter, die ältesten 70 Jahre.

Jüngster Teilnehmer im Bremer Kader für die Deutsche Meisterschaft

Ebenfalls seit acht Monaten ist Max Mitglied der Schachabteilung des TuS Varrel und hat dort ziemlich schnell seine Vereinskameraden in Erstaunen versetzt. Bei seinem ersten Turnier reiste er als Reservespieler mit. Nach mehreren Partien stand es unentschieden zwischen dem TuS und seinem Gegner. Dann kam Max an die Reihe, doch die Erwartungen an das „Küken“ waren nicht sonderlich hoch. „Alle hielten es für unwahrscheinlich, dass ich gewinne.“ Aber Max ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und holte den entscheidenden Punkt – und damit seiner Mannschaft den Sieg. Der Kommentar von seinem Mannschaftsführer: „In deinem Alter hatte ich die Windpocken oder Masern – aber keine DWZ-Punkte!“

Jetzt bereitet Max sich auf die deutsche Meisterschaft im Juni vor. Jeden Tag spielt er online, liest ein Schach-Buch oder geht mit seinem Trainer die Liste seiner möglichen Gegner durch. Max wird der jüngste Teilnehmer aus dem Bremer-Kader sein. Mama Anke reist mit ihrem Sohn und bleibt auch ein paar Tage in Willingen. Aus seinem Freundeskreis kann er ebenfalls Unterstützung erwarten, denn auch dort lieben alle das Spiel mit den 32 Figuren.

Welches Ziel hat sich das junge Leester Schachtalent für die Meisterschaft gesetzt? „Ich möchte fünf Punkte aus elf Partien holen“, sagt Max spontan. Könnte er sich denn auch vorstellen, mal Profi-Schachspieler zu werden, wie sein Vorbild Magnus Carlsen? „Das ist eher unwahrscheinlich“, sagt Max und wirkt dabei deutlich reifer als zehn Jahre. Doch dann lächelt er verschmitzt: „Es wäre aber schön.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Islamistischer Terroranschlag in Barcelona mit vielen Toten

Islamistischer Terroranschlag in Barcelona mit vielen Toten

IGS Rotenburg ist Partnerschule des DFB

IGS Rotenburg ist Partnerschule des DFB

Bilder: Tote und viele Verletzte nach Terrorattacke in Barcelona

Bilder: Tote und viele Verletzte nach Terrorattacke in Barcelona

Übung des Ortsvereins Bassum und des Technischen Hilfswerks

Übung des Ortsvereins Bassum und des Technischen Hilfswerks

Meistgelesene Artikel

Aus der Disco direkt gegen eine Laterne und in eine Schlägerei

Aus der Disco direkt gegen eine Laterne und in eine Schlägerei

Doppeltes Grün an der Ampel? Autos kollidieren auf der B214

Doppeltes Grün an der Ampel? Autos kollidieren auf der B214

Syker Entenrennen endet mit denkbar knappem Zieleinlauf

Syker Entenrennen endet mit denkbar knappem Zieleinlauf

Technischer Defekt setzt Keller komplett unter Wasser

Technischer Defekt setzt Keller komplett unter Wasser

Kommentare