„Bäche sind trockengefallen“

Nabu-Vorsitzender Thomas Brugger schlägt Alarm und sieht Gefahr für den Mühlenkamp-See

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Nicht nur der Hombach trocknet aus, auch das Bett des Gänsebachs führt kein Wasser mehr. Das Bild zeigt den Pegel unter einer Brücke. Thomas Brugger macht die Trinkwassergewinnung dafür verantwortlich. 

Thomas Brugger vom Naturschutzbund (Nabu) Weyhe schlägt Alarm. Wieder einmal. Diesmal geht es aber nicht um Böttchers Moor und um das Kleine Moor in Leeste, wo die Wasserstände deutlich gefallen sind.

Weyhe - Nein, jetzt geht es um die Fließgewässer Hombach und Gänsebach. „Jedes Flussbett ist trocken.“ Davon hat sich der Nabu-Vorsitzende selbst überzeugt. Er wundert sich, dass es in diesem Gebiet rund 100 Messstellen gibt, aber niemand etwas bemerkt haben will.

Zwei Spaziergängern war Ende Juni das fehlende Wasser aufgefallen. Sie meldeten sich beim Nabu. Brugger hat die Beobachtungen überprüft und stellt Auffälligkeiten fest: „Von Nordwohlde bis Fahrenhorst verliert der Hombach keine Wassersubstanz“, so Brugger. Aber auf den nächsten sechs Kilometern von Fahrenhorst bis zur Bundesstraße 6 in Melchiorshausen verringert sich das Volumen dieses Fließgewässer um „etwa 80 Prozent“. „Unter der B6-Brücke war der Hombach nur ein Rinnsal.“

Ist die Trinkwassergewinnung die Ursache?

Der Nabu-Vorsitzende hat den Verdacht, dass die Trinkwassergewinnung dafür ursächlich ist. Genau dort greifen nämlich laut Brugger die Trinkwasserbrunnen in den Wasserhaushalt ein und bewirken eine Absenkung des Grundwasserpegels bis zu 1,5 Meter. In Höhe Wulfhoop stehen die ersten Trinkwasserbrunnen der Harzwasserwerke in einem Abstand von 200 bis 300 Meter zum Fließgewässer. Solche Brunnen macht Brugger auch für den Trockenfall des Gänsebachs verantwortlich.

„Normalerweise würde Grundwasser in die Bäche laufen und sie speisen, aber durch die Absenkung fließt das Wasser vom Hombach und Gänsebach in das Grundwasser, was wiederum von den Brunnen erwischt wird.“

Zum Vergleich: Am Samstag sei der Pegelstand des Hombachs in Fahrenhorst 25 Zentimeter hoch gewesen – direkt an der Bundesstraße 6 war er aber nur zwei Zentimeter hoch.

Thomas Brugger hatte den Landkreis informiert, und der habe sofort reagiert. „Der sogenannte Brunnen 8 wurde rausgenommen, weil er keine 200 Meter vom Hombach entfernt ist.“ Das habe Wirkung gezeigt. Der Pegel erholte sich und stieg auf fünf Zentimeter. Sicherlich hätten auch die Niederschläge am Samstag den Anstieg begünstigt, glaubt Brugger.

Diese Muscheln rettet der Nabu vor dem Austrocknen.

Wenn der Hombach aber weiterhin wenig Wasser führt, könnte dieser Umstand auch eine Gefahr für den Mühlenkamp-See bedeuten. Denn auch dieser See speist sich über den Hombach, und dort sei der Pegel um 40 Zentimeter gesunken.

Brugger glaubt, dass diese Probleme in den kommenden Jahren zunehmen werden, und fordert, die Trinkwassergewinnung auf eine andere Basis zu stellen. Das Wasser aus dieser Region wird zum Beispiel nach Bremen verkauft. Die Hansestadt bekommt laut Brugger aus den umliegenden Kommunen das Trinkwasser, aber auch aus den 19 Brunnen rund um Weyhe. Dieser Anteil betrage 44 Prozent. Bremen sollte dazu die Weser anzapfen und die Flüssigkeit aufbereiten.

Kreisrat Jens-Hermann Kleine bestätigt, dass der Brunnen 8 vom Fördernetz genommen worden ist. Der Landkreis als Untere Wasserbehörde ist in die Ursachenforschung eingestiegen. Wie Kleine bemerkt, war der Sommer 2018 „sehr trocken“. In diesem Jahr waren die Niederschlagsmengen zwar höher, aber nicht so hoch, um das Defizit vom Vorjahr auszugleichen. Die Folge: Der Grundwasserstand sinkt weiter ab. Außerdem war die Lufttemperatur in diesem Juni sehr hoch, das bedeutet laut Kleine, dass die Verdunstung ebenfalls sehr hoch war.

Weitere Entwicklung im Fokus

Um das Rätsel des trockenen Bachlaufs zu klären, habe die Gemeinde geprüft, ob Unbefugte Wasser aus dem Hombach entnommen haben. „Schläuche wurden glücklicherweise nicht entdeckt“, so Kleine. Ob die Annahme Bruggers, dass die Trinkwassergewinnung ursächlich sei, zutrifft, müsse geprüft werden. Man wolle schauen, wie sich das Grundwasser entwickelt, wenn der Brunnen 8, der sich auf halbem Weg zwischen Seckenhausen und Melchiorshausen befindet, abgeschaltet bleibt.

Der Landkreis habe auf den Missstand reagiert und laut Jens-Hermann Kleine erlaubt, Fische und andere Wasserlebewesen umzusetzen. Das hat der Nabu auch getan: Unter anderem hatte Thomas Brugger mehr als 250 Muscheln einer geschützten Art am Auslauf des Mühlenkampsees entdeckt und diese sofort in das Stillgewässer umgesetzt.

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