Autofahrt mit 1,95 Promille Alkohol im Blut nicht nachweisbar / Angeklagter bekommt Anspruch auf Entschädigung

Freispruch: Gericht gibt „Lappen“ zurück

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Mediengruppe Kreiszeitung

Weyhe - Von Dieter Niederheide. Der Verdacht, dass ein Firmenchef aus Syke in Weyhe mit rund 1,95 Promille Alkohol im Blut im Auto unterwegs war, hat sich im Strafprozess im Amtsgerichts Syke nicht bestätigt. Die Richterin sprach ihn vom Vorwurf der Trunkenheit am Steuer frei.

Die Juristin händigte dem Mann den von der Polizei eingezogenen Führerschein wieder aus. Er soll sogar eine Entschädigung für die Zeit erhalten, in der sein „Lappen“ sichergestellt war. „Es spricht eine Menge dafür, dass Sie gefahren sind, aber ich kann es ihnen nicht nachweisen“, sagte sie.

Was war passiert? Ein Mann schläft an einem Septembernachmittag in einem Weyher Imbiss ein. Die Gastronomiemitarbeiterin ruft ihren Chef an, der wiederum benachrichtigt die Polizei. War der Gast mit seinem Auto gefahren? Eine spätere Blutprobe ergibt einen Promillewert von 1,95. Der Angeklagte bestreitet, gefahren zu sein. Er habe sich bei Bekannten in der Wesergemeinde reichlich an alkoholischen Getränken bedient. Nicht er, sondern ein Verwandter, habe ihn nach Hause fahren wollen. Ein anderer Mann sei mit dem Auto nachgekommen, um den Verwandten wieder mit nach Weyhe zu nehmen. Unterwegs habe der Angeklagte Hunger bekommen und sich am Imbiss absetzen lassen. Der Verwandte habe sein Auto am Imbiss stehen lassen und sei mit dem anderen Mann zurück nach Weyhe gefahren.

„Ich fahre in dem Zustand doch kein Auto, ich wollte vom Imbiss aus per Taxi nach Syke“, gab der Angeklagte an. Zeugen bestätigten seine Version.

Die Imbissmitarbeiterin will vom Tresen aus bereits beobachtet haben, wie der Angeklagte mit dem Wagen kam, von der Fahrerseite ausstieg, ins Lokal ging und, wie sie sagte, lallend ein Essen bestellte.

Die Mitarbeiterin kannte den Angeklagten als einen guten Gast, der des Öfteren zum Essen einkehrte.

„Hat ihnen der Angeklagte irgendetwas getan?“, fragte der Verteidiger. Er fand es erstaunlich, dass die Zeugin ihren Arbeitgeber anrief, anstatt den Gast aufmerksam zu machen, dass er im Imbiss nicht schlafen kann und ihm nicht die Autoschlüssel abnahm. In seinem Plädoyer sah der Anwalt in der Aussage der Zeugin erhebliche Belastungstendenzen gegenüber seinem Mandanten. Ihr Verhalten sei für ihn nicht nachvollziehbar, so der Jurist.

Die Äußerungen der beiden Zeugen, die den Angeklagten bis zum Imbiss fuhren, seien auf keinen Fall Gefälligkeitsaussagen. Der Anwalt forderte Freispruch. Zuvor hatte der Staatsanwalt gegen den Syker eine Geldstrafe von 1500 Euro und noch sechs Monate Führerscheinsperre beantragt. Er war von der Darstellung der Mitarbeiterin des Imbisses überzeugt. Die habe, so der Vertreter, der Staatsanwaltschaft, den Angeklagten genau beobachtet, als er mit dem Auto den Imbiss erreichte.

Die Strafrichtern folgte aber dem Verteidiger. Die Juristin schloss nicht aus, dass die Zeugin eventuell im entscheidenden Augenblick doch nicht richtig mitbekommen hatte, was vor dem Lokal geschah. In ihren Beobachtungen der Zeugin könnte es Lücken gegeben haben. „Es ist eine merkwürdige Geschichte, und es bleiben eine Menge Fragen“ sagte die Syker Strafrichterin.

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