Schmale Straße in Weyhe

Auto vs. Fahrrad: „Zu doof oder einfach rücksichtslos?“

Fahrzeuge Im Mühlengrunde.
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Geteilte Fahrbahn: Fahrzeuge müssen Im Mühlengrunde den Radstreifen überfahren, um nicht miteinander zu kollidieren. Seit Oktober 2020 passieren sich Autos und Fahrräder dort haarscharf. Auf der schmalen und kurvenreichen Strecke kommt es zu heiklen Situation.

Zu gefährlichen Situationen kommt es seit dem großen Umbau Ende 2020 regelmäßig „Im Mühlengrunde“ in Weyhe. Haarscharf begegnen sich dort die Auto und Fahrrad.

Weyhe – Das war knapp. Autos und Lkw bewegen sich über den schmalen und kurvenreichen Abschnitt der Straße Im Mühlengrunde in Weyhe. Die Straße lässt Verkehrsteilnehmern seit dem großen Umbau im Oktober 2020 nicht viel Platz. Es kommt dort immer wieder zu gefährlichen Überholmanövern an Fahrradfahrern.

ADFC: Autofahrer noch nicht bereit

6,5 Meter misst die rund 650 Meter lange Straße zwischen der Sudweyher und der Kirchweyher Straße laut Gemeinde Weyhe an ihrer breitesten Stelle. Davon sind 1,5 Meter für den Radverkehr reserviert. Der Rest steht den Kraftfahrzeugen zur Verfügung. Auf halbem Weg – in Höhe der Hache – verengt jedoch eine Baumreihe Richtung Sudweyhe die gesamte Fahrbahnbreite auf dort nur noch rund 6 Meter – inklusive 0,6 Meter Entwässerungsrinne.

1,5 Meter Überhol-Abstand zu Fahrradfahrern

Autofahrer dürfen laut Gesetz nur in Ausnahmefällen einen Fahrradschutzstreifen befahren. Beim Überholen von Radverkehr, aber auch von Fußgängern und Elektrokleinstfahrzeugen, ist innerorts mindestens ein Abstand von 1,5 Metern einzuhalten. Doch das ist Im Mühlengrunde wegen der schmalen Fahrbahnbreite kaum möglich. Deswegen überfahren dort Autofahrer nahezu durchgehend – verbotenerweise – den Fahrradschutzstreifen (siehe Foto).

Doch was wäre die Alternative? Diejenigen Autofahrer, die in Richtung Classic Tankstelle nicht von Anfang an auf dem Radfahrstreifen fahren, müssten bei jedem entgegenkommenden Fahrzeug ruckartig auf den Fahrradstreifen ausweichen oder vollbremsen, damit es nicht zu einer Kollision kommt. Für zwei Fahrzeuge und ein Fahrrad nebeneinander ist die Fahrbahn zu schmal.

Auf Fahrbahnen wird kaum jemand umgefahren.

Holger Opitz, Verkehrsexperte des ADFC

Holger Opitz, Verkehrsexperte des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, hält die Straße Im Mühlengrunde „prinzipiell nicht für unsicher“. Seiner Ansicht nach seien Autofahrer im Landkreis Diepholz nur noch nicht bereit, um die Fahrbahn mit Radfahrern zu teilen. „Man kennt vieles nicht, was man nicht täglich vorfindet“, sagt er. Doch bei manchen Autofahrern im Landkreis frage er sich: „Sind die zu doof oder einfach rücksichtslos gegenüber Radfahrern?“

Im Mühlengrunde jedenfalls habe die Verkehrskommission (Untere Verkehrsbehörde, Polizei und Straßenbaulastträger) das Umbauvorhaben Ende 2020 zu verantworten. Letztlich habe es nur die Wahl zwischen Pest und Cholera gegeben, sagt Opitz – also Fahrrädern auf der Fahrbahn mit oder ohne Fahrstreifen.

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Dass dort Handlungsbedarf bestand, war der gesetzlichen Lage vor Ort Im Mühlengrunde geschuldet, erzählt Opitz. Die Straße stamme noch aus der Zeit von Pferdefuhrwerken. „Der vorige Gehradweg auf dem Bürgersteig war seit Jahren zu schmal und entsprach nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben.“ Als eine reine Fahrradförderung will Opitz die Fahrrad-Markierungen daher nicht verstanden wissen, betont er.

Durch den eingerichteten Fahrradschutzstreifen habe sich die Situation für den Radverkehr grundsätzlich verbessert, findet auch Stefan Sommer, Fachbereich Ordnung und Soziales in Weyhe. Zwar teilt die Gemeinde die Auffassung, dass mit einer größeren Straßenbreite „ganz sicher weitere Verbesserungen möglich wären“, so Sommer, jedoch habe der Radverkehr in Richtung Kirchweyhe zumindest die Wahl, entweder den Schutzstreifen auf der Fahrbahn zu nutzen oder weiterhin den südlich gelegenen Weg auf dem Hochbord.

Gemeinde prüft Tempo 30 „Im Mühlengrunde“

Nach Fertigstellung der Pflegeeinrichtung auf dem Gut Sudweyhe beabsichtige die Gemeinde Weyhe eine Herabsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit Im Mühlengrunde von derzeit 50 auf 30 Kilometer pro Stunde (km/h) zu prüfen, teilt diese auf Anfrage mit. „Sofern 30 km/h dort angeordnet werden können, darf diese Beschränkung jedoch nur für eine Strecke von maximal 300 Metern, also nicht ganz für die Hälfte der Landesstraße Im Mühlengrunde, eingerichtet werden“, so Sommer.

Zwar sollte „eine Straße mit Fahrrad-Schutzstreifen etwas breiter sein“ als Im Mühlengrunde, so ADFC-Experte Opitz. Dennoch, laut Unfallstatistik der vergangenen Jahrzehnte bräuchten sich Radfahrer wenig Sorgen machen. Radfahren auf der Straße sei nicht gefährlicher als das Fahren auf dem Gehweg.

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