Wegen Corona bricht Melchiorshauserin Work&Travel-Trip ab: Massive Rückreise-Probleme

In Australien im Stich gelassen

Die beiden Norddeutschen erkunden ihre Wohngegend.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Wer mit einer Austauschorganisation ins Ausland reist, erwartet, dass sie bei Problemen hilft. Erst recht, wenn eines so massiv ist, dass sogar eine Rückreise notwendig wird. Genau darauf haben Gina Sündermann aus Melchiorshausen und ihre Freundin Anna-Marie Spartz aus der Bremer Neustadt vertraut, die im Herbst gemeinsam eine sogenannte „Work & Travel“-Reise nach Australien angetreten haben.

Die Freundinnen wollten über einen langen Zeitraum Land und Leute kennenlernen, doch der Ausbruch der Covid-19-Pandemie machte ihnen einen dicken Strich durch die Rechnung. Sie mussten nach Deutschland zurückfliegen – aber das ging nicht so einfach, wie sich herausstellte.

Statt in Sydney weiter in Cafés und Restaurants zu arbeiten, befinden sich Gina Sündermann und Anna-Marie Spartz nun in einer freiwilligen Quarantäne. Beide sind sehr erleichtert, dass sie seit Gründonnerstag wieder daheim sind.

Ein Kirchweyher erwies sich in Australien als Retter in der Not, weil die deutsche Organisation die beiden 19 und 20 Jahre alten Frauen im Stich gelassen hat.

Anders als Deutschland habe Australien spät reagiert und erst etwa eine Woche vor ihrer Abreise Läden geschlossen, berichtet Gina Sündermann. Dann ging es aber Schlag auf Schlag. Die Regierung habe einen Lockdown angekündigt, dessen Dauer völlig ungewiss war, so die Leester KGS-Ehemalige (Abi 2019). „Bei einer Ausgangssperre wären wir in unserer Wohnung gefangen gewesen“, sagt sie. Gina Sündermann und Anna-Marie Spartz wollten sich aber nicht ausmalen, was passiert, wenn ihr Geld für Miete und Essen aufgebraucht gewesen wäre. Sie lebten in der Millionenmetropole Sidney in einem Zimmer in einer Wohngemeinschaft für acht junge Erwachsene. Und jeder von den Mitbewohnern arbeitete wie sie in der Gastronomie oder als Pizza-Bote und kam mit vielen Menschen zusammen. Nachdem die Bundesregierung eine Reisewarnung für alle Länder aussprach, beschlossen auch die beiden jungen Frauen, den Heimweg anzutreten. Doch ihre Fluggesellschaft war telefonisch für sie nicht gut erreichbar, blicken sie zurück. Immer mehr Flüge wurden gestrichen. Die jungen Frauen fuhren schließlich zum Flughafen, um ihren eigentlichen Rückflug, der erst Monate später erfolgen sollte, umzubuchen. Doch für diesen Service sollten sie 900 Dollar bezahlen. Die deutsche Austauschorganisation zuckte mit den Schultern. „Sie war überfordert“, so Gina Sündermann. Die Mitarbeiter hätten ihnen geraten, sich für die Rückholaktion zu registrieren. „Wir haben aber viel Geld für eine Organisation ausgegeben, und nun mussten wir uns selbst kümmern. Wir haben uns auf sie verlassen. Sie schuldet uns das Geld für den Rückflug.“

Schließlich buchten die Weyherin und die Bremerin auf eigene Faust bei einer anderen Gesellschaft One-Way-Tickets: Doch auch das klappte nicht – dieser Flug wurde ebenfalls gestrichen. Ihre verzwickte Lage spitzte sich nun zu: Ihr Ticket berechtigte jetzt nicht mal mehr, das Flughafengebäude zu betreten. „Polizei und Militär sicherten das Gelände und den einzigen geöffneten Eingang“, schildert Sündermann die Situation, die sie vor Ort erlebt hat. Die Polizisten ließen nur noch Reisende durch, die ein Ticket für einen Flug hatten, der an diesem Tag Sidney wirklich verlässt. Indes war die Rückholaktion der Bundesregierung längst angelaufen, doch zunächst wurden laut Sündermann zum Beispiel Hilfsbedürftige ausgeflogen.

Mittlerweile hatte Ginas Mutter Birgit Sündermann den beiden jungen Frauen die Kontaktdaten des deutschen Honorarkonsuls aus Brisbane übermittelt. Es handelt sich um Michael Rosemann, ebenfalls Ehemaliger der KGS Leeste (Abi 1987), der in Brisbane lebt und als Uni-Professor arbeitet. Er betreut in Australien mehr als 10 000 Deutsche, die in seinem Distrikt leben. Als der Weyher von dem Problem der beiden jungen Frauen hörte, nahm er sofort Kontakt auf.

„Wir sind ihm sehr dankbar“, so Gina Sündermann. Die 19-Jährige freut sich, dass Michael Rosemann ihre Rückreise organisiert hat. Nach einem Telefonat mit dem Honorarkonsul sei alles sehr schnell gegangen. Er habe seine Kanäle genutzt, um „mit unserer Fluggesellschaft direkt zu kommunizieren, und hat uns einen Platz im nächsten Flieger nach Deutschland organisiert“. Danach habe er uns direkt angeschrieben und sich erkundigt, ob alles geklappt hat. Er erkundigte sich auch, ob das Duo sicher in Deutschland gelandet sei.

Trotz des plötzlichen Endes ihrer Reise sei es „eine schöne Zeit gewesen. „Wir haben neue Leute kennengelernt, und es war interessant, auf „sich selbst gestellt zu sein, um sich ein Dach über dem Kopf und das Essen zu organisieren“, so Sündermann. Für den Start ihres Trips habe ihre Organisation aber einen guten Job gemacht: Sie hatte ein sauberes Hostel und ein ausgedehntes Besuchsprogramm für Sehenswürdigkeiten in den ersten Tagen organisiert. Aber schon ihre Jobs mussten sie selbst ergattern. Backpacker werden schon mal ausgenutzt und arbeiten zur Probe ohne Bezahlung mehrere Stunden umsonst. „Es ist schwer, einen guten Job zu finden. Einen Deutschland-Bonus gibt es nicht“, so Gina Sündermann, die wie ihre Freundin schon Erfahrungen in der Gastronomie mitbrachte. Sie arbeitete vorher beim Griechen in Angelse, und ihre Freundin bei Burger King in Brinkum.

Die beiden zeigten sich von Anfang an als Kämpferinnen: Sie erlebten nach ihrer Ankunft die Zeit der Buschbrände. Man konnte laut Sündermann an manchen Tagen nicht die Sonne hinter grauen Wolken sehen. „In Sidney war man ja sicher, aber man roch den Qualm.“ Die Tische in den Restaurants waren bedeckt mit Asche“, so Sündermann. Beide wischten viel. Der Nebenjob brachte ihnen jeweils 20 Dollar die Stunde ein – das sind rund zwölf Euro. Unterm Strich habe sich ihr Englisch sehr verbessert. Außerdem werde sie künftig in Vorstellungsgesprächen selbstbewusster auftreten. Sie habe gelernt, Geld besser einzuteilen. Ihr Tipp für künftige Abiturienten, die auf ihren Spuren nachfolgen wollen: Die Weyherin schlägt vor, auf die Dienste einer Organisation zu verzichten. Es sei billiger, mit ehemaligen Reisenden zu sprechen, und sich alles selbst zu organisieren.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fußball-Bundesliga am Samstag: Sechs Spiele, sechs Köpfe

Fußball-Bundesliga am Samstag: Sechs Spiele, sechs Köpfe

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Leipzig im Halbfinale - Poulsen und Hwang treffen gegen VfL

Leipzig im Halbfinale - Poulsen und Hwang treffen gegen VfL

Elfmeter und Doppelschlag: Bayern-Schreck Kiel stoppt Essen

Elfmeter und Doppelschlag: Bayern-Schreck Kiel stoppt Essen

Meistgelesene Artikel

400 Paletten Ware für den neuen Famila in Diepholz

400 Paletten Ware für den neuen Famila in Diepholz

400 Paletten Ware für den neuen Famila in Diepholz
Wichtige Beschlüsse für zwei Diepholzer Schulen

Wichtige Beschlüsse für zwei Diepholzer Schulen

Wichtige Beschlüsse für zwei Diepholzer Schulen
Klinik Bassum hat zwei neue Operationssäle

Klinik Bassum hat zwei neue Operationssäle

Klinik Bassum hat zwei neue Operationssäle

Kommentare