Künstlerin Gisela Wiechmann hält Szenen von „Alltagsmenschen“ mit Pappmaché fest

Welt der Frauen mit langen Beinen

Künstlerin Gisela Wiechmann aus Bassum gestaltet unter anderem Einkaufswagen mit Nahrungsmitteln aus den Anfängen der Corona-Zeit: Nudeln und Eier.
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Künstlerin Gisela Wiechmann aus Bassum gestaltet unter anderem Einkaufswagen mit Nahrungsmitteln aus den Anfängen der Corona-Zeit: Nudeln und Eier.

Weyhe – „Kleine Leute ganz groß“. So lautet der Titel der ersten Ausstellung in der Sudweyher Wassermühle seit dem Beginn der Corona-Pandemie. Der Titel ist Programm: Gisela Wiechmann zeigt ab Samstag, 6. November, neben Bildern im Obergeschoss der Mühle Figuren aus Pappmaché unterschiedlicher Größe. Insgesamt sind es mehr als 50 Exponate. Einige davon waren schon 2018 im Syker Kreismuseum zu sehen.

Seit der Pandemie sind aber noch neue dazugekommen.

Die Künstlerin aus Bassum nimmt die Besucherinnen und Besucher mit in eine Frauenwelt, die sie mit ihren Figuren aus Zeitungspapier geschaffen hat: Die Größen variieren zwischen 15 Zentimeter und etwa 1,60 Metern. Neben den kleineren und den lebensgroßen Figuren aus Pappmaché hängen an den Wänden der Wassermühle auch mehrere Porträts – natürlich von Frauen.

Es gibt in ihrer Pappmaché-Welt schon noch ein paar Männer aus Zeitungspapier, doch die sind – zumindest in dieser Ausstellung – in der absoluten Unterzahl. Und in einer Installation in einem Nebenraum sieht man drei Frauen, die auf einen Mann herunter blicken. Diese Figur nennt sie schlicht „kleiner Mann“.

Gisela Wiechmann, geboren 1956 in Bassum, beobachtet seit Jahren Alltagsszenen zum Beispiel von Menschen beim Einkaufen im Supermarkt und sammelt Geschichten. Es sind stets die Geschichten von einfachen Leuten, speziell liebenswerten Menschen mit Charakter, die sie aufarbeitet. Wiechmann nennt diese Menschen „Alltagsmenschen“. Diese inspirieren die Künstlerin dazu, zur Tageszeitung zu greifen und aus den alten Seiten kleine Figuren entstehen zu lassen. Das Zeitungspapier sei für sie ideal, um mit Wasser und Kleister alles Mögliche zu formen, um wieder eine Szene entstehen zu lassen. Damit die Figuren standfest bleiben, arbeitet sie Hölzer ein.

Die Bassumerin berichtet, dass sie für jedes ihrer Werke in ihre Gedankenwelt eintaucht. Die Szenen, die sie gesehen hat, kramt sie hervor und garniert sie mit einer Prise Fantasie. Schicht für Schicht arbeitet sie sich bei einer Figur vor und lässt schließlich farbenfrohe Figuren entstehen. Auffällig: Die meisten Frauen wirken schlank und haben oftmals sehr lange Beine. Es dreht sich in der Wassermühle aber nicht alles um den Körper einer Figur: Die Künstlerin stellt eine Momentaufnahme dar, die ihre Figur gerade erlebt. Es geht ihr um die (modische) Bekleidung. Außerdem setzt sie ihre kleinen Geschöpfe in kleine Rahmen und kreiert eine dazu passende Umgebung. Dass sie eine Ausbildung als Schauwerbegestalterin und Floristin in Bremen absolviert und einen geschulten Blick für Schönes und Details hat, zeigt sich in den zahlreichen Exponaten. Wer sie nicht nur einmal, sondern öfter betrachtet, entdeckt immer wieder neue Details. Bestimmte Worte einer Seite treten hervor, oder die Zeitungstreifen formen Handtaschen oder Schals.

Die Bassumer Künstlerin präsentiert in Weyhe zahlreiche Figuren, die anderswo noch nicht öffentlich zu sehen waren. Zwar hatte Gisela Wiechmann in diesem Jahr eine Ausstellung im Rathaus von Bruchhausen-Vilsen, aber niemand durfte sie wegen der Pandemie besuchen – letztendlich wurden nur Fotos von der Ausstellung gezeigt.

Als das gesellschaftliche Leben wegen Corona ruhte, war die Bassumerin kreativ geworden. Ihre neuen Figuren spiegeln teilweise Ungewissheit und Ängste ebenso wider wie eine tiefe, innere Ruhe. In einer kleinen Dreier-Serie zeigt sie zum Beispiel Menschen beim Einkaufen. Dass dabei eine Person einen Einkaufswagen schiebt, in dem eine bemalte Nudel liegt, sei kein Zufall. Sie deutet auf eine feine Gesellschaftskritik: Im ersten Lockdown kam es zu Hamsterkäufen und leeren Regalen. Nudeln und Toilettenpapier waren gefragte Waren. Und speziell auf dem Land sei die Nachfrage nach Eiern sehr groß gewesen.

Von Sigi Schritt

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