Corona-Krise

Ausgangssperre in Weyhe? Ratsmitglieder sind sich uneinig

Sollte eine Ausgangssperre eingeführt werden, sollten Bürger die Erlaubnis bekommen, Spaziergänge oder Radtouren unternehmen zu dürfen. Das wünscht sich Berthold Groeneveld (SPD) für eine ländliche Region wie Weyhe. Foto: Sigi Schritt
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Sollte eine Ausgangssperre eingeführt werden, sollten Bürger die Erlaubnis bekommen, Spaziergänge oder Radtouren unternehmen zu dürfen. Das wünscht sich Berthold Groeneveld (SPD) für eine ländliche Region wie Weyhe.

Weyhe - Bayern verhängt weitreichende Ausgangssperren für einen Zeitraum von zwei Wochen. Das hat der Ministerpräsident des Freistaats angekündigt. Sollte eine Ausgangssperre aufs ganze Land ausgeweitet werden, so dass sie auch in Weyhe gilt?

„Wenn sie kommen sollte, wird sie umgesetzt“, sagt Bürgermeister Frank Seidel. Das Coronavirus sei unsichtbar und deshalb nicht präsent, stehe also zum Beispiel nicht an einer Ecke und schwinge eine Keule, ergänzt er. Es gehe bei allen Anstrengungen und Appellen bisher darum, die Ansteckungsketten zu unterbrechen, um Ältere, Schwächere und Vorerkrankte zu schützen. „Wir werden die Corona-Krise nur überstehen, wenn wir gemeinsam und nicht egoistisch handeln.“ Solidarität sei gefragt. Das betont Frank Seidel in dem Gespräch mit dieser Zeitung mehrfach. Oberstes Gebot sei die Gesundheit der Bevölkerung. „Alles andere muss hinten anstehen.“ Bilder von überfüllten Supermärkten und Baumärkten seien ihm auch präsent. Die vielen Appelle fruchten nicht, äußert er seine Einschätzung. Da sich zu viele Menschen nicht an die Appelle halten, seien Einschränkungen der Bewegungsfreiheit unausweichlich, sagt er.

Ähnlich äußert sich auch der Weyher SPD-Vorsitzende Berthold Groeneveld: „Ich glaube, niemand will die Ausgangssperre, aber zu viele unvernünftige Menschen werden sie wohl erzwingen. Es kommt natürlich auf die Ausgestaltung im Detail an, da gibt es recht unterschiedliche Lösungen in Europa.“ Der Ratsherr wünscht sich speziell „auf dem Land, wie bei uns, würde ich mir die Chance zum Spaziergang oder einer kleinen Radtour wünschen. Da sollten dann nur die zusammen sein, die ohnehin zusammen leben“.

„Eine Ausgangssperre ist wahrscheinlich notwendig, um auch den letzten Bürgern die Dramatik der Situation vor Augen zu führen!“, so der CDU-Vorsitzende Dietrich Struthoff. Die Bevölkerung müsse zusammenstehen und Solidarität beweisen, sagt er.

Annika Bruck von den Grünen findet es richtig, dass Bund und Länder in Abstimmung mit Experten über die Ausgangssperre entscheiden. „Diese würde mich im großen Einfamilienhaus auch ganz anders treffen als die fünfköpfige Familie in einer 80 Quadratmeter großen Wohnung ohne Balkon.“ Da sie als ehrenamtliche Politikerin in diese schwierigen Abwägungen nicht eingebunden sei, halte sie es wie Jürgen Klopp: „Ich wüsste nicht, warum ich als Architektin ohne das nötige Wissen dazu was sagen sollte.“

„Von der Ausgangssperre halte ich vorerst nichts und appelliere an alle Bürger, die Schutzmaßnahmen wie Kontaktvermeidung, Sicherheitsabstand und Hygiene einzuhalten“, sagt die FDP-Fraktionsvorsitzende Antje Sengstake. „Der nächste Grippevirus kommt bestimmt, sollen wir jetzt jedes Mal den Ausnahmezustand ausrufen?“, ergänzt die Liberale.

Der Weyher Landtagsabgeordnete Marco Genthe, der ebenfalls der Weyher FDP-Fraktion angehört, ist da ganz anderer Meinung: „Leider ist zu beobachten, dass viele Leute noch nicht begriffen haben, wie ernst die Lage ist.“ Er berichtet von einer Party am Maschsee in Hannover am Donnerstagabend, die durch die Polizei aufgelöst werden musste. Er äußert zudem Unverständnis, wenn Kinder geschützt werden sollen, indem Schulen und Kitas geschlossen werden und „dieselben Kinder dann von den Eltern auf den Spielplätzen zusammengebracht werden.“ Er sieht die „Notwendigkeit einer Ausgangssperre“ daher kommen.

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