Aus Schandfleck wird Schmuckstück

Ehemaliges Lahauser Gasthaus weicht Mehrfamilienhaus mit neun barrierefreien Wohnungen

War jahrzehntelang ein Gasthaus: Das 1896 erbaute Gebäude zwischen der Lahauser Grundschule und dem Denkmal.
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War jahrzehntelang ein Gasthaus: Das 1896 erbaute Gebäude zwischen der Lahauser Grundschule und dem Denkmal.

In den Augen vieler Bürger war das ehemalige Lahauser Gasthaus aus dem Jahr 1896 zuletzt nur noch ein Schandfleck. Der Architekt Michael Winkler hat das Gebäude erworben und investiert einen Millionenbetrag in die Errichtung eines Mehrfamilienhauses mit neun barrierefreie Wohnungen.

Weyhe – Als einen „Schandfleck“ hatten Weyher immer wieder das ehemalige Gasthaus zwischen der Lahauser Grundschule und dem Denkmal bezeichnet. Das hat der ehemalige Weyher Bürgermeister Andreas Bovenschulte von seinen Bürgergesprächen berichtet.

Nach Informationen der Gästeführerinnen sei das Gebäude mit Saalbetrieb seit den 1990er-Jahren nicht mehr für die Gastronomie genutzt worden. Kein Investor war in den vergangenen Jahren in der Lage, aus der 1896 errichteten Immobilie etwas zu machen. Den einstigen Glanz, den das Gasthaus Lohmann mit seinem kleinen Platz samt Wilhelmseiche jahrzehntelang versprüht hatte, will auch der neue Investor nicht hervorkitzeln. Das Haus sei nicht mehr zu retten, sagt er. Deshalb hat er andere Pläne.

Michael Winkler möchte dort mit seiner Firma „Winklermassivhaus“ in wenigen Monaten ein modernes Schmuckstück errichten. Der Architekt und Bauträger will rund drei Millionen Euro in die Immobilie investieren und insgesamt neun Wohneinheiten auf insgesamt 1300 Quadratmeter entstehen lassen, sagt er auf Anfrage.

Michael Winkler hat das Grundstück Anfang Februar in einem Bieterverfahren erworben. Es sei aber nicht öffentlich versteigert worden. Der Insolvenzverwalter einer Bauträgerfirma aus Weyhe hatte ein internes Verfahren angestoßen, das Winkler für sich entschied. Und nachdem Gläubiger und die Bank zustimmten, kann Michael Winkler seine Pläne für das Grundstück ausarbeiten. Wie er berichtet, verkaufte die Gemeinde zusätzlich ein paar Quadratmeter Gemeindegrund.

Die beiden kleinsten Wohnungen sollen 77 Quadratmeter groß werden. Die weiteren Wohneinheiten werden Größen bis 100 Quadratmeter aufweisen. Der Architekt will das Haus barrierefrei und behindertengerecht bauen. „Jede Altersgruppe kann das Haus beziehen. Die Etagen werden durch einen Aufzug verbunden.“

Das Grundstück soll zwar nicht über Garagen verfügen, aber immerhin 18 Stellplätze bekommen. Inwieweit diese für Elektroautos genutzt werden könnten, müsse die Nachfrage zeigen. Sicherlich würden Leerrohre ins Erdreich verlegt, um Stromkabel zu verlegen. Ein Fahrradabstellraum für E-Bikes sei dagegen bereits fest eingeplant.

Die Planungen für das Objekt seien noch nicht ganz abgeschlossen. Er überlege noch, mit welcher Technik das Gebäude beheizt würde. Ihm schwebe Hybridtechnik vor, wobei eine Wärmepumpe und eine Gastherme zum Einsatz kommen. Die Fußbodenheizung soll außerdem im Sommer in die Lage versetzt werden, den Boden in den Wohnungen zu kühlen und eine Senkung der Raumtemperaturen um drei Grad zu bewirken.

Wichtig sei dem Architekten, dass die Bewohner ein gleichmäßiges Temperaturgefälle erleben. „Bauherren, die sich dafür entschieden haben, wollen diesen Aspekt nicht missen“, sagt er. Michael Winkler habe mit einem kleinen Team und Handwerkspartnern im gesamten norddeutschen Raum Wohnhäuser errichtet.

Das zweigeschossige Lahauser Gebäude will der Unternehmer zudem mit einer Lüftungsanlage ausstatten. So würde jede Wohnung kontrolliert be- und entlüftet. Mit dieser Anlage würde nicht nur Energie gespart, sondern eine mögliche Virenlast in der Luft würde kontinuierlich ins Freie geblasen. Das sei in Corona-Zeiten durchaus sinnvoll.

Der Abbruch des Hauses aus dem 19. Jahrhundert begann in der vergangenen Woche. Die Bauarbeiten sollen im Juli starten.

Geplant ist, dass unter anderem für dieses Gebäude vorgefertigte Wandelemente aufgestellt werden, die zu 60  Prozent aus Ton, zehn Prozent aus Zement und zu 30  Prozent aus Sand bestehen. Dadurch verkürze sich die Bauzeit. Im September soll der Rohbau bereits fertiggestellt sein. Dann folgen die Estricharbeiten. Im Frühjahr werde das Haus bezugsfertig sein, so Winkler.

Sind alle Wohnungen schon verkauft? Der Architekt verneint die Frage. Die Kreissparkasse werde sie erst in zwei Wochen anbieten.

Von Sigi Schritt

Zeigt, wie das neue Gebäude aussehen soll: Michael Winkler.

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