Heiner Riehn will Werke eines in Vergessenheit geratenen Malers aus der Region finden

Auf historischer Spurensuche in Leeste

Dieser Ausschnitt eines Bildes aus dem Jahr 1931 soll den Leester Heinrich Wetjen Arbs beim Pflügen zeigen.  
Repro: Sigi Schritt
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Dieser Ausschnitt eines Bildes aus dem Jahr 1931 soll den Leester Heinrich Wetjen Arbs beim Pflügen zeigen. Repro: Sigi Schritt

Weyhe –  Nach langen Recherchen ist er jetzt an einem Punkt, an dem er nicht mehr weiterkommt. Deshalb bittet er die Leser dieser Zeitung um Hilfe: Heiner Riehn will ein Buch über einen Maler der Region herausgeben, der offenbar in Vergessenheit geraten ist und einige Porträt- und Landschaftsbilder hinterlassen hat. Es geht um Heinrich Dietrich Schleede aus Leeste, der 1888 in Leeste-Hagen geboren worden ist und 61 Jahre alt wurde. Zwölf Bilder hat Heiner Riehn bereits aufgespürt. Dabei hat er den Lebenslauf des Malers herausgearbeitet und viele Informationen zusammengetragen. Der 63-Jährige aus Leeste will nun wissen, wer noch Gemälde des Malers besitzt und will mit den Eigentümern oder Besitzern sprechen. „Das erste bekannte Bild stammt aus dem Jahr 1921 und das letzte aus dem Jahr 1948.“

Riehn hat auch die Weyher Archivare aufgesucht. Doch sie konnten nur bedingt seinen Hunger nach Informationen stillen. „Es ist wie ein großes Puzzlespiel, wenn er Menschen in Weyhe aufsucht, die etwas über den Maler und über die Kunst erzählen können.“ Doch es werde immer schwieriger, das nächste Teil zu finden, um das eigene Bild zu vervollständigen.

In einigen Familien in Leeste finden sich laut Riehn Schleedes Werke. Riehn hat sie abfotografiert. Auf seinen Repros sind zum Beispiel Stillleben mit Blumen, Obst und Gemüse und toten oder schlafenden Enten zu erkennen. Weitere Motive: Ein Strauß verwelkender Blumen in einer Vase (1923), ein Wasserfall und eine Waldlandschaft. Aber auch die Landwirtschaft ist ein Bildthema: etwa die Hofstelle Käting in Leeste-Hagen sowie die Hofstelle und das Geburtshaus von Berta Schleede, geborene Rendigs, sowie das Geburtshaus von Dietrich Jathe in Stuhr.

Drei Bilder gehören Heiner Riehn: Eines zeigt eine italienische Küstenlandschaft (1941) und ein weiteres eine Wassermühle in der Nacht (1941).

Und mit dem dritten Bild habe er eine besondere Beziehung, sagt Riehn. Im Mittelpunkt des Werkes steht ein älterer Mann, der einen Handpflug führt, der wiederum von zwei Pferden gezogen wird. Das Bild, das der Maler 1931 geschaffen hat, soll Riehns Großvater Heinrich Wetjen Arbs beim Pflügen zeigen.

Das Bild schmücke seit vielen Jahren die gute Stube, so Riehn. Die Pinselstriche sind gekonnt gesetzt. Alles zusammen wirkt wie ein Foto, das einen Ausschnitt aus der Arbeit in der Landwirtschaft abbildet. Wie dieses und die anderen Bilder in das Eigentum der Familie von Heiner Riehn gekommen sind? Sein Großvater und der Künstler wohnten vielleicht einen Kilometer Luftlinie voneinander entfernt und kannten sich. Riehns Großvater war Gesellschafter der Genossenschaft, die die ehemalige Leester Ziegelei betrieb. Er hatte auch das Grundstück gestellt, das nach dem Ersten Weltkrieg wieder an ihm zurückgefallen ist. Er hatte das Geld, in Kunst zu investieren. Welchen Wert die Bilder haben, kann Riehn nicht sagen. Offenbar interessiere sich nur er für die Werke. Seine Tochter finde alle Bilder „altbacken“. Nicht jeder mag ein Picasso, zeigt Riehn Verständnis.

Ihn fasziniere aber der Leester Maler: Offenbar gab es in der Zeit der Weimarer Republik und der Zeit danach in der Region keinen besseren Kunst- und Porträt-Maler im Umkreis von Leeste, hat Heinz Schmitz aus Melchiorshausen über Schleede gesagt. Schmitz sei ein Kunstschüler des Malers gewesen, berichtet Heiner Riehn. Schleedes Bilder gaben die darauf abgebildeten Personen sehr naturgetreu wieder. Sein Schüler hatte erzählt, dass der Leester Maler ein einfühlsamer Mensch gewesen sei, der sich nur auf Platt unterhalten habe. Von ihm habe Schmitz sehr viel gelernt.

Heiner Riehn suchte in der Nachbarschaft des Künstlers und wurde fündig. Sein Haus befand sich an der Straße „Am weißen Moor“, zeigt Riehn auf einer Karte. Das ehemalige Gebäude gibt es seit den 1960er-Jahren nicht mehr. Riehn deutet auf einen Zeitungsausschnitt der Kreiszeitung, auf dem ein Foto eines abgerissenen Bauernhauses zu sehen ist. Unter dem Bild ist Folgendes zu lesen: „Das über 100 Jahre alte Haus von Schleede, Hagen, das im Laufe der Jahre doch recht baufällig geworden war und schon seit einiger Zeit nicht mehr benutzt worden ist, wird nun abgebrochen. Auf dem Grundstück werden in absehbarer Zeit drei neue Häuser entstehen, und die künftigen Bauherren haben sich gerne bereit erklärt, das alte Gebäude selbst abzutragen.“

Dieses Haus sei der Kern einer kleinen Landwirtschaft gewesen, von der die Familie Schleede gelebt hat. Dazu kamen die Einnahmen durch die Gemälde. Wie Schleedes ehemaliger Nachbar Friedel Wetjen berichtete, habe der Maler auch Auftragsarbeiten ausgeführt. Schleede sei ein ruhiger, hilfsbereiter, zufriedener und immer gut gelaunter Nachbar gewesen.

Für Riehn ist diese geschichtliche Detektivarbeit ein schönes Hobby. Sonst hatte Heiner Riehn, geboren 1953 in Leeste auf dem Areal der ehemaligen Ziegelei, nichts mit Kunst zu tun: Nach dem Besuch der Volksschule wurde er Gärtner, schulte zum Groß- und Außenhandelskaufmann um und führte beide Interessen im Botanischen Garten von Bremen im Rhododendron-Park zusammen. Er fungierte als Personalrat des Gartenbauamts Bremen, wurde in den Gesamtpersonalrat von Bremen gewählt und war Mitglied der großen ÖTV-Tarifkommission und verhandelte mit in Stuttgart. Als Fachkraft für Arbeitssicherheit, zuständig für den Bremer Baubereich, Hansewasser, Stadtgrün und den Bremer Entsorgungsbetrieben, ging er vor drei Jahren in Rente. Als Rentner hat der 67-Jährige Zeit, die Suche nach den Bildern zu intensivieren. Möglicherweise gibt es Werke in den Familien der Verwandtschaft des Künstlers.

Mit seiner Ehefrau Beta Wübke hatte Heinrich Dietrich Schleede drei Kinder: Der älteste Sohn Heinrich war kaufmännischer Angestellter und hat bis 1952 in der Hördener Schule gewohnt und ist anschließend nach Dortmund gezogen. Sein Bruder Johann (1914) war Angestellte der Bundesbahn und hat nebenberuflich in der Eisenbahnerkapelle in Kirchweyhe und im Posaunenchor in Leeste gespielt. Der jüngste Sohn, Georg Schleede (1916), betrieb um 1951 in Leeste (Im Köhlerbruch 13) eine Fahrradwerkstatt und später in Leeste-Hörden eine Autowerkstatt. Dort wohnte er zusammen mit seinem Bruder Johann und dessen Ehefrau Käthe, berichtet Heiner Riehn. In diesem Haus hatte auch Beta Wübke die letzten Lebensjahre verbracht.

Kontakt

Heiner Riehn, Telefon: 0177/1976674, E-Mail: Schleede-Maler@web.de.

Von Sigi Schritt

Dieses Werk gehört ebenfalls Heiner Riehn: Es zeigt eine Wassermühle in einer Fantasielandschaft.
Hat ein umfangreiches Dossier zum Leester Maler Heinrich Dietrich Schleede angelegt: Heiner Riehn.

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