Bovenschulte zehn Jahre in Weyhe tätig

„Arbeit wird uns sicher nicht ausgehen“

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Weyhe - Von Sigi Schritt. Auf den Tag genau ist es am 2. Mai zehn Jahre her, seit Bürgermeister Andreas Bovenschulte in den Dienst der Verwaltung von Weyhe getreten ist. Dass er damals überhaupt auf den Job als Stellvertreter des Bürgermeisters aufmerksam wurde, hatte er seiner Frau Ulrike Hiller zu verdanken, berichtet der 52-Jährige. „Sie hatte eine Anzeige in der Zeitung entdeckt und am Küchentisch vorgelegt“, blickt der Verwaltungschef zurück.

Vor mehr als einem Jahrzehnt war Bovenschulte noch Referent beim Bremer Senator für Justiz und Verfassung. „Es ging um öffentliches Recht, materielle Rechtsprüfung und Datenschutz.“ Davor war er als Justiziar bei Bremen Online Services (heute: Governikus) tätig, einer Firma, die im Auftrag der Hansestadt maßgeblich die Einführung und Entwicklung elektronischer Dienstleistungen über das Internet koordiniert.

Interesse an Kommunalpolitik ist im Studium gewachsen

Seine Partnerin kannte aber Bovenschultes „Wunsch, Verwaltungsarbeit praktischer und lebensnaher“ zu leisten. Sein Interesse an kommunalpolitischen Themen war seit dem Studium der Rechtswissenschaften an der Uni Bremen gewachsen. Deshalb hatte der Jurist auch im Kommunalrecht promoviert. „Gemeindeverbände als Organisationsformen kommunaler Selbstverwaltung“ lautet der Titel seiner 600-seitigen Dissertation, die in der Bibliothek der Universität zu finden ist. „Zugegeben kein Werk, mit dem man es unter die ersten 100.000 auf der Amazon-Bestsellerliste schafft“, erklärt Bovenschulte mit einem Lachen.

Bovenschulte, geboren 1965 in Hildesheim, war nie Mandatsträger, beispielsweise in einem Gemeinderat. Er war aber während seines Studiums Vorsitzender des Allgemeinen Studentenausschusses. Und er engagierte sich bei der SPD, bei der er seit 1984 Mitglied ist. In der Partei bekleidete er verschiedene Funktionen, unter anderem war er später von 2010 bis 2013 Landesvorsitzender in Bremen.

Nach dem Verbrechen an Daniel S. war es schwierig

In der Weyher Bewerbungsrunde 2007 setzte sich Bovenschulte im Gemeinderat mit großer Mehrheit durch, nur die FDP enthielt sich damals. Er hatte am Küchentisch immer davon gesprochen, mehr praktische Gestaltungsmöglichkeiten haben zu wollen. Nun war er Mitglied des Vorstands einer Verwaltung mit rund 500 Angestellten und Beamten. „Themenfelder von der Bauleitplanung über die Schulpolitik bis hin zur Feuerwehr, die ich zuvor nicht oder nicht in dieser Intensität beackert habe, kamen auf mich zu.“ Deshalb kniete er sich als Stellvertreter seines Vorgängers Frank Lemmermann in die Arbeit hinein. „Bis auf wenige Tage und Momente hat mir die Arbeit immer viel Spaß gemacht“, sagt er.

Schlimm sei die Zeit nach dem Verbrechen an Daniel S. gewesen, als Rechtsextreme aus Weyhe einen Wallfahrtsort für ihre Ideologie machen wollten und gegen Lemmermann, ihn und andere Verwaltungsmitarbeiter gehetzt worden sei, berichtet Bovenschulte.

Die positiven Momente überwiegen: Seine guten Drähte nach Bremen nutzte er, um mitzuhelfen die Südumgehung in Dreye zu verwirklichen. Weitere große Projekte, die in seine Amtszeit als Stellvertreter Lemmermanns fallen: die Sanierung des Kirchweyher Bahnhofs, der Neubau der Lahauser Eisenbahnbrücke und die flächendeckende Einführung der Ganztagsgrundschulen.

Hotel mit wenigstens 50 Zimmer soll in der Gemeinde ansässig werden

Aktuell sind es Projekte in Leeste – wie die Sanierung der KGS, der Neubau des Feuerwehrzentrums und die Ortskernentwicklung – aber auch Vorhaben wie die Sanierung des Sudweyher Bahnhofs oder die Weiterentwicklung des Kirchweyher Marktplatzes, die ihn beschäftigen.

Und für die Zukunft? „Da gibt es noch jede Menge zu tun, die Arbeit wird uns ganz sicher nicht ausgehen.“ Ein Beispiel: Mindestens 50 Zimmer oder sogar etwas mehr soll ein Hotel haben, das der Bürgermeister gerne in der Wesergemeinde ansiedeln möchte. So ein Haus, in dem beispielsweise Menschen mit Handicap Dienstleistungen erbringen könnten, würde der Gemeinde gut zu Gesicht stehen, sagt er. „Nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Einrichtungen, sondern als Ergänzung.“

Wer schon mal eine größere Familienfeier geplant hat und seine Gesellschaft in zusammenhängenden Zimmern unterbringen will, weiß, dass er auf umliegende Ortschaften ausweichen muss. Das Präsidium des Niedersächsischen Städtetages, dessen Mitglied Bovenschulte ist, wollte in der Wesergemeinde tagen. Es scheiterte am Platz.

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