Für Intendant Kay Kruppa ist das (Weyher) Theater Leidenschaft, kein normaler Beruf

Anwalt der guten Unterhaltung

+
Kay Kruppa fährt regelmäßig nach London, um sich in den dortigen Theatern neue Ideen zu holen.

Kirchweyhe - Von Maren Jensen. Im Fundus des Weyher Theaters gibt es einiges zu entdecken: Kostüme in verschiedenen Formen und Farben, Champagnerflöten, mehrsprachige Zeitungen und Spielzeugrevolver. In einer Ecke steht ein rostiger Werkzeugkoffer, dahinter hängen leuchtende Federboas und Anzüge, die an James Bond erinnern. Mittendrin steht Intendant Kay Kruppa. Stolz dreht er sich einmal herum und zeigt die Sammlung aus diversen Vorstellungen. Von Krimis über Kinderstücke bis hin zu Komödien – jedes Teil erzählt eine andere Geschichte.

Besonders die Vielfältigkeit liebt Kruppa an seinem Beruf. Dabei ist der 43-Jährige ein Seiteneinsteiger in die Schauspielerei. Das Elternhaus sah zunächst etwas anderes für ihn vor. Er studierte Jura. In Bremen machte der heutige Intendant sein erstes Staatsexamen, das zweite folgte in Oldenburg. Doch trotz guter Ausbildung und der Chance als Anwalt Karriere zu machen, zog es den in Lahausen aufgewachsenen Kruppa immer wieder zum Theater. Schon früh faszinierte ihn die Schauspielerei.

„Ich wusste sehr lange, dass ich Schauspieler werden möchte. Ich denke, dass ich meinen Eltern zuliebe Jura studiert habe“, sagt er. Mit 17 feierte er seine ersten Erfolge und Auftritte mit der Lahauser Bühne. Später spielte er im Bremer Waldau-Theater sowie im Packhaustheater im Schnoor. Zunächst nur abends, denn halbtags arbeitete er als Rechtsanwalt.

„Habe Entscheidung nie bereut“

Doch es zog ihn immer mehr auf die Bühne als hinter die Gesetzesbücher. „Das Theater ist meine größte Liebe und Leidenschaft. Neben meiner Frau natürlich“, sagt er und lächelt. Auch Gattin Antje K. Klattenhoff gehört zu den langjährigen Protagonistinnen am Weyher Theater. Und seine Tochter kenne es ohnehin nicht anders.

Nach zwei Jahren verabschiedete sich Kruppa von der Kanzlei und entschloss sich, seiner Leidenschaft voll und ganz nachzugehen.

„Meine Eltern waren anfangs nichts besonders begeistert von meinen Plänen. Aber ich habe meine Entscheidung nie bereut. Nicht eine einzige Sekunde“, sagt er. Eifrig arbeitete Kruppa am Aufbau des Weyher Theaters im Jahr 2001 mit, das heute als das größte und erfolgreichste niedersächsische Privattheater gilt. „Es ist toll, so viele Berufe in einem zu vereinbaren. Ich kann die Regie führen, auf der Bühne spielen, Intendant sein und gleichzeitig noch Stücke schreiben.“ Glücklich blickt er auf die 15 Jahre zurück, mit vielen Höhen und Tiefen. „Als wir angefangen haben, waren wir alles andere als ausverkauft.“. Das Privattheater finanziert sich ausschließlich aus dem Kartenverkauf und den konsumierten Getränken der Zuschauer. Doch mit der Zeit habe sich viel verändert.

„Wir platzen aus allen Nähten, haben eine Auslastung von mehr als 90 Prozent und arbeiten mit Menschen aus ganz Deutschland zusammen.“ 198 Plätze hatte die Bühne in ihrer Anfangszeit. Mittlerweile sind es 313. „Ich bin sehr dankbar, dass wir seit Jahren so gutes Theater machen können.“

Eines seiner Lieblingsstücke sei „Cash“ gewesen, in dem er in 189 Vorstellungen die Hauptrolle spielte und mehr als 60 000 Leute mitsingen und jubeln ließ. „Genau darin sehe ich unser Erfolgsrezept. Wir versuchen die Menschen glücklicher nach Hause gehen zu lassen, als sie gekommen sind.“ Oberste Ziel sei es, ein gutes Unterhaltungstheater zu sein.

Fünfmal die Woche probt er mit den anderen Schauspielern für einen neuen Auftritt. Eine Probe kann zwischen drei und acht Stunden dauern. „Wir schauen da nicht genau auf die Uhr. Schauspieler zu sein ist schließlich kein normaler Beruf. Es ist eine Leidenschaft.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Schulz schließt große Koalition aus

Schulz schließt große Koalition aus

AfD feiert - SPD am Boden: Die Bilder zum Wahlabend

AfD feiert - SPD am Boden: Die Bilder zum Wahlabend

Erntefest in Martfeld

Erntefest in Martfeld

„Jugend jazzt“ und „Verden frühstückt“

„Jugend jazzt“ und „Verden frühstückt“

Meistgelesene Artikel

Schuppen an der Autobahn 1 in Flammen

Schuppen an der Autobahn 1 in Flammen

Breitband-Ausbau: Kosten für eigenes Netzwerk im Kreis verdoppeln sich

Breitband-Ausbau: Kosten für eigenes Netzwerk im Kreis verdoppeln sich

„Positiv Bekloppte“ zuckeln für Kinderhospiz nach Polen

„Positiv Bekloppte“ zuckeln für Kinderhospiz nach Polen

Gelungenes Erntefest mit leicht kritischem Unterton

Gelungenes Erntefest mit leicht kritischem Unterton

Kommentare