Wie Anliegergeschäfte mit der B6-Baustelle klarkommen – oder auch nicht

„Wir müssen da durch, es hilft ja nichts“

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Die zweite Deckschicht wird gewalzt. Ab heute wechseln die Arbeiten auf die andere Seite.

Melchiorshausen - Von Philipp Köster. Die Woche vor Ostern ist für Heike Schlacke eine der umsatzstärksten des Jahres. Nicht in diesem Jahr. Denn sie führt ihren Blumenladen Coors in Melchiorshausen an der Bundesstraße 6 / Ecke Flatterdamm und damit direkt an der Baustelle. Seit Montag laufen die Arbeiten für die Erneuerung des maroden Fahrbahnbelags – und legen das Geschäft von Heike Schlacke so gut wie lahm.

„Beschissen“ lautet ihre Einschätzung, wenn sie an die zu Ende gehende Woche denkt. Es sei wenig los. „Kaum einer kommt mit dem Auto. Manche Kunden rufen an und fragen, wie sie uns erreichen können.“ Dann weist die Inhaberin darauf hin, dass die Zufahrt möglich ist, wenn die Leute in Richtung Bremen fahren. Zurück in Richtung Syke geht es umständlich über Leeste und Erichshof. Das allein hält viele davon ab, dem Blumenladen einen Besuch abzustatten.

Heike Schlacke, Inhaberin des Blumengeschäfts Coors, leidet unter Umsatzeinbußen.

Heike Schlacke liefert darum selber aus und fährt dazu durchs Moor. „Weil die Strecke so schlecht ist, sind mir von fertigen Sträußen schon Rosen abgebrochen.“ Am Donnerstag habe es auch schon Schwierigkeiten mit der Anlieferung gegeben: Der Laster aus der Niederlanden mit frischen Blumen hätte Probleme mit der Zufahrt gehabt. Und bis Mittwoch kommt es noch dicker: Dann ist die Zufahrt komplett gesperrt, weil die andere Fahrbahnseite erneuert wird. „Donnerstag soll man wieder herkommen können, hat man mir gesagt.“ Die Chefin hofft auf den Gründonnerstag und den Karsonnabend, um zu retten, was vom Ostergeschäft nicht mehr zu retten ist. „Warum machen die das nicht in den Sommerferien? Die kleinen Geschäfte haben unter den Arbeiten sehr zu leiden.“

Auch die Bäckerei Larisch 700 Meter weiter südlich ist von den Arbeiten betroffen. „Ab Montagmittag ging nicht mehr viel. Und am Mittwoch und Donnerstag hatten wir zu“, sagt Renate Larisch. Über den abgefrästen Asphalt fahre niemand rüber. Mittlerweile sind aber zwei frische Deckschichten aufgebracht. Und am gestrigen Freitag kehrten auch einige Kunden wieder. „Wir sind auf die Leute angewiesen, die mit dem Auto kommen.“ Renate Larisch sieht die Arbeiten relativ entspannt: „Wir müssen da durch. Es hilft ja nichts.“

Knapp hinter der Bäckerei Richtung Waldkater endet die Baustelle – und damit auch die Probleme für die Anliegergeschäfte, wenn man etwa Petra Lübben vom Wertstoffhof Stuhr/ Weyhe folgt. Sie hat seit Beginn der Arbeiten keinen signifikanten Rückgang der Anlieferungen festgestellt. „Die Leute rufen aber an und fragen, wie sie herkommen, vor allem die Stuhrer.“ Es gebe kaum Probleme, der Verkehr fließe. „Die haben das gut angekündigt und geregelt“, verteilt Petra Lübben ein Lob an die Straßenmeisterei.

Zufrieden zeigt sich auch der Bauleiter Frank Koopmann von der Firma Matthäi, die die B6 saniert. „Wir liegen voll im Zeitplan.“ Nach der Baustelleneinrichtung, dem Abfräsen der maroden Schichten und der Erneuerung dieser durch frischen Asphalt ist im Wesentlichen der erste von zwei Teilen im ersten von zwei Bauabschnitten erledigt. Schon am heutigen Sonnabend wird der Belag auf der anderen Seite gefräst. Ab Montag folgt das Ausbringen des Teers. „Wichtig ist, dass wir wie angekündigt über Ostern die Straße frei haben.“ Dann soll die B6 in beide Richtungen befahrbar sein. Nach den Feiertagen ist der zweite Abschnitt von der Angelser Kreuzung bis zur Brinkumer Umgehung an der Reihe. „Ich habe schon mit 50 bis 60 Anliegern gesprochen“, sagt Koopmann, „aber noch kein böses Wort gehört. Wenn man den Leuten alles vernünftig erklärt, haben die auch Verständnis. Und wenn die Arbeiten zügig abgewickelt werden – umso mehr“.

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