Vortrag von Andreas Speit im Trafo

Ideologien der Neuen Rechten: Szene-Kenner kommt nach Kirchweyhe

Andreas Speit ist Publizist und Experte für die Identitäre Bewegung und die neuen Rechten. Foto: Gerhard Sternitzke
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Andreas Speit ist Publizist und Experte für die Identitäre Bewegung und die neuen Rechten.

Weyhe - „Sie besetzen öffentliche Gebäude, steigen auf das Brandenburger Tor, führen Flashmobs auf und marschieren durch Innenstädte.“ So lautet der erste Satz einer Veranstaltungseinladung im Kirchweyher Jugendhaus Trafo – und er könnte kaum passender beschreiben, worum es bei dem angekündigten Vortrag gehen soll. Die Rede ist von der Identitären Bewegung, einer rechtsextremen Vereinigung, die Einfluss bis in die Gemeinde Weyhe hat.

Andreas Speit ist Publizist, Journalist und Kenner der rechten Szene. In seinem Vortrag „Das Netzwerk der Identitären: Ideologien und Aktionen der Neuen Rechten“ wird er am 4. September ab 19 Uhr über genau jene Szene sprechen. Die Veranstaltung geht im Rahmen der Reihe „lauter werden“ über die Bühne und wird unterstützt vom landkreisweiten Bündnis „Wir sind mehr“.

Letzteres gründete sich vor rund einem Jahr, als Neonazis in der Stadt Chemnitz für Aufruhr sorgten und damit einen Sturm der Entrüstung in der Bundesrepublik auslösten. Der Widerstand gegen die neue rechte Szene ist somit von Anfang an das Hauptaugenmerk des Bündnisses gewesen, welches sich aus zahlreichen Vereinen, Gewerkschaften, politischen Gruppierungen und Engagierten zusammensetzt.

„Wir setzen uns für ein friedvolles, multikulturelles Miteinander ein“, erläutert Siard Schulz. Gemeinsam mit Erika Schneider hat er den Referenten ausgewählt und nach Weyhe eingeladen. Nicht zum ersten Mal, sei allerdings gesagt. Schon einmal war ein Vortrag des Szene-Kenners geplant, den dieser dann jedoch aus terminlichen Gründen absagen musste. Diesmal soll es allerdings klappen.

Identitäre Bewegung am Kirchweyher Bahnhof aktiv

Immerhin ist das Thema Rechtsextremismus in Weyhe präsenter, als viele denken. Vor gut eineinhalb Jahren stellten Mitglieder der Identitären Bewegung am Kirchweyher Bahnhof ein menschengroßes Holzkreuz auf, um den Opfern migrantischer Gewalt zu gedenken. Das Kreuz wurde allerdings relativ schnell durch die Polizei wieder entfernt.

Siard Schulz zählt weiter auf: Sowohl bei einem Vortrag der Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke am Twistringer Hildegard-von-Bingen-Gymnasium, als auch auf dem vergangenen Weyher Festival „Aufmucken gegen Rechts“ wurden illegal Videoaufnahmen angefertigt, die später rechten Kreisen zugespielt wurden. Für Schulz und Schneider sind dies Zeichen, dass die Einflüsse der rechten Szene bis in den Landkreis Diepholz reichen. Im benachbarten Bremen macht Erika Schneider gar eine Hochburg der rechtsextremen Szene aus. Es handle sich um „total miteinander verstrickte Konglomerate von Organisationen“. Die rechte Szene funktioniere heute anders, als noch vor einigen Jahren.

Andreas Speit hat Buch zum Thema veröffentlicht

In seinem Vortrag, der an sein aktuelles Buch angelehnt ist, will Andreas Speit im Jugendhaus über die bundesweit etwa 800 Mitglieder zählende Identitäre Bewegung, ihre ideologischen Traditionen sowie ihren Einfluss sprechen.

Eine Stunde vor Beginn der kostenlosen Veranstaltung, um 18 Uhr, wird es dank des Engagements der Gewerkschaften bereits ein kleines Büfett mit Fingerfood und Getränken geben. Dies wird auch die Zeit sein, in der Siard Schulz, Erika Schneider und der Gemeindejugendpfleger Carsten Platt besonders aufmerksam sein werden. Auf allen Flyern steht nicht nur, dass der Zutritt erst ab 14 Jahren erlaubt ist. Dort steht auch geschrieben, dass sich die Veranstalter vorbehalten, Personen aus rechten Kreisen des Platzes zu verweisen. Bisher hätten sie damit zwar überhaupt keine Probleme gehabt, aber sie hätten einen „wachen Blick“, so Carsten Platt.

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