„Zu riesig, zu hässlich“

Kritik an „Fabrikhalle“: Neuer Aldi in Kirchweyhe spaltet die Gemüter

Aldi baut am Marktplatz in Kirchweyhe. Doch das Gebäude, das dort derzeit entsteht, hat nicht nur Freunde. Ein wahrer Klotz aus Beton entstehe dort, fürchten einige Anwohner.

Kirchweyhe - „Zu riesig, zu hässlich.“ Reimer Dohrn macht es kurz, wenn man ihn fragt, was ihn an dem Aldi-Neubau stört, der derzeit an der Lahauser Straße unweit des Kirchweyher Marktplatzes entsteht.

Spätestens als in der ersten Dezember-Woche die gewaltigen Querträger aus Beton angeliefert wurden, wuchs nicht nur die Zahl der Schaulustigen, sondern auch die der Kritiker an der Baustelle. „Für mich persönlich ist sie nichts weiter als ein Trauerspiel und ein weiteres Beispiel dafür, mit welcher Brachialgewalt die Verschandelung unserer Gemeinde voranschreitet“, schreibt Dohrn in einem wütenden Leserbrief.

Reimer Dohrn ärgert sich über den Aldi-Neubau am Kirchweyher Marktplatz.

Zwar wohnt der pensionierte Wasserschutzpolizist nicht in unmittelbarer Nähe des Neubaus, wie viele andere Weyher auch fährt er jedoch regelmäßig zum Einkaufen dort hin. Den Aldi will er in Zukunft jedoch meiden. „Das ist hier gerade das I-Tüpfelchen“, sagt Dohrn während er an der Großbaustelle in Citylage zeigt, was er meint. Besonders stört ihn eine Sache: die Flächenversiegelung. Er könne sich noch gut an die grüne Wiese erinnern, die lange Zeit dort war, wo jetzt die Bagger rollen. Nun fühle er sich an das Dreyer Industriegebiet erinnert. „Da ist nicht mal mehr Platz für einen Strauch“, so Dohrn. „Die Natur bleibt wie immer auf der Strecke.“

„Was für eine Wohnqualität im Zentrum von Weyhe?“

Ähnlich kritisch äußert sich Hans Lücke. Der ist zwar schon vor 35 Jahren von Weyhe nach Högenhausen bei Bassum gezogen, eine Wohnung in Kirchweyhe besitzt er allerdings immer noch. Und zwar direkt gegenüber der Aldi-Baustelle. Heute wohnt dort sein Sohn. Die Situation hat Lücke, wie auch Reimer Dohrn, in einem Leserbrief an die Kreiszeitung zusammengefasst. „Wandflächen von acht bis zehn Metern Höhe, Anlieger blicken gegen ein karges Mauerwerk: Was ist das für eine Wohnqualität im Zentrum von Weyhe?“, schreibt er.

Die Arbeiten am Rohbau schreiten voran.

Auch er erinnert sich an die grüne Wiese zurück – und an seinen Wunsch von damals: Wenn die Fläche einmal bebaut wird, dann mit kleinen Familienhäusern. Dieser Wunsch wurde Hans Lücke nicht erfüllt.

Er ärgert sich über die „Fabrikhalle“, die derzeit im Herzen Weyhes entsteht. „Die Anlieger wurden betrogen“, sagt er. Einst habe er auch Feriengäste in seiner Wohnung untergebracht. Das könne er jetzt vergessen. „Man guckt gegen ein Mauerwerk.“

Reimer Dohrn sieht er die Schuldigen in der Politik. „Da haben auch die Politiker versagt“, so Lücke. „Das passt nicht ins Zentrum.“

Gegenüber der neuen Filiale sind Wohnhäuser.

Auch nach 35 Jahren sei er der Gemeinde Weyhe noch eng verbunden und nicht nur wegen seiner Wohnung und seinem Sohn oft da. Jetzt wendet sich das Blatt jedoch langsam. Ihn ziehe immer weniger nach Weyhe, so Lücke. Die Wohnung verkaufen will er zwar nicht, aber eigentlich müsste er einen Ausgleich von Aldi wegen des Wertverlustes der Immobilie fordern, sagt Lücke und lacht müde. Schließlich ergänzt er jedoch, dass der Aldi auch ein paar Vorteile mit sich bringe; die verbesserte Barrierefreiheit zum Beispiel. Es gebe auch immer wieder Zuschauer an der Baustelle, die das Projekt gut fänden. Sie würden jedoch oft nicht in unmittelbarer Nähe des Aldis wohnen, so Lücke.

Kritik wie die von Dohrn und Lücke hört die Verwaltung derweil zum ersten Mal. „Bei der Gemeinde Weyhe ist bislang keine Kritik an dem Aldi-Neubau eingegangen“, so Steffen Nadrowski, Fachbereichsleiter für Gemeindeentwicklung und Umwelt.

Die Weyherin Kathleen Kowitzke hofft, dass sich der Kirchweyher Markt ähnlich wie der in Angelse (Bild) entwickeln wird.

Stattdessen begrüße die Kommune, dass Aldi durch den Abriss der alten Filiale nach Fertigstellung des Neubaus weiteren Parkraum schaffen werde. „Die Gestaltung dieser Parkplätze sowie des Baukörpers wird als Verbesserung gewertet: Die Stellplatzanlage soll stärker durchgrünt werden und einen sicheren separaten Fußweg ausweisen“, informiert der Fachbereichsleiter. Und: Die schlichten Querträger aus Beton dürften schon bald eine andere Wirkung entfalten. „Der Neubau des Marktes soll eine gegliederte Fassade erhalten“, so Nadrowski.

Diese Weyherin freut sich ebenfalls auf das neue Geschäft: Kathleen Kowitzke (42). Die Leesterin will die Kritik anderer Weyher nicht unterstützen. „Naja. Ich glaub’ da können wir denken, was wir wollen. Aber ich glaube, die Entscheidung ist richtig. Denn der Markt wird ja viel aufgesucht. Parkplatzflächen können im Kern auch nicht schaden.“ Sicher wirkt das neue Geschäft auf den ersten Blick groß, aber man möchte laut Kowitzke möglichst viel unter ein Dach bekommen. Der Markt gegenüber von Rewe sei derzeit hinsichtlich eines vielfältigen Angebots an seine Grenzen gestoßen, findet sie. „Ich habe den Vergleich zum Erichshofer Markt“, so Kowitzke.

Rubriklistenbild: © Luka Spahr

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