Familie will Sicherheit in verkehrsberuhigtem Bereich erhöhen und erntet Kritik

Ärger um Straßensperrung

Die Gemeinde möchte zusammen mit der Politik darüber nachdenken, wie der Verkehr für dieses Wohngebiet künftig fließen soll.
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Die Gemeinde möchte zusammen mit der Politik darüber nachdenken, wie der Verkehr für dieses Wohngebiet künftig fließen soll.
  • Sigi Schritt
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Weyhe – Einer Kirchweyher Familie ist kürzlich der Kragen geplatzt: Sie sorgt sich um die Sicherheit ihres Sohnes und um die anderer Kinder. Autofahrer würden die Verkehrsregeln auf der Dortmunder Straße nämlich seit Jahren immer wieder missachten, lautet der Vorwurf. Mit der Einrichtung der Baustelle Im Mühlengrunde und die damit verbundene Sperrung der Kölner Straße hat sich die Situation auf der Dortmunder Straße offenbar verschärft. Deshalb hat sich Familie Blankenhagen mit einem Brief direkt an den Bürgermeister gewendet, damit die Gemeinde die Autofahrer ausbremst. Mit Erfolg: Die Verwaltung baute Gitter auf, die die Durchfahrt verhindern. Das wiederum kritisieren andere Bürger, die sich eine freie Fahrt für Autos wünschen. Sie äußern für die Aktion Unverständnis.

Was sollen Familien tun, die sich um ihre Kinder sorgen, wenn diese auf einer Spielstraße toben und Autofahrer auf die Gepflogenheiten einer verkehrsberuhigten Zone pfeifen, fragt der Familienvater, der den Rasern den Kampf ansagt. Vollständig zum Erliegen ist die Raserei nicht gekommen, wie eine Stippvisite zeigte: Ein Autofahrer hatte es offenbar sehr eilig, von der Düsseldorfer auf die Dortmunder Straße in Richtung Kölner Straße zu biegen und drückte dabei sehr auf die Tube. „Das ist kein Einzelfall“, so Sven Blankenhagen.

Seine Frau Johanna zeigt auf die Tafel im Querformat, auf der Ball spielenden Figuren, ein Haus und ein Auto zu sehen sind. Umgangssprachlich ist damit eine Spielstraße damit gemeint – rechtlich beginnt mit dem Schild ein verkehrsberuhigter Bereich, in dem Kinderspiele überall erlaubt sind. Autofahrer dürfen die Fußgänger weder gefährden noch behindern und müssen in Schrittgeschwindigkeit fahren.

Die Wut über die Sperrung entlädt sich derweil in den sozialen Medien in zahlreichen Kommentaren. Diese Aufregung können Sven und Johanna Blankenhagen nicht verstehen. Dort würden teilweise Menschen mitdiskutieren, die dort gar nicht wohnten, sagen sie.

Das Raserei-Problem bestehe sogar seit Jahrzehnten. Sven Blankenhagen berichtet, dass es an der Ecke immer mal wieder zu Unfällen gekommen sei.

Die Kirchweyher Familie möchte gleichzeitig das Problem der Schleichverkehre geklärt wissen. Wichtig sei den Eltern eine „dauerhafte Lösung“. Sie finden es gut, dass ihr Ansinnen in der Nachbarschaft viele Unterstützer gefunden hat.

Denkbar wären zum Beispiel das Aufstellens von Pollern oder die Einrichtung eines verschwenkten Straßenbereichs. Denn der Weg könnte deutlich besser als verkehrsberuhigter Bereich erkennbar sein – durch eine veränderte Verkehrsführung und durch die Einrichtung von Wartezonen, finden die Kirchweyher. Derzeit könnten sich auf der Straße zwei Autos nebeneinander begegnen.

Kinder würden sich in Sicherheit wiegen, die es nur in der Theorie gibt. „Wer bei Schrittgeschwindigkeit bremst, hat einen Bremsweg von 1,5 Metern. Wer bei Tempo 30 bremst, kann das Fahrzeug erst in 18 Metern stoppen.“

Das Gegenargument von Kritikern, bei einer Sperrung kämen Einsatzkräfte nicht durch jenes Hindernis, entkräftet Sven Blankenhagen mit seiner Berufserfahrung. Er arbeite bei der Bremer Feuerwehr. Deshalb wisse er es genau, dass es für Einsatzkräfte, zu denen auch der Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes und die Beamte der Polizei gehören, kein Problem sei, Poller umzulegen. Immerhin müssten jetzt Autofahrer aus jenem Teil der Dortmunder Straße einen größeren Umweg nehmen, um zum Beispiel den Edeka-Supermarkt anzusteuern. Dass die Sperrung der Dortmunder Straße nicht schmeckt, sei täglich sichtbar. Die Warnbaken würden nachts an die Seite gestellt. Das wiederum kritisiert Familie Blankenhagen.

Eine Nachfrage dieser Zeitung bei der Gemeinde hat ergeben, dass Bürgermeister Frank Seidel die Verkehrssituation auch in den umliegenden Straßen auf den Prüfstand stellen möchte. Dazu zählen zum Beispiel die Düsseldorfer und die Neusser Straße. Letztendlich würde die Politik zum Thema beraten, um dann eine Entscheidung zu treffen.

Von Sigi Schritt

Nehmen den Kampf gegen Raser auf: Sven und Johanna Blankenhagen mit Sohn Finn.
Dortmunder Straße Ecke Kölner Straße: Aus dieser Perspektive ist die Sperrung nicht sofort erkennbar.

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