Gäste in der Hundertwasser-Schule

Ältere Knaben unterrichten

Unterhaltsame und informative Gästeführung in der Hundertwasser-Grundschule in Leeste - Foto: Ehlers

Weyhe - Zu Beginn der Gästeführung durch die „Hundertwasser“-Grundschule Leeste hat Ingrid Schierenbeck in der Mensa etwa 30 Teilnehmer begrüßt, darunter Rektor Martin Stamnitz, Konrektorin Kathrin Wolf und die ehemalige Grundschullehrerin Monika Saschek.

Die Gästeführerin informierte über die Historie der Schule, die erstmals 1673 erwähnt wurde. Damals unterrichtete der Küster und Schulmeister Hermann Müller 80 von insgesamt 150 Leester Kindern. Leeste hatte damals rund 800 Einwohner. Nicht alle Kinder besuchten regelmäßig die Schule. Sie mussten auf den Höfen ihrer Eltern mitarbeiten. Schulgeld musste bezahlt werden. Der Lehrer aß abwechselnd auf den Höfen den „Reihetisch“ und erhielt als Entlohnung zusätzlich Naturalien.

Schierenbeck berichtete vom Schulmeister Bode, der nach Aufzeichnungen in der Leester Schulchronik „dem Trunke verfallen“ war, den Unterricht durch „ältere Knaben“ erteilen ließ und auch in seinem Familienleben kein Vorbild für die Jugend war.

Auf dem Platz, auf dem jetzt die „Alte Wache“ steht, befand sich das erste Küsterhaus. 1772 erneuert, brannte es 1814 ab. Als es 1850 erneut abbrannte, sogar während des Unterrichts, erhielt der Neubau zwei „Schulstuben“. In Leeste gab es zu der Zeit sogar drei Schulen.

Während in Leeste 180 Kinder unterrichtet wurden, waren es in der Erichshofer „Kolonieschule“ und in der Hördener „Mühlenschule“ jeweils 70 Kinder. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Leeste laut Gästeführerin eine arme Gemeinde, weil die Männer als Frachtfahrer unterwegs waren und die Frauen mit Hilfe ihrer Kinder die Höfe bewirtschafteten. Die Kinder seien damals vielfach unterernährt und anfällig gegen Krankheiten gewesen, hieß es.

Kunstdünger und die Schweinemast sorgten in den Jahren danach jedoch für Wohlstand, auch für mehr Kinder. Das kürzlich abgebrochene Schulhaus in der Schulstraße wurde ab 1891 genutzt, 1903 wurde ein fünfter Klassenraum angebaut.

Die Trennung von Kirche und Staat sorgte für Besitzstreitigkeiten. Leidtragende waren die Schulen, um deren Unterhalt gestritten wurde. Schulleiter Heuer schaltete sogar den Amtsarzt ein, weil er in dem desolaten Gebäude um die Gesundheit der Schulkinder besorgt war. Trotzdem wurde der Neubau vom damaligen Bürgermeister hintertrieben und hinausgezögert. Erst 1941 wurde die neue Schule eingeweiht.

Während des Krieges unterrichteten vier Lehrer elf Klassen. Lehrer Eilers wurde in der Schule verhaftet und in Schutzhaft genommen, weil er den Kindern den Hitlergruß verweigert hatte.

Nach dem Krieg fehlten Lehrer, dafür besuchten traumatisierte Flüchtlingskinder die Schule. Der Lehrermangel setzte sich bis in die 1970er Jahre fort. 1977 wurde das KGS-Schulzentrum eingeweiht. Seit 2014 ist die von 209 Kindern besuchte Grundschule eine anerkannte „Hundertwasser“-Umweltschule.

Er habe viel Neues über seine Schule erfahren, resümierte Rektor Stamnitz und stellte den gegenwärtigen Status der Schule vor, die die erste Ganztagsschule in Weyhe war und durch ihre Kooperationspartner einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt hat. Die Inklusion werde gut umgesetzt, aber die additive Betreuung von Flüchtlingskindern sei nur mit großer Unterstützung externer Helfer zu schaffen. Beim Rundgang durch das Gebäude stellten Schulleiter und Konrektorin die Schule vor. Die zumeist älteren Teilnehmer frischten Erinnerungen an die eigene Schulzeit auf, sie orientierten sich am „Zeitstrahl“, der in der Aula hing, feierten ein Wiedersehen mit ihren Ex-Klassenräumen und erinnerten sich an Hausmeister Mundt, Rektor Huke, Konrektor Siebecke und den Lehrerstammtisch, den er zuletzt noch als einziger regelmäßig im „Waldkater“ aufsuchte.

Über die vielen Spielgeräte auf dem Schulhof sagte eine Teilnehmerin: „Das war damals nicht so üppig. Hoffentlich schätzen Kinder und Eltern das auch.“ 

 bt

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