Adelheid Schönborn backt Springerle

Süße Kunstwerke in der Sudweyher Mühle

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Adelheid Schönborn stellt ab Samstag Springerle und Modeln in der Wassermühle Sudweyhe aus.

Sudweyhe - Von Katharina Schmidt. Wenn Adelheid Schönborn backt, ist das Endprodukt oft viel zu schön, um es aufzuessen. Die 81-Jährige fertigt Springerle. Dabei handelt es sich um traditionelles, vor allem in Süddeutschland bekanntes Festtagsgebäck. Und weil Schönborns Springerle so kunstvoll sind, landen ihre jüngsten Werke nicht auf Tellern oder in Keksdosen, sondern in Vitrinen in der Wassermühle Sudweyhe.

Vom 13. Januar bis zum 25. Februar sind die Teigwaren bei der Ausstellung „,Süße‘ Kunstwerke – Springerle aus Süddeutschland“ zu sehen. Ebenfalls ausgestellt sind dann teils Jahrhunderte alte Holzformen, sogenannte Model, mit deren Hilfe Schönborn Teig zu essbaren Kunstwerken modelliert.

Auch wenn ihr Gebäck beeindruckend filigrane Muster aufweist – die Kinderärztin sieht sich selbst nicht als Künstlerin. Sie reproduziere Bilder lediglich, betont sie. Wenn die Seniorin erklärt, wie sie die Springerle backt, wird jedoch deutlich, dass dafür mindestens genauso viel Fingerspitzengefühl nötig ist wie für manch ein Gemälde.

Schönborn drückt den Teig – bestehend aus Mehl, Puderzucker, Eiern und Hirschhornsalz – aufwendig in die eingekerbten Muster eines Models. Wenn alles glatt läuft, löst sich das rohe Springerle aus der Form, sobald Schönborn diese umdreht. Anschließend muss der Teig 12 bis 24 Stunden trocknen. Danach wird er an gezielten Stellen angefeuchtet – ein Tropfen Wasser an der falschen Stelle würde das Gebäck optisch ruinieren – und kommt auf einem mit Anis bestreuten Backblech in den Ofen.

„Ein bisschen meditativ“

Bei jedem Arbeitsschritt ist Vorsicht geboten. Schönborn hat schon viele missglückte Versuche gezählt. Die Lust am Backen hat sie trotzdem nicht verloren. „Ich empfinde es inzwischen als ein bisschen meditativ“, sagt sie. „Es gibt nicht mehr viele Leute, die Springerle backen“, bedauert sie. Den meisten sei die Technik zu aufwendig.

Viele Model seien mittlerweile verrottet. Sie selbst hat ihre vielen Holzformen in erster Linie von Freunden und Bekannten. Manche erbte sie auch von ihrer Mutter. Von ihr lernte sie das Backen von Springerle. „Ich bin damit groß geworden.“ Als Kind lebte sie mit ihrer Familie in Baden-Württemberg. Jetzt ist ihr Zuhause in Zetel (Landkreis Friesland).

Die ersten Holzmodel bildeten kirchliche Motive oder Wappen ab. Springerle waren vor allem dem Adel vorbehalten. Später entwickelten sie sich zu einem Festtagsgebäck für alle Bürger und bildeten typische Motive ihrer Entstehungszeit ab. „Konditoreigesellen mussten als Gesellenstück ein Model schnitzen“, merkt Schönborn an. Ihre älteste Form zeigt ein Paar stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert. Sie ist porös, eignet sich nicht mehr zum Backen. Schönborn hat aber noch ein Springerle, das ihre Mutter Ende der 1960er-Jahre mit genau dieser Form gebacken hat.

Die Ausstellung öffnet am Samstag um 16 Uhr mit Musik und Worten von Schönborn. Danach ist sie samstags von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags und feiertags von 11 bis 17 Uhr zu sehen.

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