Monika Nadolny beschäftigt sich seit ihrer Kindheit mit Schuhen

Von Absätzen und Fußball-Legenden

Monika Nadolny hat sich bereits ihr ganzes Leben mit Schuhen beschäftigt. Foto / Repros: Sigi Schritt

Weyhe - Von Sigi Schritt. „Kleider machen Leute“, lautet ein Sprichwort. Und Schuhe sind das „I-Tüpfelchen“, sagt Monika Nadolny. Sie weiß, wovon sie spricht, denn die Weyherin gehört zu den Menschen, die Schuhe nicht nur lieben. Sie hat sich ein ganzes Leben lang mit ihnen beschäftigt. Nadolny arbeitet im Schuhhaus Hüsing. In dieser Woche feiert sie ihr 50-jähriges Berufsjubiläum.

Ihr beruflicher Werdegang ist eng verknüpft mit der Erfolgsgeschichte des Unternehmens ihrer Eltern Erich und Anneliese Hüsing, die ihr Geschäft zunächst gegenüber der Tankstelle in Leeste betrieben hatten. Dort ist heute ein Döner-Laden zu finden.

Monika Nadolny, 1954 in Melchiorshausen geboren, verbrachte in dem Haus, in dem später auch eine Drogerie untergebracht war, viel Zeit mit ihrem Bruder. Auf engem Raum gab es alles zum Thema Schuhe. Die Weyher mussten nicht nach Bremen fahren – sie konnten in Leeste modische Damen-, Herren- und Kinderschuhe bekommen. Und damit nicht genug: In dem kleinen Laden gab es neben Koffern auch Hand- und Schultaschen. Außerdem betrieb ihr Vater eine Reparaturwerkstatt. „Ich weiß noch genau, wie es dort roch“, schwelgt sie in Erinnerungen. Den Geruch, den die Werkstatt verströmt hatte, beschreibt sie als Mischung aus Leder, Kleber und vielleicht einer Prise Staub. „Damit verbinde ich etwas Positives“, sagt sie.

Im Lager und Büro verbrachte sie als Mädchen also viel Zeit, erledigte Schulaufgaben und bekam erste Arbeitsaufträge – Schnürsenkel binden. Sie erlebte ihre Eltern als fleißige Unternehmer, der Vater stand oft an seiner Schleifmaschine und reparierte Schuhe. Wegwerfen nach Gebrauch, wie es Menschen heute machen – das war damals nicht drin. Zwischen dem Lager und dem Verkaufsraum reifte schließlich ihr Gedanke, einmal Schuhe verkaufen zu wollen. Dass sie zu diesem Zeitpunkt sogar ihre spätere Chefin bereits kannte, wusste die Melchiorshausen Grundschülerin damals noch nicht. Gerda ging nämlich in ihre Klasse und heiratete später ihren Bruder.

Für Monika Nadolny war also der berufliche Weg vorgezeichnet. Nach der Schulzeit konnte sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben und ging schon in den ersten Jahren damit auf, Kunden schöne Schuhe zu verkaufen. Als sie die Lehre begann, war die Firma Libelle besonders angesagt: Es gab mehr Schuhe mit Absätzen. An die Blockabsätze kann sie sich noch besonders gut erinnern, und an die Modelle mit einem Karree. Eine Farbvielfalt wie heute gab es damals noch nicht. „Die Schuhe waren nicht so bunt. Schwarz und Braun waren die vorherrschenden Farben.“ Ihr gefielen die eleganten Modelle mit den acht Zentimeter hohen Absätzen sehr. „Und sicherlich hat das auch was damit zu tun gehabt, dass der Vertreter der Firma gut aussah“, sagt sie schmunzelnd. Ihre Leester Kunden griffen damals hauptsächlich zu Schuhen, die zweckmäßig waren und später einmal aufgearbeitet werden konnten.

Monika Nadolny erlebte auch, dass ein Wagnis eine Erfolgsgeschichte weiter schreiben lässt: Allen Warnungen aus der Leester Geschäftswelt zum Trotz haben ihre Eltern beschlossen, ihr Geschäft zu vergrößern und einen Neubau zu errichten. Wo das Geschäft jetzt steht, etwa einen Kilometer weiter Richtung Brinkum, war damals eine grüne Wiese, erinnert sich Monika Nadolny. Bauernhöfe seien in Sichtweite gewesen. Aber die Kunden kamen, und das Schuhhaus nahm auch Sportartikel ins Sortiment auf.

Man arbeitete eng mit den Vereinen TSV Leeste (heute SC Weyhe) und dem TSV Blau-Weiß Melchiorshausen zusammen. Die Bekleidung und auch Artikel rund um Tennis, Fußball und Tischtennis waren sehr gefragt. In diesem Zusammenhang traf Nadolny immer wieder mit Fußballgrößen zusammen: Max Lorenz, Arnold „Pico“ Schütz und Uwe Seeler. Diese Fußball-Legenden und Nationalspieler waren allesamt Vertreter des Sportartikel-Herstellers Adidas und präsentierten ihre Kollektionen meistens in der Nähe des Weserstadions.

Die Weyherin hat viele Erinnerungen an das Fußball-Trio. „Max Lorenz war mit Komplimenten sehr großzügig“, sagt sie. Und „Pico“ Schütz habe der Weyherin sogar die Schlüssel für seine Ferienwohnung auf Ibiza überlassen. „Er hatte einen alten Käfer. Den mussten wir anschieben“, berichtet sie. Beim „Charmeur Max Lorenz“ sei sie ebenfalls daheim gewesen – geschäftlich, versteht sich. Er hatte einen Raum, den man heute wohl als Showroom bezeichnen würde. In dem war die gesamte Kollektion vorhanden, die man für ein Jahr im Voraus geordert hat. Uwe Seeler sei sympathisch, aber eher bodenständig gewesen. „Alle drei haben niemals den Fußballstar raushängen lassen“, so Monika Nadolny. Sie traf nicht nur in der Hansestadt Bremen auf die Fußballer, sondern auch in Weyhe: etwa auf besonderen Firmenfeiern.

Doch irgendwann musste das Weyher Unternehmen die Sportartikelabteilung aufgeben. Die aufkommenden Outlets unterboten die Einkaufspreise, erklärt sie. Unternehmer, die flexibel reagieren, sind erfolgreich, hat Nadolny festgestellt. So war das auch in Leeste. „Das Geschäft entwickelte sich hin zu Wohlfühl-Schuhen, die – mit Einlagen versehen – auf die Träger exakt angepasst werden.“

Monika Nadolny denkt auch gerne an die Besuche der Modemesse in Düsseldorf zurück. inspiriert von der Präsentation der Mode, veranstaltete Hüsing mit Kooperationspartner Voßmeyer ebenfalls Modenschauen in Leeste – und klar, Monika Nadolny ging auf den Laufsteg.

1982 stieg ihr Bruder Werner, der in einer Orthopädiewerkstatt in Bremen gearbeitet hatte, als Meister im elterlichen Betrieb ein und erweiterte das Geschäft 1989 durch eine Aufstockung. Sohn André hat das Geschäft zum Sanitätshaus samt Prothetik 2011 abermals erweitert. Jetzt kommen wieder viele Sportler ins Geschäft, die auf Hilfsmittel angewiesen sind.

50 Jahre sind also seit Monika Nadolnys Berufsanfang vergangen, aber das Arbeiten mache ihr immer noch Spaß, sagt sie. Ihre künstlerische Ader lebt sie aus, indem sie aufwendige Schaufensterdekorationen kreiert. Dabei leiht sie sich schon mal Gegenstände von der Deutschen Bahn, vom Baumarkt Koch oder von der Melchiorshausen Landwirtsfamilie Meyer. Sie fühlt sich wohl in Weyhe und will dieses Gefühl vermitteln. Zum Beispiel an vorbeifahrende Autos, die ein Bremer Kennzeichen haben – wie damals die Autos von Max Lorenz und Co.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Brettspiele für die ganze Familie

Brettspiele für die ganze Familie

Meistgelesene Artikel

Großfeuer auf Recyclinghof in Bassum: Müllballen gehen in Flammen auf

Großfeuer auf Recyclinghof in Bassum: Müllballen gehen in Flammen auf

„Wir müssen viele werden“

„Wir müssen viele werden“

Fünf Verletzte bei Motorrad-Unfall in Hüde - Hubschrauber im Einsatz

Fünf Verletzte bei Motorrad-Unfall in Hüde - Hubschrauber im Einsatz

Windkraft: Stadt brütet über neue Standorte

Windkraft: Stadt brütet über neue Standorte

Kommentare