Unternehmer über Auswirkungen der gesperrten Landesstraße zwischen Sud- und Kirchweyhe

Abbiegen zur Tankstelle erlaubt

Wer aus Richtung Bremen kommt, darf in Höhe der Zapfsäulen auf das Tankstellen-Areal fahren. Fotos: Sigi Schritt

Weyhe - Von Sigi Schritt. Die Landesstraße zwischen Kirch- und Sudweyhe ist seit Montag vergangener Woche gesperrt. Große Röhren aus Beton liegen bereits auf der viel befahrenen Strecke, die normalerweise von Autos und Lastwagen benutzt wird. Diese Röhren sollen ins Erdreich verlegt werden (wir berichteten). Dass das Nadelöhr zwischen den beiden Weyher Ortsteilen nicht mehr befahrbar ist, hat sich in den Geschäften längst bemerkbar gemacht.

„Wir haben tagsüber weniger Kunden, die tanken wollen“, sagt Anke Diederichs. Die Leiterin der Station der Classic Tankstelle in Kirchweyhe berichtet, dass es zeitweise am Nachmittag sogar recht ruhig sei. Nur Morgens und Abends sei der Andrang wie vor der Einrichtung der Baustelle.

Autofahrer aus Richtung Bremen müssten sich umstellen: Vor der Einrichtung der Baustelle bogen sie Richtung Sudweyhe ab und steuerten dann die Zapfsäulen an. Weil die Straße „Im Mühlengrunde“ jetzt gesperrt ist, bedeutet das aber noch lange nicht, dass Autofahrer aus Richtung Bremen Umwege fahren und irgendwo drehen müssen, sagt Anke Diederichs. Es sei eine irrige Annahme, dass man als Autofahrer nicht auf das Tankstellengelände biegen darf, wenn man aus Richtung Bremen kommt und die Kreuzung Richtung Freibad passiert hat. Man dürfe nämlich sehr wohl in Höhe der Zapfsäulen nach links auf das Tankstellen-Gelände biegen. Das wissen viele Autofahrer nur nicht und sei vielleicht problematisch, weil es Verkehrsteilnehmer aus der anderen Richtung gibt, die an der Ampel stehen und keine Lücke lassen, so Anke Diederichs.

Die Polizei bestätigt, dass das Abbiegen an dieser Stelle erlaubt ist, weil die Fahrbahnmarkierung der Straße dies in Höhe der Tankstelle zulässt, so Thomas Gissing von der Polizeiinspektion Diepholz. Allerdings sei kein Autofahrer verpflichtet, eine Lücke zu lassen, weil es sich beim Tankstellenareal nicht um eine Straßeneinmündung handelt, sondern um eine Grundstücksein- und ausfahrt. Und was ist, wenn der Wartende einen Stau verursacht? Das hätten die anderen Verkehrsteilnehmer hinzunehmen, eine Ordnungswidrigkeit sei das nicht.

Allerdings hätten Anke Diederichs und ihr Team auch einige neue Kunden dazugewonnen: zahlreiche Tiefbauarbeiter, die sich dort mit Kaffee und Brötchen versorgen.

Dass das Arbeitsleben in der Corona-Krise noch nicht vollständig wieder hochgefahren sei, sei ein Vorteil für die Unternehmer in Sudweyhe, sagt Brigitte Schulz-Fastje. Sie betreibt das Geschäft „Fadenlauf“. Wenn wieder mehr Menschen regulär zur Arbeit fahren, werde der Autoverkehr zunehmen, glaubt sie.

Noch rollt der Verkehr innerhalb von Sudweyhe, obwohl die stationäre Ampelanlage an der Kreuzung vor ihrem Geschäft weiterhin eingeschaltet ist. Dabei kommt aus Richtung Kirchweyhe bis auf Baustellen-Fahrzeuge kein Verkehr. Mögliche Staus würden Kunden sicherlich abschrecken, befürchtet die Unternehmerin. Sie berichtet von einigen verunsicherten Kunden, die sich überlegen, Umwege zu fahren. Es gibt aber auch Kunden wie Hannelore Siemers aus Kirchweyhe, die gleich auf das Rad umsteigen. Die 76-Jährige macht es vor und passiert die Baustelle auf dem Radweg. Der ist nämlich nicht gesperrt. Die rüstige Seniorin benötigt dringend Stoff-Nachschub, damit sie daheim weiter für ihre Familie Stoffmasken nähen kann. „Wir haben auch das Glück, dass wir keine Lauf- sondern Zielkundschaft haben“, sagt Brigitte Schulz-Fastje.

Erst Corona, dann Baustelle bis Oktober. Die Unternehmer von Sudweyhe müssen sich laut Claus Segelke vom gleichnamigen Schuhgeschäft einiges einfallen lassen, um Kunden in ihren Weyher Ortsteil zu locken. „Unsere Stammkunden halten uns die Treue“, freut sich der Unternehmer. Der Kaufmann nehme es, wie es kommt: Die Baustelle sollte bereits 2015 eingerichtet worden sein, aber das wurde abgeblasen. Die jetzige Baustelle bemerke er in der Kundenfrequenz. Deshalb gewähre er auch einen Umleitungsrabatt.

Einen solchen Preisnachlass bieten auch Ines Hencke-Hauch und Carsten Hauch vom Modehaus von Hollen. Sie haben die Strecke von der Kreuzung Lahauser Straße/Kirchweyher Straße bis zu ihrem Geschäft ausgemessen: „Das sind nur 3,2 Kilometer“, sagen sie. Autofahrer seien nur vier Kilometer mehr unterwegs.

„Die Umleitung ist eine Kopfsache“, findet Ines Hencke-Hauch. An der Tatsache, dass das Nadelöhr wochen- und monatelang dicht ist, könne sie nichts machen. Deshalb hofft sie, dass sich das Wetter ändert, damit Kunden Lust auf die Sommerware bekommen. Derzeit würde das Wetter noch keine Kaufanreize bieten, sagt sie. „Wir hatten jetzt über eine längere Zeit Ost-Wind. Da tragen Kunden noch dicke Winterjacken.“ Die Abstandsregeln würden in Modehaus von Hollen mühelos eingehalten.

„Wir haben sehr viel Platz“, sagt Carsten Hauch. Und die Kassenzone sei extra mit Flatterband ausgewiesen.

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