Impfzentrum versus Sport

Belegung der ZSA-Halle: 19-jährige Übungsleiterin aus Weyhe kämpft für ihre Trainingsstunden

Wieder für einen Tag in der Woche ein Impfzentrum: Die ZSA-Halle.
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Wieder für einen Tag in der Woche ein Impfzentrum: Die ZSA-Halle.

Eine 19-jährige Trainerin kämpft dafür, dass ihre Schützlinge in der ZSA-Halle wieder Sport treiben können. Celina Richardt hat kürzlich das Training für ihre drei- bis sechsjährigen Schützlinge absagen müssen, weil die Halle zum Impfzentrum umfunktioniert wurde. Kann das Impfzentrum nicht an einen anderen Ort ziehen, weil es bislang nur an einem Tag der Woche benötigt wird, fragt sie. An weiteren Tagen würden andere Trainer diese Halle ebenfalls nutzen wollen. Es scheint sich eine Lösung abzuzeichnen, die die Pandemiebekämpfung wie den Sport im Blick hat.

Weyhe – „Ich habe um 9 Uhr erfahren, dass ich am gleichen Tag nicht mehr in die Halle kann.“ Für Trainerin Celina Richardt sei die Nachricht ein Schock gewesen, sagt sie. Innerhalb von nur fünf Stunden musste sie den Müttern und Vätern ihrer drei- bis sechsjährigen Schützlinge mitteilen, dass die geplante Sportstunde in der Halle ausfällt. Für die Tennisabteilung des TSV Weyhe-Lahausen organisiert die angehende Übungsleiterin im Rahmen einer Ball- und Bewegungsschule Einheiten, bei denen bis zu 30 Mädchen und Jungen zum Beispiel schnelles Vorwärts- und Rückwärtslaufen lernen. Sie lernen aber auch, Bälle zu werfen und Schläger verschiedener Sportarten zu halten.

Setzen sich für den sportlichen Nachwuchs ein: Celina Richardt (links) und Sandra Krämer.

„Wir haben erst mal gesagt, dass es nach draußen geht.“ Auf dem ZSA-Gelände hätten sie aber kein Sport treiben können: Die Kinder seien in dicke Pullis und Jacken gehüllt und der Boden sei nass gewesen. Die Außentemperatur habe zwölf Grad betragen. Kinder und Mütter hätten gefroren. „Bis auf Weiteres ist Ballsport unmöglich“, stellte sie fest. Einige Eltern hätten ihre Unzufriedenheit deutlich gemacht. Geballte Kritik sei auf die 19-Jährige geprasselt: Wieso ist das Impfzentrum spontan eingezogen? Wie soll es mit dem Sport weiter gehen, zumal 2020 im Lockdown Übungsstunden ausgefallen sind? Muss man sich nach anderen Sportarten umschauen? Die Trainerin und der Verein hatten zwischenzeitlich Kontakt mit Bürgermeister Frank Seidel aufgenommen. Er wollte helfen.

Solidarität anderer Vereine

Auch wenn aus Solidarität andere Vereine in anderen Hallen andere Zeiten zur Verfügung gestellt hätten, so seien Richardt und ihre 15- bis 18-jährigen Helfer nicht flexibel, sich spontan auf einen anderen Ort und auf eine andere Zeit einzulassen. Ein Problem sei, dass die junge Trainerin auf eine Ausrüstung zurückgreife, die in zwei großen rollbaren Wagen untergebracht sei. Außerdem würde Celina Richardt den Platz von zwei Tennisfeldern benötigen. Derweil gebe sich auch die Tennis-Spartenleiterin Sandra Krämer skeptisch: „Das Rathaus muss nicht den Gemeindesportring bemühen, um zu schauen, ob es woanders Hallenzeiten gibt. Vor Corona fehlten Zeiten. Wir haben uns schon damals um diese gekloppt.“

Das Angebot der Gemeinde, die Halle parallel zum Impfzentrum nutzen, habe bei Krämer und Richardt ebenfalls Skepsis hervorgerufen. Dort liege ein schwarzer Boden. „Wir wissen nicht, welche Auswirkungen es gibt, wenn ein Kind fällt“, so Krämer. „Müssen wir vor jeder Stunde Stühle auf- und abbauen? Unterm Strich ist für uns so die Halle nicht nutzbar.“ Wegen der begrenzten Impf-Zeit am Mittwoch sollte das Impfzentrum lieber ins Freibad oder in eine andere Gemeindeeinrichtung wie eine leer stehende Gaststätte umziehen, schlägt Krämer vor.

Pundsack-Bleith verteidigt Handlungsweise der Gemeinde

„Auch wenn die Mehrzweckhalle eigentlich zunächst für Nutzungen der Gemeinde zur Verfügung steht und erst danach Nutzungs- und Vertragswünschen Dritter zusteht (wie auch dem Sport), versuchen wir grundsätzlich, den Sport soweit möglich vorrangig zu berücksichtigen“, sagt Ina Pundsack-Bleith, Erste Gemeinderätin Weyhe. „Gerade in dieser pandemiegeprägten Zeit sehen wir die Notwendigkeit eines verlässlichen Sportangebotes für Kinder und Jugendliche. Aus diesem Grunde haben wir uns die erneute Entscheidung, die Halle dem Sportbetrieb zu entziehen, nicht leicht gemacht“, verteidigt Pundsack-Bleith die Handlungsweise der Gemeinde.

Dennoch würde die Pandemie-Bekämpfung mit Priorität verfolgt. „In der Hoffnung, kurzfristig wieder eine größere Anzahl von Impfungen in der Mehrzweckhalle durchführen zu können und dies möglicherweise häufiger als an einem Tag pro Woche, wurde die Halle in der vergangenen Woche komplett zum Impfzentrum hergerichtet“, erläutert die Erste Gemeinderätin.

Keine kurzfristigen Alternativen für Impfzentrum

Gründe dafür sprachen, dass die Rahmenbedingungen wie Barrierefreiheit und eine ausreichende Anzahl an Parkplätzen stimmten. Andere Alternativen hätten nicht kurzfristig für ein Impfzentrum hergerichtet werden können. „Bereits nach dem ersten Impftermin in der vergangenen Woche haben wir mit dem Impfteam des DRK geklärt, inwieweit die Möglichkeit besteht, Teile der Halle an den Sport zurückzugeben, sofern das Impfangebot nicht ausgeweitet wird. Jetzt die Gewissheit: Nach Auskunft des Kreises sei nicht „mit einer nennenswerten Erhöhung der in Weyhe zu verimpfenden Dosen“ zu rechnen. Somit wird die Hälfte der Mehrzweckhalle ab dem heutigen Mittwoch, 17 Uhr, wieder für den Sportbetrieb nutzbar sein. Lediglich während des Impfbetriebes steht die Halle jeweils mittwochs bis 17 Uhr nicht für die Sportvereine zur Verfügung.

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