Ein Leben für die Menschenrettung: Harry Stratmeyer (64) wechselt in den Ruhestand

Als 14-Jähriger Beifahrer im elterlichen Krankenwagen

Der Leiter der Leester Rettungswache, Harry Stratmeyer (rechts), und sein Nachfolger Frank Diephaus im Flur, in dem die Einsatzbekleidung ihren Platz hat. Hinter der Tür befindet sich – abfahrtbereit – der Rettungwagen. Erst im Jahr 2017 werden die Krankenwagen im neuen Zentrum in Angelse stationiert werden. - Foto: Schritt

Weyhe - Von Sigi Schritt. Harry Stratmeyer hat nicht nur die Rettungswache in Leeste aufgebaut, sondern war auch mehrere Jahre lang für die Koordination eines zur Wache gehörenden Hubschraubers zuständig. Der Leiter dieser DRK-Einrichtung am Henry-Wetjen-Platz hat insgesamt sechs Jahrzehnte Menschenrettung erlebt und verabschiedet sich im nächsten Monat in den Ruhestand.

Harry Stratmeyer vor dem Rettungswagen seiner Eltern.

Bereits als Kind war Stratmeyer gefordert, Hilfe per Funk an den Unfallort zu beordern. „Meine Eltern hatten ein Taxiunternehmen und boten mit ihrem VW-T1-Bus auch Rettungsfahrten an.“ Der Stepke musste sich auch am Telefondienst beteiligen. „Ärzte und Polizisten sagten am anderen Ende der Leitung, wohin der Bus fahren musste.“ „Seine Eltern schoben eine Blechplatte hinein, auf der die Trage befestigt wurde. Wie seine Eltern in Seckenhausen, hatten auch andere Taxi-Unternehmen wie Ehlers in Klein Mackenstedt, Menke in Melchiorshausen, Meyer in Sudweyhe und Husmann in Syke einen Krankenwagen. „Die Dichte der rund um die Uhr verfügbaren Fahrzeuge war gemessen an den Einwohnern höher als heute“, berichtet Stratmeyer. Zum Vergleich: In Leeste und in der Brinkumer Außenstelle sind jeweils ein Fahrzeug für den 24-Stunden-Service stationiert. Dazu gibt es einen Krankenwagen, der in der Woche von 8.30 bis 16.30 Uhr nur für planmäßige Transporte reserviert ist, also Menschen zu den Ärzten bringt, die selbst nicht mehr dorthin fahren können. Außerdem steht in Syke ein weiterer Rettungswagen zur Verfügung, der zwischen 8 und 20 Uhr eingesetzt wird.

„Mutter und Vater hatten 365 Tage im Jahr Dienst. “ Als 14-Jähriger verstärkte er den elterlichen Krankenwagen als Beifahrer. Ein Autofahrer hat einen mit Milchkannen bepackten Landwirt, der mit dem Rad unterwegs war, auf der B 51 erfasst. „Das Opfer hat überlebt“, erinnert sich der 64-Jährige. Solch ein Erlebnis prägt: „Ich habe gemerkt, dass man durch Ausbildung in der Lage ist, einem Menschen das Leben zu retten.“ Als 18-Jähriger hatte er gerade den Erste-Hilfe-Kurs absolviert und den Führerschein in der Tasche, da gab es schon den ersten Einsatz. Er war fortan oft alleine unterwegs: Wenn die Menschen einmal nicht auf seiner Schulter zum Auto tragen konnte, hielt er Autofahrer an und bat um Mithile.

Im Alter von 25 Jahren stand er am Scheideweg: Sollte er den Seckenhauser Betrieb übernehmen? Doch der damalige Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands, Horst Bartels, hatte ihn erfolgreich dafür geworben, in Leeste mit zwei weiteren hauptamtlichen Helfern und drei Zivildienstleistenden eine Wache aufzubauen. Der Christoph Weser, stationiert am Flughafen Bremen, hatte seine erste Wache in Leeste mit Stratmeyer als Chef. Der DRK-Landesverband hatte zusammen mit der deutschen Rettungsflugwacht 1984 eine Wache in Niedersachsen an der Landesgrenze zu Bremen gesucht – und gefunden. Eine Wiese neben dem neuen Leester Gemeindehaus war sogar ein eingetragener Landeplatz, um einen Notarzt aufzunehmen. Auf dem Zettel standen Sekundärflüge – also laut Stratmeyer planbare Flüge, um Risiko-Patienten aus dem norddeutschen Raum zu den Bremer Kliniken zu fliegen. „Als zu befürchten stand, dass neben anderen Hubschrauber-Standorten auch unser gestrichen werden sollte, habe ich mich erfolgreich für den Erhalt eingesetzt.“ Ohne Stratmeyer gebe es Christoph Weser wohl nicht mehr. Als die spontanen Einsätze zunahmen, gab er die Einsatzleitung 2006 ab. In jenem Jahr wechselte auch die Struktur: Ehrenamtliche Sanitäter bekamen eine Festanstellung: So hat der Stellenplan bis jetzt 22 Mitarbeiter in Vollzeit und zwei Auszubildende.

Die Zahl der Einsätze – auch wegen „Kleinigkeiten“ wie Schnupfen oder Sodbrennen – hat zugenommen. Doch das sei ein Problem, um das sich der Nachfolger Frank Diepholz kümmern will.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

"Klasse wir singen!" in Wildeshausen

"Klasse wir singen!" in Wildeshausen

Abschlusstag der Waldjugendspiele in Verden

Abschlusstag der Waldjugendspiele in Verden

Höchste Auflösung ohne Aufpreis: Neues Apple TV 4K im Test

Höchste Auflösung ohne Aufpreis: Neues Apple TV 4K im Test

Fußball-Tennis am Donnerstag

Fußball-Tennis am Donnerstag

Meistgelesene Artikel

637. Großmarkt: Schon Bewerbungen für 2018

637. Großmarkt: Schon Bewerbungen für 2018

Reinhold Dufner stirbt im Alter von 73 Jahren

Reinhold Dufner stirbt im Alter von 73 Jahren

B 69: Vollsperrung aus Sicherheitsgründen

B 69: Vollsperrung aus Sicherheitsgründen

637. Großmarkt: Viel Spaß und ein nasses Ende

637. Großmarkt: Viel Spaß und ein nasses Ende

Kommentare