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Wer kommt zehn Tage ohne Einkauf über die Runden?

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Von: Gregor Hühne

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Voller Kühlschrank.
Krisenzeiten: Extrem selten, aber nicht unmöglich. © Henning Kaiser/DPA

Corona, Flut, Krieg: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät, für den Katastrophenfall vorzusorgen. Zehn Tage sollte jeder ohne einkaufen zu müssen über die Runden kommen. In einer nicht repräsentativen Umfrage in der Syker Hauptstraße haben wir uns bei den Leuten umgehört.

Landkreis Diepholz – Der Corona-Test ist positiv und plötzlich ändert sich die Tagesplanung. Wer in die zehntägige Quarantäne muss und die amtliche Verfügung ernst nimmt, darf für die gesamte Zeit seine Wohnung oder sein Haus nicht verlassen. Doch was, wenn der Magen knurrt und der Kühlschrank leer ist? Wie lange kämen Sie zurecht, ohne einzukaufen?

Diese Frage stellte sich vor Kurzem auch dem Kreiszeitungs-Volontär Fabian Pieper, den das Coronavirus erwischte. Durch die Quarantäne halfen ihm Kollegen, die Einkäufe erledigten und ihn mit Lebensmitteln versorgten.

Situationen wie diese können schnell eintreten und es liegt in der Natur der Sache, dass es in der Notlage zu spät ist, um vorzusorgen. Ob Stromausfall, Hochwasser, Sturm oder Krieg: Leere Regale im Supermarkt im Zuge des kurzzeitigen Zusammenbruchs der öffentlichen Versorgung sind sehr unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Das zeigte nicht zuletzt die Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021.

„Sorgen Sie daher für einen ausreichenden Vorrat. Ihr Ziel muss es sein, zehn Tage ohne Einkaufen überstehen zu können“, schreibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Seit einigen Jahren bringt das Amt den „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ heraus. Die für jedermann kostenfrei erhältliche Broschüre enthält Tipps und Ratschläge. Die Experten betonen vor allem die Sinnhaftigkeit, um vorbereitet zu sein.

So sollte jeder Haushalt einen Grundvorrat an Trinkwasser (20 Liter) und haltbaren Lebensmitteln (3,5 Kilogramm Getreideprodukte) vorhalten. Zusätzlich sollte an folgende Dinge gedacht werden: Hausapotheke (Verbandskasten, Medikamente, Schmerzmittel), Hygieneartikel (Toilettenpapier, Seife, Müllbeutel), Brandschutz (Feuerlöscher, Dachboden/Keller entrümpeln, Wassereimer), Energieausfall (Kerzen, Streichhölzer, Taschenlampe). Außerdem könnte Spezialausrüstung hilfreich werden. Beispielsweise ein Radio mit Batteriebetrieb oder einer Kurbel. Was ist mit der Dokumentensicherung? Sind die wichtigsten Unterlagen griffbereit, zweckmäßig geordnet und welche Unterlagen sind für die Familie absolut notwendig? Gibt es ein Notgepäck? Also einen Rucksack mit dem Nötigsten, falls sofortige Flucht erforderlich werden sollte?

In einer nicht repräsentativen Umfrage in der Syker Hauptstraße haben wir uns umgehört. Wer hält Vorräte und wie lange reichen diese im Notfall? Für die meisten sei Krisenvorsorge kein Thema wie für Johanna S.: „Das ist Schwachsinn“, sagt sie, die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Solange der Strom ihre Kühltruhe versorgt, könne sie eine Weile klarkommen. Frank Kortenstedde hingegen hält einen Notvorrat für sinnvoll. Doch über mehr als das bloße Nachdenken sei er nicht hinausgekommen. Er schätzt, dass seine Familie rund eine Woche zurechtkäme. Kartoffeln, Eier, ein paar Konserven. „Etwas hat man ja immer da.“ Eine Notausrüstung habe er nicht. Jedoch seien sein Camper auf dem Hof sowie der Holzofen im Haus sicher von Vorteil, sagt Kortenstedde. „Ich sehe es nicht ein, zu hamstern“, findet eine junge Frau namens Pia. Schüler Hassan schätzt, dass seine Familie drei Wochen ohne Einkauf zurechtkäme. Unmengen Nudeln und arabische Gewürze seien stets im Haus, falls großer Besuch von Verwandten komme.

Supermarkt: Was könnte knapp werden?

Gibt es Produkte, die für den Verbraucher knapp werden können? Pflanzenöl ist die Antwort von Famila-Geschäftsführer Nils Nikolai. „In manchen Läden gibt es eine Höchstabgabemenge von vier Flaschen pro Person“, sagt er und betont, dass die Situation problematischer werde. Der Grund dafür sind laut der Landwirtschaftskammer Niedersachsen schlechte Ernten. Zudem kämpfen zahlreiche Hersteller nach wie vor mit Lieferengpässen. Diese können sich mit Blick auf den Ukrainekrieg deutlich verschärfen, denn das osteuropäische Land sei ein wichtiger Exporteur von Sonnenblumen- und Rapssaaten.

Im Bereich der Baustoffe gilt: Es bleibt knapp, was schon knapp war. Das berichtet Frank Köster, Marktleiter von BBM Bassum. „Wie zum Beispiel Spanplatten und Holzlatten“, führt er aus. Und „bei den Benzinkanistern zeichnet sich etwas ab“, erklärt er. Metallkanister seien knapp, die Kunststoffkanister werden auch weniger. Noch würden aber genug vorhanden sein.

Und im Bereich des Heizöls? „Die Nachfrage nach Heizöl ist gerade gewaltig“, erklärt Thomas Hartmann, Pressesprecher der Unternehmensgruppe Hoyer. „Die Kunden können beliefert werden. Sie brauchen keine Angst zu haben, kein Öl zu bekommen“, beruhigt Hartmann. Die jetzige Knappheit, von der viele Menschen sprechen, sei bis jetzt irrtümlich. Sie werde nur von vielen angenommen. „Wir können jedoch nicht sagen, wie es in den kommenden Wochen weitergeht. Es geht für uns darum ,auf Sicht zu fahren’. Auch zur Preisentwicklung können wir keine seriöse Prognose abgeben.“ Seiner Meinung nach liegt das Problem der Preisschwankungen bei der Verunsicherung der Menschen, die mit Rohöl an der Börse handeln.

Lebensmittel wie Mehl oder Sonnenblumenöl in Discountern und Supermärkten können mancherorts knapp sein. Fleisch und Bier könnten zudem teurer werden. All diese Entwicklungen ausschließlich mit dem Ukraine-Krieg* in Verbindung zu bringen, entbehrt aber auch jeder Logik. Doch wie wird es die nächsten Wochen und Monate in Supermärkten wie Aldi, Lidl und Edeka weitergehen? „Ökonomen gehen davon aus, dass sich die allgemeine Teuerung bei Nahrungsmitteln erst einmal fortsetzt“, sagt Christian Böttcher, Pressesprecher beim Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels e.V. (BVLH), im Gespräch mit kreiszeitung.de. Längerfristige Prognosen seien aufgrund der dynamischen Lage auf den Märkten zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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