Zwei Tage frühmittelalterlicher Markt auf dem Museumsgelände / Bogenbauer, Waffenschmied und Färber

Warum ein Sax ein Bentley sein kann

Lutz Milferstedt mit seinem teuren Sax.

Syke - (vog) · Sie sind im normalen Alltag Bibliothekarin, Elektroniker und Geograph. Wenn sie ihrem Hobby frönen, tauchen sie ein ins Mittelalter. Dann verwandeln sie sich in Bogenbauer, Waffenschmied oder Pfeilemacher.

Das Außengelände des Kreismuseums war am vergangenen Wochenende Schauplatz eines nachempfundenen Mittelaltermarkts. An gut 20 Ständen konnten sich die zahlreichen Besucher einen Eindruck verschaffen vom handwerklichen Treiben des Frühmittelalters (750-1066).

In der Luft liegt der Geruch von offenem Feuer. Das Hämmern des Schmieds auf dem Amboss unterbricht gelegentlich die relative Ruhe des Markts.

Lärmend kam diese als Wikingermarkt angekündigte Veranstaltung nicht daher. „Wir wollen auch weniger die Klischees von Klopperei und Krieg bedienen, sondern den Fokus auf das Handwerk legen“, sagt Organisator Lutz Milferstedt. Der 29-Jährige spricht deshalb auch lieber vom frühmittelalterlichen Markt, obwohl das langweiliger klinge als Wikingermarkt. Er kann deshalb auch damit leben.

Der gelernte Industriemechaniker ist Hobbyschmied. Das Handwerk betreibt er seit gut zehn Jahren und gestaltet mit etwa 25 Gleichgesinnten Mittelaltermärkte, drei bis vier im Jahr. Für Milferstedt Kraftarbeit. Gut eine Tonne wiegt seine  Ausrüstung.

Das Handwerk beherrscht er mittlerweile trefflich. Seine fertige Waffensammlung aus Schwertern, Messern, Pfeil- und Lanzenspitzen ist beeindruckend. Zwei bis drei Wochen arbeitet er an einem Kurzschwert, Sax genannt. „Die Klinge besteht aus drei Schichten, die mehrfach gefaltet wurden“, erklärt er und zeigt stolz das 500 Euro teure Stück. Von der Qualität her vergleicht er es mit einem teuren Auto. „Das ist ein Bentley“, sagt er.

Nebenan arbeiten Birgit und Peter Arndt. Der Energieelektroniker ist Brokatweber, der Seidenfäden mit Silber zu Verzierungen für Gewänder verarbeitet. Und Tischler, der Stühle, Truhen und Betten aus Holz nach Vorlagen des Osebergfunds (Norwegen) anfertigt. Seine Frau stickt eine Fahne aus der Sachsenzeit. Beide verströmen in ihrem Tun eine ruhige Gelassenheit. Nils Dunkel fertigt aus Eibenholz Bögen und Pfeile. Darunter auch den berühmten Langbogen. Damals ein Kriegsgerät. Für die Jagd gab es den Kurzbogen. Der war im Unterholz besser handhabbar. „Für mich ist das ein schöner Ausgleich. Ich mag die Gemeinschaft“, betont der gelernte Geograph.

Den Ausgleich zum Job lieben auch Sabine Trexler (Sozialpädagogin) und Maren Heynck ((Diplom-Bibliothekarin). Beide färben Stoffe aus Gräsern und Blüten. In einem großen Eisenbottich kochen sie Blätter in einem Färbebeutel. „Das wird ein Gelbton. Da gebe ich noch Eisensulfat dazu, dann entsteht ein Grünton“, erklärt Sabine Trexler, die sich auf die Märkte freut. Die seien ein Zurück vom Schnelllebigen wieder hin zu elementaren Dingen wie Essen, Kleidung und Gemeinschaft. So sieht es auch Maren Heynck, die Frau von Lutz Milferstedt. Wenn sie zurück in ihren Job komme, sei sie stets ausgeglichener. Das Hobby sei wie Urlaub. Oder wie Therapie, für die andere Leute viel Geld bezahlten.

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