Nabu wählt erstmals öffentlich

Stadttaube könnte Vogel des Jahres 2021 werden

Drei Tauben auf der Stange.
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Die oft unbeliebte Taube hat nun Chancen, eine Wahl zu gewinnen.

Die Stadttaube ist als „Ratte der Lüfte“ verschrien, hat aber Chancen, die Wahl zum Vogel des Jahres zu gewinnen. Was denken Naturschützer und Taubenzüchter aus dem Landkreis darüber?

  • Stadttaube unter den letzten Zehn zur Vogel-des-Jahres-Wahl.
  • Aktivisten wollen Ruf des grauen Vogel verbessern.
  • Naturschützer würden mit dem Titel weiterhin lieber auf Bedrohungen aufmerksam machen.

Landkreis Diepholz – Wer vor allem dafür bekannt ist, seine Umgebung mit Ausscheidungen zu verunstalten, hat wahrlich ein Image-Problem. Ratte der Lüfte wird die Stadttaube auch genannt. Was wohl sagen soll: Wir haben es bei der Taube mit gefiedertem Ungeziefer zu tun.

Trotzdem hat die Stadttaube gute Chancen, Vogel des Jahres 2021 zu werden. Von dieser Entwicklung wurden auch Umweltschützer aus der Region überrascht. Johanna Pinkas vom Naturschutzbund (Nabu) Sulingen findet es „schön, dass die Wahl so großes Interesse erfährt“. Sie hält aber Goldregenpfeifer, Eisvogel oder Kiebitz für geeignetere Kandidaten.

Naturschutz ist nicht gleich Tierschutz

Zum 50. Jubiläum der Auszeichnung hat der Nabu-Bundesverband beschlossen, sie erstmals als öffentliche Abstimmung im Internet abzuhalten. Bisher hatte stets eine Jury entschieden. Der Vogel des Jahres sollte auf Gefährdung oder bedrohte Lebenräume aufmerksam machen.

Anni Wöhler-Pajenkamp vom Nabu in Syke sagt zur Stadttaube als Mitfavoritin: „Das überrascht mich jetzt.“ Sie würden einen Vogel des Jahres bevorzugen, der wie in den Jahren zuvor auf Probleme aufmerksam macht. Sie findet es aber sinnvoll, zugleich einen Vogel auszuwählen, den man als normaler Bürger in der Natur noch antreffen könne. Die Rauchschwalbe wäre eine solche Kandidatin, „die in Gefahr, aber immer noch zu sehen ist“.

In Gefahr, aber immer noch zu sehen: die Rauchschwalbe.

Die Zielsetzung, auf bedrohte Lebensräume oder Bestände aufmerksam zu machen, gilt im Prinzip auch für die diesjährige Wahl. Aber wie das manchmal so ist: Die Wähler haben ihren eigenen Kopf.

Mehr Respekt für die Taube?

Und die Stadttaube hat durchaus ihre eigene Lobby. Taubenfreunde und Tierschützer wünschen dem grauen Vogel gegenüber mehr Rücksichtnahme und Respekt. Sie haben dafür in den sozialen Netzwerken die Werbetrommel gerührt, mit Erfolg. Auf der Pole-Position ist er in die Stichwahl eingezogen. Dort hat es die Taube mit neun Konkurrenten zu tun und hatte sich zu Beginn der Stichwahl wiederum an die Spitze gesetzt.

Inzwischen ist sie zwar von Rotkehlchen, Rauchschwalbe, Kiebitz und Feldlerche überholt worden. Aber es ist, so der Bundes-Nabu, nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit offenem Ende.

Die Feldlerche wäre der Favorit von Jan Kanzelmeier, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz. Die Feldlerche wäre besonders aus niedersächsischer Perspektive eine guter Vogel Jahres. Sie könne für den Niedersächsischen Weg stehen, einem „Meilenstein“. Damit meint Kanzelmeier den im vergangenen Jahr beschlossenen Kompromiss zwischen Landwirtschaft, Politik und Naturschutz. Gerade ein Vogel wie die Feldlerche würde von Verbesserungen in der Kulturlandschaft profitieren.

Taubenzüchter pro Stadttaube

Die Stadttaube als Vogel des Jahres? Dem können die, die sich um ihre edleren Verwandten kümmern, durchaus etwas abgewinnen. „Schlecht find ich’s nicht“, sagt etwa Jürgen Woyke, erster Vorsitzender der Reisevereinigung (RV) Martfeld. „Klar, das ist eine verwilderte Haustaube“, stellt der Brieftaubenzüchter fest. Bei Tauben-Rennen gebe es genaue Vorkehrungen, damit jedes Tier zu seinem Besitzer zurückfindet, betont er. Die Vorbehalte gegen die „Ratte der Lüfte“ kennt Woyke nur zu gut. Eine Taube als Vogel des Jahres könnte vielleicht helfen da „ein bisschen die Luft rauszunehmen“.

Das sieht Jens Bobrink vom Rassetaubenzuchtverein Twistringen-Abbenhausen ähnlich. Der Taubenzüchter befürwortet Vorkehrungen wie kontrollierte Nistplätze, damit Stadttauben sich nicht unkontrolliert ausbreiten. Schließlich würden natürliche Feinde wie Falke und Sperber in der Stadt fehlen. Aber die Stadttaube sei auch Beispiel für einen Vogel, der sich gut angepasst hat.

Nach 1973 und 2009 mit Chance auf den dritten Titel: der Eisvogel.

Sollte die Stadttaube am Ende das Rennen machen, müsste sich auch der ausrichtende Nabu damit arrangieren. Dem Naturschutzbund gehe es sonst eher um gefährdete Arten. Im Falle eines Tauben-Wahlsiegs würde Anni Wöhler-Pajenkamp vom Nabu Syke die Anpassungsfähigkeit der Vögel hervorheben: die Fähigkeit, sich neue Lebensräume zu erschließen. Sie erinnert: „Die Amsel war vor 100 Jahren ein scheuer Waldvogel.“

Abstimmen bis 19. März: www.vogeldesjahres.de

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