Zurück ins Mittelalter

Aktionstage in den „Moorwelten“ begeistern nicht nur viele Schüler

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Rustikaler Hausbau: Über mehrere Tage halfen die Kinder, das Gebäude mit Lehmputz und Eichenholzschindeln fertig zu stellen. 

Ströhen – Nur einmal verzogen die Kinder die Gesichter. „Früher hat man auch Kuhdung dazu genommen, um die richtige Konsistenz zu erreichen“, informierte der Archäologe Thorsten Helmerking die Mädchen, die ihn beim Herstellen des glitschigen Baustoffes unterstützten. Die Elfjährigen waren Schülerinnen der Klasse 5c der Stemwederberg-Schule in Wehdem. Gemeinsam mit ihren Lehrern Edda Graue und Ulrich Nimbs begaben sich die Kinder ins Mittelalter und halfen mit, Dinge herzustellen, die in der weit zurückliegenden Zeitepoche üblich waren.

Tatort für das kreative Wirken war das Gelände des Europäischen Fachzentrums Moor und Klima in Ströhen. Schon seit Anfang der Woche fächerten die Kinder gemeinsam mit Detlef Tänzer, Geschäftsführer des Naturparks Dümmer, und dem Archäologen Dr. Hajo Behnke das bereits vorher aufgebaute massive Ständerwerk mit Lehmputz aus und deckten das Dach des etwa sechs Quadratmeter großen Gebäudes mit Schindeln. Das Ständerwerk hatte die Firma Holzbau-Brandt aus Aschen zur Verfügung gestellt. Nach Fertigstellung soll das rustikale Haus als Refugium für Moorwelten-Besucher oder Mitarbeiter des BUND genutzt werden.

Vor den Putzarbeiten hatten Kinder die einzelnen Gefache bereits mit biegsamen Weidenruten und stabilen Staken versehen, die dem Lehm schon im Mittelalter den nötigen Halt gaben. „An der Technik hat sich bis heute nichts geändert“, war von den Archäologen am Rande des Arbeitseinsatzes zu hören.

„Im pampigen Lehm kneten, ist viel interessanter als Mathematik oder Physik“, resümierte die elfjährige Yagmur. „Ich würde im nächsten Jahr sofort wieder mitmachen.“

Detlef Tänzer hatte die zurückliegenden Handwerkstage auf dem Gelände der Ströher „Moorwelten“ initiiert. Der Einsatz von Experten und Schülergruppen ist und war eine Folge der archäologischen Wochen anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Dümmer-Museums in Lembruch, die im vergangenen Jahr großen Anklang gefunden hatten. „Die Dümmerregion ist ein Hotspot der Archäologie“, berichtete Tänzer und ergänzte, dass die Thematik sich hervorragend für die Umweltbildung eigne. „Es gibt noch viele Dinge, die noch von den Schülern der umliegenden Schulen umgesetzt werden können“, kündigte er an.

Auf dem Amboss schmiedeten die Kinder aus glühendem Stahl Utensilien zum Mitnehmen. 

Täglich war eine Schülergruppe damit beschäftigt, entlang des Zaunes Ruten und Staken zu schneiden, das Holz zu entblättern und zu entästen und auf die richtige Länge für die Weiterverarbeitung zurechtzuschneiden. Andere Kinder stellten aus trockenem Eichenholz die etwa 1 000 Schindeln für das Decken des Daches her, weitere Schüler bereiteten die Gefache im Ständerwerk vor, einige sorgten für Lehmputz-Nachschub, und ganz in der Nähe schmiedeten einige Mädchen unter fachkundiger Anleitung von Bernard Haameyer mit einem schweren Hammer auf dem Amboss aus glühendem Stahl Haken und andere Utensilien zum Mitnehmen.

Von Montag bis Donnerstag waren vormittags immer Schulklassen da, am offenen Aktionstag auch ältere Interessenten. Auch am heutigen Samstag gilt das Angebot noch einmal. Abschließender Höhepunkt wird am Abend ein Vortrag mit Dr. Hajo Behnke sein. Der eigentlich in der Lausitz tätige Archäologe spricht ab 18.30 Uhr über das Leben und Handwerken im Mittelalter. Am morgigen Sonntag können sich interessierte Besucher ab 10 Uhr über das bereits Erreichte informieren.

Zudem wies Detlef Tänzer darauf hin, dass ähnliche Aktionstage in den kommenden Jahren fester Bestandteil der Museumsarbeit in der Region werden könnten. Thematisch jeweils mit den Kernkompetenzen der einzelnen Häuser: Mittelalter in und an den „Moorwelten“, Eisen- und Bronzezeit beim Kreismuseum in Syke und Steinzeit am und im Dümmer-Museum.

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