Erster Informationsabend zum Breitbandausbau im Landkreis Diepholz

Die Zukunft beginnt in Wagenfeld

Etwa 200 Wagenfelder informierten sich bei der ersten von fünf Veranstaltungen in der Gemeinde über den Breitbandausbau. Fotos: Russ

Wagenfeld - Von Melanie Russ. Der Abend begann mit einer ganzen Reihe von Superlativen. Wagenfelds Bürgermeister Matthias Kreye sprach von einem geschichtsträchtigen Ereignis: „Es geht um die Zukunft der Gemeinde“, sagte er. Auch Landrat Cord Bockhop sprach von der enormen Bedeutung für die Zukunft des Landkreises Diepholz. Gemeint war der Bau eines Glasfasernetzes im gesamten Landkreis, der nach derzeitigem Stand im August in Wagenfeld und Rehden beginnen soll. In Wagenfeld startete am Mittwoch mit der ersten von kreisweit 50 Informationsabenden für Bürger auch die Vermarktung durch den Netzbetreiber Nordischnet.

Mit gut 200 Zuhörern war die Aula der Grundschule nahezu komplett gefüllt. Das große Interesse verwundert kaum, denn die vermeintliche Datenautobahn gleicht insbesondere in Wagenfeld, wo es landkreisweit die meisten unterversorgten Bereiche gibt, vielerorts eher einer Tempo-30-Zone, in manchen Gegenden ist kaum mehr als Schrittgeschwindigkeit drin.

Nordischnet-Projektleiterin Claudia Pelzl informierte in einem etwa einstündigen Vortrag mit informativen Kurzfilmen über die Vorteile der Glasfaser, und erklärte, wie die Glasfaserkabel ans Haus angeschlossen und die Geräte im Haus über einen Router mit dem Internet verbunden werden. Darüber hinaus stellte sie die Angebotspalette von Nordischnet vor, die Bandbreiten von 200 Mbit/s bis 500 Mbit/s, Telefonflatrate ins deutsche Festnetz und Kabelfernsehen umfasst, sowie die unterschiedlichen Wahlmöglichkeiten. Der wesentliche Vorteil der Glasfaser: Sie kann in nahezu unbegrenzter Geschwindigkeit Daten transportieren und ist somit auch für künftige, noch schnellere Übertragungstechniken gerüstet.

Das Nordischnet-Team wird in den kommenden Wochen in Wagenfeld und Ströhen von Haus zu Haus gehen und beraten (v.l.): Welat Polat, Evelin Langner, Jürgen Heuer, Joachim Bein, Kirsten Bick, Hannes Mahrenholtz (Projektleiter Vertrieb) und Gisela Lesner.

Die Wagenfelder folgten den Ausführungen sehr interessiert, sodass am Ende nur noch wenige Fragen offen blieben. Eine beschäftigte sich mit dem Zeitrahmen der Bauarbeiten. Sie sollen am 1. August in Wagenfeld beginnen und in spätestens zweieinhalb Jahren im letzten Ausbaugebiet des Landkreises abgeschlossen sein. Zwar gab sich Erster Kreisrat Jens-Hermann Kleine zuversichtlich, dass der ehrgeizige Zeitplan eingehalten werden kann, eine feste Zusage konnte er aber nicht machen. Denn der Landkreis ist davon abhängig, dass sich in den Ausschreibungen genügend Tiefbaufirmen finden. „Wir setzen unsere Firmen unter Druck“, versicherte Landrat Bockhop, dass der Landkreis auf eine schnelle Bauausführung drängen wird. Auch er strahlte großen Optimismus aus. „Es ist schon so, dass die Firmen Interesse haben.“ Es habe bereits einige Anfragen von Unternehmen gegeben, die sich beteiligen möchten.

Es wird immer ein Baucluster – inklusive der Außenbereiche einer Kommune – abgeschlossen, bevor es im nächsten weitergeht. Ausgenommen sind im aktuellen Projekt abgelegene Gebäude, deren Erschließung nicht wirtschaftlich ist. In Wagenfeld sind es etwa 100, landkreisweit 800. Für sie bemüht sich der Landkreis um weitere Fördermittel. Außerdem gibt es in Wagenfeld und Rehden Überlegungen, ob Hauseigentümer in Einzelfällen die Tiefbauarbeiten auf eigene Rechnung übernehmen könnten und Nordischnet dann Glasfaser verlegt. Diese Möglichkeit muss allerdings noch geprüft werden.

Nordischnet-Techniker Swen Wehrmann (hinten rechts) erklärte, wie das Glasfaserkabel installiert und das Signal im Haus verteilt wird.

Erster Kreisrat Kleine hatte eingangs erläutert, warum der Landkreis über seinen Eigenbetrieb ein Glasfasernetz bauen lässt und warum er es nicht schon früher gemacht hat. Steuergeld dürfe nur dort für eigentlich privatwirtschaftliche Maßnahmen eingesetzt werden, wo ein Marktversagen herrsche. Das sei im Landkreis Diepholz der Fall, weil die großen Telekomunikationsunternehmen aus Kostengründen kein Interesse am Bau eines Glasfasernetzes hätten.

Bürgermeister Matthias Kreye kann das nur bestätigen. Er habe in den ersten drei Jahren nach seiner Wahl immer wieder versucht, Glasfaser nach Wagenfeld zu holen. „Wir wurden nicht ernst genommen“, sagte er mit Blick auf Telekom und Co. Erst als die Kommunen den Breitbandausbau an den Landkreis übertragen hätten, sei Schwung in die Sache gekommen. Die Wagenfelder bewerten die Arbeit des Landkreises offenbar ebenfalls positiv. Bockhops selbstbewusste Aussage, „wir machen ein richtig gutes Glasfasernetz“, beantworteten sie mit Applaus.

Abschließend warben alle Beteiligten dafür, dass möglichst viele Einwohner einen Glasfaseranschluss buchen. Denn nur, wenn das Interesse groß genug und der Ausbau wirtschaftlich ist, wird tatsächlich gebaut. Projektleiterin Claudia Pelzl nannte als Richtwert eine Beteiligung von etwa 60 Prozent der Haushalte. „Ein Glasfaseranschluss wird künftig wesentlich für den Wert einer Immobilie sein“, betonte Kreye. „Machen Sie Werbung für das Glasfasernetz“, bat er die Zuhörer der Versammlung. „So eine Chance gibt es nicht wieder.“ Denn wer bis zum Ende der jeweiligen Vermarktungsphase einen Vertrag mit Nordischnet abschließt, bekommt den Hausanschluss umsonst dazu.

Die weiteren Infoabende

Ströhen: Dienstag, 23. April, Sporthalle Neustadt: Mittwoch, 24. April, Grundschule Bockel: Donnerstag, 2. Mai, Grundschule

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