„An die Zitzen, fertig, Milch!“

16 Landwirtschafts-Azubis starten beim Melkwettbewerb in Ströhen

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Bei Fabian Borches (r.), Auszubildender aus Maasen, läuft es beim Melkwettbewerb auf dem Hof Fiedler in Ströhen gut: Er strahlt Ruhe aus und die überträgt er auf die Kuh.

Ströhen - Das Bibbern der 16 Auszubildenden in der Landwirtschaft, die sich am Dienstag zur Melkzeit auf dem Hof Henning Fiedler zum Melkwettbewerb trafen, sollte sich in der Rückschau nur auf das nasskalte Wetter beziehen. Die 260 „super coolen“ Kuh-Damen, die sich brav zum Melken am frühen Abend anstellten, machten es den Auszubildenden im zweiten und dritten Lehrjahr leicht. Erwartungsvoll, ihre Milch wie gewohnt abzugeben, füllten sie den zweiseitigen Melkstand und gaben gerne die Melkwettbewerb-Probanden.

Der Melkwettbewerb wird von der Bezirksstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer Niedersachsen unter der Leitung der Ausbildungsberaterin Ruth Beatrix Hainke für alle Auszubildenden im Beruf Landwirt der Kreise Nienburg und Diepholz veranstaltet. Am Dienstagabend startete er auf dem Milchviehbetrieb Fiedler in Ströhen. Zwei weitere Termine werden in Stuhr/Varrel und Anemolter/Stolzenau ausgerichtet. Die Siegerehrung ist im Rahmen des „Tierbeurteilungswettbewerbes Rind“ am 30. November bei Familie Plenge in Heerde/Kirchdorf geplant. Der Sieger nimmt am Bezirksentscheid am 6. Februar in Steimbke im Landkreis Nienburg teil.

Doch das war alles noch Zukunftsmusik für die Azubis, denn erst hieß es in Ströhen das Melkprozedere im Sinne der Kühe und unter den scharfen Augen der sechs ehrenamtlichen Richter, darunter praktische Landwirte, Lehrer, Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer und diverser Milchkontrollvereine, zu absolvieren.

Zahlreiche Wertungskriterien

Eine einmalige Einführung gab Henrik Nackenhorst, Landwirt aus Wagenfeld: „Die Melkzeit hat ja schon begonnen, wir klinken uns jetzt in den Prozess in Gruppen ein.“ Dann ging es für die erste Gruppe in den tiefergelegten Melkmittelgang der Melkstation. Dort warteten die Kühe auf die persönliche Ansprache, das Anfassen, also das Zeigen, dass der Melker da ist und er das Melkgeschirr nun anlegen wird. Bei Fiedlers wurde durch die Hinterbeine gemolken. Die Bewertung war streng: Beginnend mit dem Gesamteindruck des Melkers, dem technischen Ablauf des Prozesses mit Vakuumkontrolle, Platzsauberkeit, Fertigkeit und Gewandtheit des Melkers, Zeiteinteilung und Arbeitsablauf. „Wir schauen euch also in Sachen Sauberkeit, Vormelken und Schalentest über die Schulter“, so Nackenhorst.

Beim Melkwettbewerb geht es aber nicht nur um das reine Ausmelken, sondern auch darum, durch den sogenannten Schalentest, bei dem aus jedem Viertel des Euters etwas Milch in eine von vier Schalen gemolken wird, zu erkennen, ob die Milch augenscheinlich gut ist. Durch Zugabe einer Testflüssigkeit wurde weiterhin beurteilt, ob die Milch abnorme Veränderungen aufweist. Spätestens hier zeigte sich, wie viel Vorwissen die Lehrlinge von den Lehrbetrieben mitbringen müssen.

Denn auch in Zeiten von Melkrobotern ist durchaus das Melken mit der Hand Basiswissen, chemische Grundkenntnisse von Nöten und ein gutes Händchen, beziehungsweise Ansprache zum Tier essenziell. Nicht umsonst steht für die Richter in dem Bewertungsformblatt: „Auf den richtigen Faust- oder Knebelmelkgriff ist zu achten.“ Die jungen Azubis schlugen sich gut im Wettbewerb. Trotz faktischem Zeitmangel für das Säubern der Euter, Vormelken, Milchzelltest und Anrüsten der Euter mit dem Melkgeschirr sollte die Vorarbeit nicht länger als eine Minute dauern. „Denn ihr wisst ja, das Hormon Oxytocin beeinflusst für rund fünf bis acht Minuten das Einschießen der Milch ins Euter und öffnet für den Melkprozess das nötige Zeitfenster.“

Natürliche Zeitvorgaben

Praktisch heißt das, dass die Freisetzung des Hormons durch mechanische Stimulation den Melkvorgang erst möglich macht. Wieder eine natürliche Zeitvorgabe für die Auszubildenden. Insgesamt musste jeder Azubi drei Kühe melken und bei zweien den Milchzelltest absolvieren.

Die angehenden Landwirte kamen von Lehrhöfen aus einem großen Einzugsgebiet: Diepholz, Hüde, Warpe, Maasen, Sulingen als Beispiele. Elternhäuser benannten sie in der Wesermarsch, Gifhorn, Oldenburg, Bremen und Bersenbrück als weiteste.

Fabian Borchers kommentierte so: „Ich komme aus Maasen, lerne in Maasen und bleibe in Maasen.“ Angesichts des allgemeinen Höfe-Sterbens ein schöner Gedanke. 

sbb

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