„Die wollen uns hier nicht“

Tierschutzverein Rahden und Umgebung stellt Arbeit vorerst ein

Ströhen - Von Melanie Russ. Sie hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, doch schweren Herzens hat sich Heike Stüwe dazu durchgerungen, die Arbeit des Tierschutzvereins Rahden und Umgebung vorerst ruhen zu lassen. Ansässig ist er in Ströhen. Noch. Denn die Vorsitzende sucht eine neue Bleibe – am besten irgendwo im Süden des Landkreises Nienburg.

Als Grund nennt sie auf Nachfrage Ärger mit dem Veterinäramt des Landkreises Diepholz und der früheren Besitzerin einer vierjährigen Hündin, die der Verein aufgenommen hatte.

„Die wollen uns hier nicht“, ist Stüwe überzeugt. Die – das sind die Mitarbeiter des Veterinäramtes, mit denen Stüwe nach eigener Aussage regelmäßig im Streit liegt, seit der 2003 in Sielhorst gegründete Verein 2005 an die Mindener Straße in Ströhen gezogen ist. Dort kümmerten sich Stüwe und ihre Mitstreiter mit viel Herzblut um vernachlässigte oder bedrohte Hunde, päppelten sie auf und suchten für sie ein neues, liebevolles Zuhause. Die meisten kamen aus Deutschland, etwa 30 Prozent stammten aus Malta.

Doch jetzt ist sie es leid. Das Fass zum Überlaufen brachte eine Auflage des Veterinäramtes, den Quarantäneraum mit einer Heizung auszustatten. „6 000 bis 8 000 Euro würde das kosten“, schätzt Stüwe. Das könne sich der Verein, der sich allein aus Spenden und Schutzgebühren finanziere, nicht leisten. Aus ihrer Sicht ist die Heizung nicht zwingend erforderlich, da die Hunde auch ins Wohnhaus dürften und keineswegs frieren müssten. Nicht nachvollziehbar ist für Stüwe, warum das Veterinäramt die fehlende Heizung plötzlich bemängelt, obwohl das in der Vergangenheit kein Thema gewesen sei. Sie empfindet das als Vorwand, um sie unter Druck zu setzen. Zudem habe das Veterinäramt kritisiert, dass die Hunde gemeinsam im Rudel gehalten werden und Familienanschluss haben. Auch das kann Stüwe nicht nachvollziehen.

Keine schlüssige Erklärung 

Schlüssig erklären kann Thorsten Abeling, stellvertretender Leiter des Fachdienstes Veterinärwesen beim Landkreis, das plötzliche Interesse am Quarantäneraum auch nicht. Vielleicht seien Kontrollen in der Vergangenheit im Sommer erfolgt, weshalb die fehlende Heizung nicht so im Fokus gestanden habe.

Zum konkreten Fall äußert sich Abeling nicht, er nimmt aber grundsätzlich zum Thema Quarantäneraum Stellung. Ein Tierheim zeichne sich dadurch aus, dass es laufend Tiere aus unterschiedlichsten Verhältnissen aufnehme. Nicht jeder Halter impfe seine Hunde, und bei Fundtieren sei der Gesundheitszustand ohnehin unbekannt. Daher müssten neue Tiere grundsätzlich zunächst in Quarantäne gehalten werden. Ein einfacher Schuppen reiche dafür aber nicht aus. Der Raum müsse gut gereinigt und desinfiziert werden können und beheizbar sein. Letzteres sei insbesondere für Welpen oder kranke Tiere wichtig.

Gegen Rudelhaltung ist laut Abeling grundsätzlich nichts zu einzuwenden. Allerdings müsse darauf geachtet werden, dass neue Tiere nicht sofort mit den bereits vorhandenen Hunden in Kontakt kämen, da ihr Gesundheitszustand eben nicht bekannt sei. „Das ist in dem Tierheim ein Problem gewesen“, sagt Abeling.

„Wir haben nichts gegen das Tierheim“

Das Gefühl Stüwes, nicht gewollt zu sein, kann der stellvertretende Fachdienstleiter nicht nachvollziehen. „Wir haben nichts gegen das Tierheim“, stellt er klar. Das Veterinäramt begleite den Tierschutzverein genau wie die anderen Tierheime auch. Die jüngsten Gespräche seiner Kollegen mit der Vereinsvorsitzenden charakterisiert er als ruhig und sachlich. Vielleicht habe sich das für Stüwe im Nachhinein anders dargestellt, so Abeling.

Bei all dem Ärger hat die Vorsitzende dieser Tage aber wenigstens einen Grund zur Freude. Die vierjährige Hündin, mit deren früherer Besitzerin es immer wieder Streit gegeben habe, habe nach etwa einjähriger Suche endlich ein neues Zuhause gefunden, berichtet Stüwe, die aktuell noch zwei Tierheimhunde unter ihren Fittichen hat.

Rubriklistenbild: © Foto Webseite / Kern 

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