Kinder- und Jugendtheater Witten begeistert rund 600 Besucher mit „Das kleine Gespenst“ auf der Freilichtbühne Wagenfeld

Alte Bekannte entstauben Klassiker und regen Fantasie an

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Bei bestem Wetter lockte „Das kleine Gespenst“ von Otfried Preußler etwa 600 Besucher zur Wagenfelder Freilichtbühne. Zwei Vorstellungen wurden dort gespielt.

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. „Die kleine Hexe“, „Der Räuber Hotzenplotz“, „Der kleine Wassermann“ aber auch „Krabat“ – das sind Bücher des Geschichtenerzählers Otfried Preußler aus Böhmen. Sie sind in den Kinderzimmern auf der ganzen Welt zu Hause. Als Kinder- und Jugendtheaterstück lockte jetzt „Das kleine Gespenst“ in zwei Vorstellungen rund 600 Kinder auf die Freilichtbühne in Wagenfeld. Mit dem Wittener Kinder- und Jugendtheater kamen alte Bekannte zurück und brachten ein Stück Kinder-Klassik-Literatur mit.

Geisterstunde und Gespenster – das sind nach wie vor heiß begehrte Erzählstoffe. Ein netteres Gespenst als das von Otfried Preußler kann man sich jedoch kaum vorstellen. Der Autor sagte einmal: „Ich werde mitunter gefragt: ‚Halten Sie es für richtig, Herr Preußler, den Kindern unserer Zeit, die ins dritte Jahrtausend hineinwachsen, noch Geschichten von Hexen und Wassermännern, von Zauberern, Feen und kleinen Gespenstern zu erzählen?‘. Darauf kann ich nur antworten, dass ich das nicht nur für richtig, sondern für wichtig halte, für lebenswichtig, um es genau zu sagen.“

Auf der Freilichtbühne traten die kleinen Zuschauer in einen regen Dialog mit dem kleinen Gespenst, das durch die Uhrreparatur auf dem Rathausplatz von Eulenberg endlich seinen lang gehegten Wunsch erfüllt bekommt, einmal am Tag spuken zu dürfen. Aber aus dem kleinen, weißen Gespenst, das sonst seine Nacht-Tage auf Burg Eulenstein verbringt, wird ein ganz und gar schwarzes Gespenst. Am Tag sorgt es als „schwarzer Unbekannter“ für ordentlich Wirrwarr in Eulenberg und möchte eigentlich auch wieder Heim auf seine Burg und bei Nacht in den Wald zu seinem Freund, dem Uhu Herrn Schuhu.

Das Gespenst spricht zumeist in Reimen, es ist ja auch schon mehr als 300 Jahre alt. Der Uhrmachermeister, der die Misere mit der Uhr und den fehlenden zwölf Stunden verursachte, heißt Herr Zifferle und meint an der Uhr sei alles „Ticki, Tacko“. Seine Tochter Paula ist es letztlich, die keine Angst vor dem Spuken des kleinen Gespenstes hat und sich des Nachts in den Wald traut, um Herrn Schuhu um Rat zu fragen. „Stellt die Uhr um zwölf Stunden vor auf Mitternacht, dann ist das kleine Gespenst wieder im richtigen Rhythmus“.

Figuren, Kostüme und Requisite entführen liebevoll direkt in das Kinderbuch. Ein Schwerpunkt des Kindertheaters ist die Dramatisierung bekannter und unbekannter Märchen mit dem Ziel sie zu „entstauben“, ohne sie sprachlich und inhaltlich zu entstellen. Die Texte sind lyrisch und doch erklärend, der Rest ist ein stummer Verständnisdialog zwischen den drei Schauspielern und den Kindern als Publikum. Dies ist der Vorteil der Fantasie, die in den Köpfen noch Platz findet, ausgemalt wird und zu einer tollen Geschichte wächst.

Und obwohl das kleine Gespenst gar nicht so gruselig war, kostete es doch einiges an Überwindung bei den Kindern nach der Vorstellung genau ihm die Hand zu schütteln und „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Das persönliche Verabschieden ist eine Tradition beim Wittener Kinder- und Jugendtheater.

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