„Wird bald ein Rudel in Wagenfeld geben“

Weideviehhalter protestieren mit Mahnfeuer gegen den Wolf

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„Das war erst der Anfang“: Mehr als 20 Weidetierhalter nehmen auf dem St.-Georgens-Gestüt von Corina Marko und ihrem Mann Peter Dartsch an einer Protestaktion gegen die Ausbreitung des Wolfes teil, tragen sich in Unterschriftenlisten ein und formulieren eine Petition.

Wagenfeld - Von Gerhard Scheland. Je näher der Wolf kommt, desto lauter werden die Proteste. Und die Zahl der Mahnaktionen nimmt zu. Beteiligt sind neben Schafhaltern und Rinderzüchtern inzwischen auch Pferdebesitzer. Wie am Freitagabend beim Mahnfeuer auf dem St.-Georgens-Gestüt von Corina Marko und ihrem Mann Peter Dartsch, Auf der Voßhardt 25, im Außenbereich der Gemeinde Wagenfeld.

Mehr als 20 Weideviehhalter brachten zunächst verbal ihre Ängste gegen den immer weiter vorrückenden Wolf zum Ausdruck, trugen sich in Unterschriftenlisten gegen die unkontrollierte Ausbreitung des Beutetieres ein und formulierten im Halbrund um einen qualmenden Feuertopf eine Petition, die Ende August auf die postalische Reise geschickt werden soll – an den Petitionsausschuss der Niedersächsischen Landesregierung, an die Parteien und an den deutschen Dachverband des Reitsports.

Jüngste Wolfssichtungen lösten die Proteste aus

Die Initiatorin der Protestaktion lebt mit ihrem Mann erst seit einem Jahr in Wagenfeld. Weil sie sich in ihrer Heimat am Ammersee in Bayern mit ihrem Gestüt nicht weiter ausbreiten konnten, haben sie wegen idealer infrastruktureller Bedingungen eine Hofstelle in der Südkreis-Gemeinde erworben, um dort eine Reitschule für Kinder, Jugendliche und Wiedereinsteiger zu betreiben und ihre Welsh-Cob-Zucht zu erweitern.

Auslöser der Protestaktion waren die jüngsten Wolfssichtungen in der Ortschaft Ströhen durch Melanie Grimberg und auf dem früheren Muna-Gelände in Rehden sowie die Erkenntnis der Welsh-Cob-Züchterin, „dass wir uns auf Dauer nur gemeinsam eine Stimme verschaffen können, wenn das Jagdrecht geändert werden soll“.

Beginnt ein Pferd zu flüchten, entsteht Gefahr für den Reiter

„Das war erst der Anfang“, resümierte Corina Marko nach dem abendlichen Mahnfeuer, „ich mache auf jeden Fall weiter.“ Will heißen: Die Unterschriftenlisten werden bei Facebook online gestellt oder können per E-Mail (corinamarko@yahoo.de) angefordert werden. Ziel ist, möglichst viele Unterschriften gegen die explosionsartig zunehmende Wolfspopulation zusammenzubekommen. 

„Es deutet vieles darauf hin, dass es im Bereich Wagenfeld schon zeitnah ein Wolfsrudel geben wird“, befürchtet Marko. Bestandteil der Petition ist die Frage, wer bei einer weiteren Ausbreitung des Raubtieres garantieren könne, dass Erwachsene wie Kinder bei ihren Ausritten nicht vom Wolf verfolgt oder angegriffen würden. „Pferde sind Fluchttiere, die in Bedrohungssituationen durchgehen und die Gesundheit und das Leben ihrer Reiter gefährden.“ Allein schon deswegen müsste der Abschuss von Wölfen und Hybriden ab der ersten Generation ins Jagdrecht aufgenommen werden, ist eine Kernforderung der Pferde- und Weidetierhalter in der Region.

Schutzhunde sind für Pferdehalter keine Lösung

Aufgenommen wird in die Petition zudem, dass bei Rissen von Pferden durch den Wolf keine Entschädigungshöhen angemessen seien, „weil wir unsere familiär aufgewachsenen Tiere lieben“. Eine artgerechte Weidehaltung sei schon jetzt kaum noch möglich, weil die Tiere jede Nacht im Stall verbringen müssten. Wolfsichere Einzäunungen seien keine Lösung, weil sie weder umsetz- noch finanzierbar seien. Und nützen würden sie vermutlich wenig: „Wölfe sind äußerst intelligente Tiere, die schnell herausfinden, wie sie Hindernisse überwinden können.“ Der Einsatz von Herdenschutzhunden sei vielleicht für Schafhalter interessant, bei Pferdebesitzern dagegen überhaupt kein Thema, war beim Mahnfeuer ebenfalls zu hören.

Abschließender Appell aller anwesenden Protestteilnehmer an die unentschlossene Bevölkerung: „Schauen Sie sich die Zäune in Wolfscentern an und vergleichen Sie sie mit den vorgesehenen Zäunen für die Weidetierhaltung. Dann kommen Sie schnell zu der Erkenntnis, dass da irgendwas nicht passt.“

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