Wagenfelder stehen hinter Familie Rstuni

„Wir lassen unsere Ani nicht gehen“

Auf dem Stand der Haupt- und Realschule Wagenfeld auf dem Großmarkt lagen Unterschriftenlisten der Kirchengemeinde und des Schulelternrates aus. Von rechts Pastor Michael Steinmeyer, Stephan Kawemeyer, Vorsitzender Schulelternrat, und Pastorrin Edith Steinmeyer.

Wagenfeld - (hwb) · In Wagenfeld regt sich Widerstand, Widerstand gegen die geplante Abschiebung der Familie Rstuni nach Armenien. „Wir lassen unsere Ani nicht gehen“, stehen die Mädchen und Jungen aus der Klasse 8 der Haupt- und Realschule Wagenfeld hinter ihrer Mitschülerin.

Chatschik Rstuni und seine Frau Armin leben seit nunmehr 14 Jahren als christlich-armenische Familie mit ihren Kindern Sarkis (21) und Silva (18) in der Gemeinde Wagenfeld, zunächst in der Ortschaft Ströhen, seit einigen Jahren in Wagenfeld direkt. Ihre Tochter Ani Lusinyan (13) ist in Deutschland geboren.

Letztere besucht die achte Klasse der Haupt- und Realschule Wagenfeld und den Konfirmandenunterricht in der Kirchengemeinde. Sohn Sarkis ist in Ströhen konfirmiert worden und arbeitet inzwischen als Kunststoffgießer bei der Polyurethan-Technik Wagenfeld. Tochter Silva, in Wagenfeld konfirmiert, absolviert derzeit bei der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz eine Ausbildung zur Sparkassenfrau.

Im Mai 2010 hat die Ausländerbehörde des Landkreises die Eheleute Rstuni und ihre Tochter Ani zur Ausreise nach Armenien aufgefordert. Die älteren Kinder profitieren von einer Altfallregelung und dürfen deshalb in Deutschland bleiben.

Gegen die Entscheidung der Ausländerbehörde hat der Anwalt der Familie das Verwaltungsgericht Hannover angerufen. Das hat jetzt gegen die Familie entschieden. In seiner Begründung stellt das Gericht vor allem darauf ab, dass die Familie in Deutschland nicht integriert sei und dass Armenien bereit sei, Passersatzpapiere auszustellen und sie aufzunehmen.

„Meiner Meinung nach ist die Integration der Familie hier eindeutig gegeben“, stellt sich Pastorin Edith Steinmeyer hinter die Familie. Sie und ihr Mann Michael haben das Thema ins Rollen gebracht. Sie haben sich an die Schule und den Schulelternrat gewandt, die sich zu einer Unterschriftenaktion entschieden. „Wir hoffen, dass die zuständigen Behörden der Familie eine Chance geben, bevor sie die Abschiebung umsetzen“, sagt Stephan Kawemeyer, Vorsitzender des Schulelternrates. In seiner Funktion als Kreistagsmitglied hat er an den Landrat geschrieben und bittet diesen darum, den Sachverhalt nochmal zu prüfen. Gleichzeitig bittet er die zuständigen Landtagsabgeordneten um Unterstützung in ihren Gremien.

In einem Brief an die Härtefallkommission des Niedersächsischen Innenministeriums und des Petitionsausschusses des Niedersächsischen Landtages weist Chatschik Rstuni nicht nur auf die Situation seiner Kinder hin, sondern er verdeutlicht auch, dass er gewillt ist, den Lebensunterhalt für seine Familie selbst zu verdienen. Er habe sich wiederholt – unterstützt von der örtlichen Kirchengemeinde und der Kirchenkreissozialarbeit – um Arbeit bemüht. Belegen könne er Aushilfstätigkeiten im Tierpark Ströhen und in der Spargelernte. Die Aufnahme einer Tätigkeit bei der Firma Lütvogt sei aber im Sommer 2010 am Fehlen einer Arbeitserlaubnis gescheitert.

„Und hier liegt das Dilemma“, sagt Stephan Kawemeyer. „Ohne Arbeit bekommt er keine Aufenthaltsgenehmigung, ohne Aufenthaltsgenemigung darf er aber nicht arbeiten.“

Da die juristischen Mittel gegen die Verpflichtung zur Ausreise nach Armenien so gut wie ausgeschöpft zu sein scheinen, droht jetzt kurzfristig die Abschiebung. Die formelle Beschwerdefrist läuft heute aus.

Die Unterschriftenaktion gegen die Abschiebung ist auf dem Großmarkt gut angelaufen. Ab heute liegen die Listen öffentlich in Wagenfeld aus. „Wir hoffen, mit dieser Aktion etwas Zeit zu gewinnen“, sagt Pfarrer Michael Steinmeyer.

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