Unterhaltsamer Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Schützenvereins Ströhen-Butzendorf

Ein wichtiger Teil der Gemeinschaft

Frieda und Anneliese kabbelten sich höchst unterhaltsam auf der Bühne.

Ströhen - Von Melanie Russ. Feiern und Spaß haben – das wird beim Schützenverein Ströhen-Butzendorf (BSV) großgeschrieben. In diesem Sinne hatte der Verein auch den Festakt anlässlich seines 100-jährigen Bestehens am Freitagabend im Festzelt am Landgasthaus Kastens gestaltet. Kurze Festansprache, kurze Grußworte, ein humorvoller Blick in die Chronik und dazwischen immer wieder unterhaltsame Einlagen – so vergingen die zweieinhalb Stunden fast wie im Flug.

Präsident Gerald Hilgemeier begrüßte mehr als 150 Vertreter aus örtlichen und benachbarten Vereinen zu dem Festakt, der einen Vorgeschmack auf das Schützenfest am kommenden Wochenende gab. Seine Rede nutzte er unter anderem, um den „fünf Freunden“, der „Jubi-Bande“ und ihren Helfern für die Vorbereitung der Feierlichkeiten zu danken und das hervorzuheben, was den Butzendorfer Schützenverein seit 100 Jahren ausmacht: Brauchtum, Tradition, Freundschaft und Gemeinschaft. „Es ist das Wir-Gefühl, das von Generation zu Generation weitergegeben wird“, so Hilgemeier. „Wir wollen den BSV für nachfolgende Generationen attraktiv halten“, nannte er als Ziel. Gerade die starke Jugendabteilung gebe ihm Hoffnung. Der 363 Mitglieder starke Verein zählt aktuell 73 Jungschützen. Anschließend übergab er das Zepter an Alina Nolte, die den Festakt mit Reden, Tanzeinlagen der Landjugend, Sketchen und Musik moderierte.

Wenn ein Verein einen runden Geburtstag feiert, dann gehört ein Blick in die Chronik natürlich dazu. „Ihr erwartet jetzt vielleicht einen mehrstündigen Vortrag. Den gibt es nicht“, schickte Reinhard Heider voraus und erhielt dafür prompt Applaus. Hätten die Gäste gewusst, wie unterhaltsam er die kleine Zeitreise gestalten würde, hätten sie wahrscheinlich eher Bedauern geäußert. Heider verstand es bestens, amüsante und skurrile Episoden aus der hundertjährigen Geschichte herauszupicken, die Vorstandsmitglieder, die den Verein oft über Jahrzehnte geprägt hatten, ins rechte Licht zu rücken und bei aller Leichtigkeit auch die Grundpfeiler des Vereins zu betonen: den Zusammenhalt nach innen und die lange bestehenden Freundschaften mit den örtlichen und benachbarten Vereinen. „Das war uns immer wichtig“, betonte Heider.

Kleine Seitenhiebe auf die Nachbarn in Wagenfeld konnte er sich natürlich nicht verkneifen. Dort glaubten ja manche, die Ströher hätten erst mit der Gemeindegebietsreform Lesen und Schreiben gelernt, so Heider. Die noch erhaltene erste Satzung des BSV in schönster Handschrift beweise das Gegenteil. Tatsächlich habe schon kurz nach dem 30-jährigen Krieg ein Lehrer aus Ströhen in Nordel unterrichtet. „Wenn ihr damals schon einen Ströher Lehrer gehabt hättet, wäret ihr vielleicht nicht so lange unter hessischer Herrschaft gewesen“, rief er den Gästen aus Wagenfeld zu. Die nahmen’s gelassen und gratulierten später, wie die übrigen Gastvereine, von Herzen zum Jubiläum.

Grüße und Glückwünsche überbrachten auch die Ehrengäste Volker Meyer (stellvertretender Landrat), Axel Knoerig (Bundestagsabgeordneter) und Karsten Heineking (Landtagsabgeordneter). Dem BSV sei es gelungen, den Geist der Geselligkeit wach zu halten, sagte Bürgermeister Matthias Kreye und lobte insbesondere die hervorragende Jugendarbeit. Reinhard Heider ergriff als Ortsvorsteher noch einmal das Wort. Der BSV habe ein gutes Stück Ströher Ortsgeschichte mitgeschrieben und nach dem Krieg vielen Menschen eine Heimat geboten. Bis heute sei der Verein ein wichtiger Teil der Gemeinschaft – bei fröhlichen Anlässen und Festen ebenso wie in der Trauer.

Während man beim Butzendorfer Schützenverein ganz bodenständig ist, es dort keine Offiziere, sondern nur „Bürgerschützen im besten Sinne des Wortes“ (Heider) gibt, steigt der Königstitel den Würdenträgern andernorts schon mal zu Kopf. In Plattengülle zum Beispiel. Dort hat Anneliese (Bettina Hauf) die Königswürde des Kleinkalibertierschützenvereins errungen und gibt sich nun dem „Rausch der Macht“ hin. Mit ihren Allüren geht sie Frieda (Ilka Schmale) mächtig auf die Nerven. Ihre Zankereien lebten sie zur besten Unterhaltung der Gäste auf der Bühne aus.

Noch mehr zu lachen hatten die Gäste bei Hankas Bande, die das Märchen Aschenputtel „mal anders“ präsentierte. Im Festprogramm war es als „ein Stück zum Schmunzeln“ angekündigt. Das war stark untertrieben. Aschenputtel, die hässlichen Schwestern, der „so schöne“ Prinz und die beiden „Glockentürme“ verdienten sich mit ihrer skurrilen Darbietung einen tosenden Applaus.

Und dann war da natürlich der Spaßmannzug, der bei keinem BSV-Fest fehlen darf. Die Topfdeckel und ähnlichen Gerätschaften, mit denen die Damen – Männer werden nicht aufgenommen – anfangs „musizierten“, haben sie längst gegen richtige Instrumente eingetauscht. Und die beherrschen sie so gut, dass am Ende des Kurzauftritts laute „Zugabe“-Rufe ertönten. Mit ihrem Ausmarsch endete der kurzweilige Festakt und es begann das wirklich Wichtige: Feiern und Geselligkeit.

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