„female affairs“ glänzen

„Wer kennt noch Mixtapes?“

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Die „female affairs“ begeisterten mit Parodie, Witz und Esprit in der Wagenfelder Auburg.

Wagenfeld – Kennen Sie das noch: Wenn das Tonband des Lieblingstapes reißt und es mit Klebeband provisorisch geflickt solange lief, bis die Kassette völlig Schrott war? Mit einem Live-Mixtape gastierte das Sextett „female affairs“ am Samstag zum zweiten Mal in der Auburg. In „High Fidelity“-Sound, live und in Farbe, präsentierten die fünf Damen und „Pete the Beat“ (Peter Wehrmann) ihre Lieblingssongs.

„Ein Mixtape ist höchst intim, für den heimlichen Freund oder sich selbst erstellt“, eröffnete Ute Winkelmann, Gründerin von „female affairs“ den Abend. Getreu dem Samplen alter Audiokassetten präsentierte die Formation ihre ganz persönliche „Playlist“.

Die „female affairs“ entpuppten sich mit Winkelmann, Almut und Jördies Treude, Renate Schindler und Britta Dinkelbach als ein ganz schön verrückter Haufen. Letztere kam wie Pete, Weltrekordhalter im Dauerbeatboxen, 2016 dazu. Sie sang Klassik im Schulchor, Punkrock und Jazz. Was alle Mitglieder der Gruppe kennzeichnet, ist die große Leidenschaft zur Musik, zu den Mitmenschen und unverhohlen zum Publikum. Mit der Zusammenstellung ihres Mixtape outeten sie sich äußerst herzerfrischend.

Das Programm zeigte sich höchst demokratisch zusammengestellt, denn jeder der sechs Musiker hatte Wünsche für das Tape einbringen dürfen. Ballade oder Techno, Rap oder Schnulze – alles war auf dem zweistündigen „Mitschnitt“ drauf. Passend zum Frühling lieh sich Jördies Treude bei Randy Crawford ihr „Streetlife“ und macht daraus ihre persönliche „Nieszeit“, die Allergiezeit. Anschließend machte Pete kurzen Prozess: „Ich bin zwar die Beatbox, aber meinen Lieblingssong singe ich einfach mal selbst.“ – Gesagt, getan. Und schon hallte sein Favorit „One day we're gonna get so high” von der Lighthouse Family durch den Konzertsaal der Auburg.

Ihr Faible dafür, mit Mund und Stimmband ihren Songs gerne den Spiegel vorzuhalten, projizierten die Damen uneingeschränkt nach außen. Das bewies nicht nur der erste Song von Michael Jackson „Man in the mirror“. Danach wechselten sich die Künstler im Programm immer wieder ab, neben ihrer festen Besetzung im Vokalorchester, vom Bass bis zur Piccoloflöte, ihre Solostimmen zu präsentieren. Die Songs waren bekannt, die Inhalte neu „darauf“ getextet.

Almut Treude als blonde Ulknudel entblätterte ihre Fassade zum Song „Schatz, wir müssen reden“. Nicht, weil sie mehr Geld zum Shoppen aushandeln wollte, sondern weil sie endlich so akzeptiert werden wollte, wie sie war: mit Brille, ohne falsche Haare und Wimpern sowie ohne Push-up-BH. Aus ihrer privaten Leidenschaft für Bodypercussion, Stomp, Jethro Tull und U2 machte sie keinen Hehl, charakterisierte sich als unermüdliche Antreiberin der Truppe getreu dem Motto: „Nur nicht erstarren.“

Auch der Song „So lange ich Musik höre, liebe ich David Bowie“ musste unbedingt noch auf das Mixtape. Ebenso floss für Ute Winkelmann „Life on mars“ in den „Wünscherucksack“ mit ein.

Die, die keine Höhen mochte, war Renate Schindler. „Ich stehe hier mit warmem Herzen, denn ich komme aus Freistatt“, verriet sie. Alles Tiefe gefiel ihr – Keller, Baggerlöcher, Bassgesang. Ihr Rap dazu hieß „Ich sing tief“.

Berühmte und schwer a-cappella zu interpretierende Songs folgten. Die großen Lieblingslieder zum Träumen, Balladen, die im Radio nicht abgewürgt oder durch die Verkehrsmeldung unterbrochen werden, durften mit ins Gepäck – wie die Popballade „As“ von George Michael und Mary J. Blige, dem Tapewunsch von Britta.

„Grillzeit“ war der Song zum Thema „Outdoor-Kochen mit Klaus“ und besang das Genderproblem. Die Musikbasis zu dem listigen Song über Mann mit Schürze, Bier, Grillzange und viele Pausen lieferte der „Time Warp“ aus der „Rocky Horror Picture Show“.

Wernhild Koldewey bot ein vielfältiges Medley ihrer Lieblingsserienhits und Filmmusiken. Die 17 Songs ließen von „Heidi“ und „Pippi Langstrumpf“ über die „Flintstones“ bis hin zu „Bonanza“ kein Genre aus. Das Prädikat „Art of Mouth“ reichte an diesem Abend für das Sextett nicht. Ganz zum Schluss durfte sich das restlos begeisterte Publikum mit der zweiten Zugabe „Gabriellas Song“ „Wie im Himmel“ fühlen.

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