Ströhen: Dirk Wehrbein informiert zur Gesundheits- und Notfallversorgung

Zu wenige Fahrzeuge, zu hoher Numerus clausus

Dirk Wehrbein gab im Ströher Tierpark-Restaurant Informationen zur Notfallversorgung in Ströhen. Diese müsse besser werden, zusätzliche Krankenwagen sollten – gegen alle Kostenargumente – angeschafft werden. J Foto: Brauns-Bömermann

STRÖHEN - Beim Treffen des Arbeitskreises Dümmerland, dem Zusammenschluss der Ortsvereine der SPD Wagenfeld, Lemförde und Rehden, wollten die Gäste wissen, was sich in der Gesundheitsversorgung der Bürger innerhalb der letzten fünf Jahre im Landkreis entwickelt hat. Dazu gab Dirk Wehrbein, Allgemeinmediziner und Landarzt aus Wetschen, Kreistagsabgeordneter und stellvertretender Vorsitzender im Gesundheitsausschuss und Mitglied im Ausschuss für Feuerschutz und Rettungsdienst, Antworten.

Kein leichtes Thema, vielmehr sehr komplex. Gerade in Ströhen hatte es immer wieder Hilfsfristüberschreitungen in der Notarztversorgung, sprich Ankommen des Notarztwagens in einer Frist von 15 Minuten, in 95 Prozent aller Fälle gegeben.

Dazu hatte der Landkreis ein Gutachten erstellt mit dem Ergebnis: Es muss nachgebessert werden. „Die Vorgabe ist, dass ein qualifiziertes Rettungsmittel in dieser Zeit beim Notfall sein muss. Derzeit liegen wir bei 91 Prozent. Das ist eine Verbesserung der Quote von 2002 mit 82 Prozent und 2008 und 87 Prozent“, bemerkte Wehrbein. Hier sei jetzt die Politik gefordert, die Forderung von drei weiteren Fahrzeugen im Landkreis sinnvoll durchzusetzen, auch wenn alle Kostenargumente dagegen sprächen.

Ein bekanntes Problem sind die Belegungen der Fahrzeuge, die eigentlich für Notfalleinsätze lebensnotwendig sind, für oft lange Kranken- oder Überführungsfahrten. „Das kann auch ein einfacher Krankenwagen erledigen“, die einhellige Meinung des Publikums. Und einig waren sich die Gäste auch mit Dr. Klaus Ullmann, der Jahre lang in Ströhen praktiziert hatte, tags und nachts: „Der, der Not leidet, für den sind auch 15 Minuten Wartezeit noch zu viel.“

Als Vergleich: In Nordrhein-Westfalen liegt die Frist bei 12 Minuten. Das System dürfe nicht über Gebühr nur wegen etwaiger Kostenerstattung durch die Krankenkassen strapaziert werden. Wehrbein berichtete aus der Region Hunteburg, wo ein „First Responder System“ greife. „Das sind ehrenamtliche, gut weitergebildete Ersthelfer, die eine gute Arbeit leisten, bis der Arzt da ist“, das sei zwar nicht Optimum, aber ein positiver Ansatz. Auf jeden Fall wolle man sich fraktionsübergreifend im Kreistag für den Südkreis und die sogenannten „weißen Flecken“ in der Erstversorgung im Rettungswesen kümmern, versprach er.

„In der Rückschau sah es 2011 viel schlechter aus“, erinnert er sich an eine Kreistagssitzung. „Draußen Proteste, weil die letzte Geburtshilfe im Landkreis geschlossen wurde.“ Seiner Meinung nach aber nicht nur wegen wirtschaftlicher Probleme, sondern auch dem Arztmangel geschuldet.

Ab dem Zeitpunkt wurde die Gesundheitsversorgung ein ständiges Thema. In Klausurtagungen hätte man sich immer wieder mit der Rekrutierung von Ärzten, der Ausbildung und Stipendien, Infrastrukturen und möglichen Kooperationsformen beschäftigt.

Förderung des Studiums wird im Landkreis derzeit schon erfolgreich praktiziert, eine weitere Form könne ein Sponsoring einer Landarztpraxis oder die Einführung eines Modells, dass ein Basisgehalt für Ärzte fremdfinanziert vorsieht, sein, war eine weitere Idee. „Immerhin gibt es Bemühungen wie die Kampagne der Landkreise Diepholz, Verden, Nienburg: „Ärztlich Willkommen! Mitte Niedersachsen“, um Leben und Arbeiten im ländlichen Raum jungen Ärzten schmackhaft zu machen. Beim Standortfaktor „Gesundheitswesen“ seien ebenfalls die Gemeinden mit passenden Jobangeboten für die Partner gefragt. „Und die Arztpraxen können sich noch besser den Studenten als Lehrpraxen anbieten in der heutigen Verbundausbildung“, so Wehrbein.

Kritik übte der Mediziner auch am System des viel zu hohen Numerus clausus zum Medizinstudium. Der läge derzeit bei einem Notenschnitt von 1,1. „Ein Wahnsinn“, laut Wehrbein. Positiv sei dagegen die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter mit erheblich erweiterten Kompetenzen in der Notfallversorgung.

Dirk Wehrbein näherte sich als Praktiker und Politiker den komplexen Gesundheitsfragen und beleuchtete diese fair von allen Seiten: Sowohl von der menschlichen, medizinischen als auch wirtschaftlichen. Blieb für Ströhen trotzdem die Frage, ob wenigstens ein Rettungsfahrzeug in der Nähe stationiert wird, um im Ernstfall Leben zu retten. J sbb

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