Welterfahrene Musiker ohne Allüren

„The Modern Cello-Piano Duo“ spielt in Wagenfeld raffiniert, sinnlich und fulminant

Einige Plätzen blieben bei dem Konzert leer. Denjenigen, die in die Auburg gekommen waren, gefiel die Musik aber augenscheinlich.

Wagenfeld - Von Simone Brauns-Bömermann. „Wenn wir schon mal da sind, kriegt man uns so schnell nicht mehr weg.“ Dieser Satz war das, was die Besucher des Konzertes in der Auburg am Samstag hören wollten. Ein Extra an Qualität schenkte das „The Modern Cello-Piano Duo“ mit Daniel Sorour und Clemens Kröger dem viel zu kleinen Publikumskreis.

Nach offenen Mündern, aufgerissenen Augen und einem Staunen, das mindestens eine Woche anhält, meint Cellist Sorour nach der zweiten Zugabe: „Ich habe jetzt richtig Lust, noch was Schnelles zu spielen.“ Er sagt es und tut es. Da ist es 22 Uhr, zwei Stunden Spiel sind für das Duo mit Cello und Piano um, und ohne Mühe erklingt für den Nachhauseweg „Don't Stop Me Now“ von Queen.

Den Weg von der Bühne in der Auburg nach dem Konzert sparen sich die zwei Vollblutmusiker Kröger (Piano) und Sorour (Cello) einfach: „Wir haben Zugaben dabei, und bevor wir jetzt rauf- und runterlaufen, spielen wir die einfach jetzt und sofort.“

Gefühlvoll bis rasant, virtuos bis ausdrucksstark faszinierte das „The Modern Cello-Piano Duo“ sein Publikum in Wagenfeld. - Fotos: Brauns-Bömermann

Dieses offene Wesen gibt einen Einblick in den Künstler am Cello: Daniel Sorour begann im Alter von acht Jahren mit dem Violoncello-Spiel, studierte an der Hochschule für Musik in Hannover, absolvierte viele Meisterkurse. Heute ist er selbst Dozent und spielt in unterschiedlichen Ensembles. Er gastiert beim Schleswig-Holstein Musik Festival und an dem Henri-Mancini-Institut in Los Angeles, bei den Berliner Symphonikern und bei den Lübecker Philharmonikern. Er ist Mitglied in der Radiophilharmonie des NDR Hannover. Sein Instrument ist ein Violoncello von Leonardt Maussiell von 1749.

„Die zwei Musiker kamen mit dem Zug aus Nürnberg nach Wagenfeld“, erläutert Marita Kleemeyer vom Kulturkreis Auburg. Die Großstadterfahrenen wollten nach der Übernachtung in Wagenfeld „zu Fuß“ zum Bahnhof gehen, mit Cello auf dem Rücken … Das lässt der Vorstand natürlich nicht zu, auch wenn der Lohn in der Auburg, ein selbst gebackenes Früchtebrot von Elke, als Reiseproviant adäquat wäre.

„So habe ich unseren Flügel noch nie gehört“

Vielleicht ist der nächste Halt des Duos Hamburg, vielleicht die neue „Elfie“. Angemessen wäre das. Clemens Kröger kommt aus Hamburg, er begleitet das Cellospiel nicht nur, sondern trägt und ergänzt es, prescht vor und nimmt sich zurück. „So habe ich unseren Flügel noch nie gehört“, sagt Kleemeyer, die sich freut, dass der Kontakt zu den Künstlern, der schon lange bestand, endlich zum Ausdruck durch das Konzert kommt.

„So habe ich ein Cello noch nie vernommen“, lautet die Antwort aus dem Publikum nach dem ersten Set zum Volumen. Wer meint, mit Sorour schon einen internationalen Musiker vor sich zu haben, weiß noch nichts zur Vita von Clemens Kröger. Der Pianist ist als Solist, Kammermusiker, Arrangeur und Dozent beruflich orientiert. Er studierte Klavier und Gesang und liebt den Tanz.

Die Kombination der zwei Musiker lässt den Abend in Wagenfeld zum Höhepunkt für die rund 40 Gäste werden. Wer aus dem Konzerttitel „Beethoven meets Beatles“ seine Favoriten schon abgeleitet hatte, hat die Gelegenheit, die Beurteilung zu korrigieren. Klar gehören die Titelgeber zu den Außergewöhnlichen, aber zu den Stars zählt auch „Das Ballett der Elefantendame“ und die anderen tierischen Kumpel Kuckuck, Hühnerschar und „Der Schwan“ aus Camille Saint-Saens Karneval der Tiere. „Das sind unsere persönlichen Kracher, unsere zoologische Fantasie“, so Sorour.

„Variationen auf einer Saite“

Den Teufels-Cellisten gibt er jedoch mit den „Variationen auf einer Saite“ von Niccolo Paganini. Und neben seinem raffinierten, sinnlichen, rasanten und ausdrucksstarken Spiel präsentiert er Informationen zu Komponisten und Kompositionen. Zwischen die Spanier Enrique Granados (zwei Tänze) und Manuel de Falla (ein Schlaflied und ein Vorläufer des Flamencos) und der ersten Zugabe „Oblivion“ von Astor Piazzolla packen die zwei grandios die Beatles, Beethoven, Bach und Freddie Mercury, um die „Bohemian Rhapsody“ mit Bachs „Air“ im Anschluss zu kühlen. Als Stimme nutzen die Musiker ihre Instrumente latent, aber in der Saeta des Cellisten Gaspar Cassado agieren sie so expressiv wie die spontanen Gesänge der Andalusier oder so zart wie ihr Klagen.

In Summe hatte Wagenfeld zwei welterfahrene Musiker ohne Allüren zu Gast.

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