„Die Menschen sind verunsichert“

Pastoren Steinmeyer wollen mit Weihnachtsgottesdiensten in Wagenfeld Halt in einer schweren Zeit geben

Die Pastoren Edith und Michael Steinmeyer können in diesem Jahr keine großen Gottesdienste in der St. Antonius-Kirche feiern. Lediglich die Spätandacht findet dort statt.
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Die Pastoren Edith und Michael Steinmeyer können in diesem Jahr keine großen Gottesdienste in der St. Antonius-Kirche in Wagenfeld feiern. Lediglich die Spätandacht findet dort statt.

Es werden in vielerlei Hinsicht ganz besondere Gottesdienste sein an diesem Weihnachtsfest in Wagenfeld. Weniger Besucher, weniger Gesang und ein zumindest auf den ersten Blick weniger festlicher Ort. Und im Hintergrund das Coronavirus, das nach der Erfahrung der Pastoren Edith und Michael Steinmeyer bei vielen Menschen für Verunsicherung sorgt.

Wagenfeld ‒ Die vier Nachmittagsandachten werden heute in der Grundschul-Turnhalle stattfinden. Erst zum Spätgottesdienst um 22 Uhr geht es in die festlich geschmückte St. Antonius-Kirche. Einerseits sei es schade, nicht in der Kirche feiern zu können, bedauert Pastorin Edith Steinmeyer. „Irgendwie hat es aber auch seinen Reiz. Diese Gottesdienste werden ewig in Erinnerung bleiben“, ist sie überzeugt. Den Besuchern, den Schulkindern, die Weihnachtsdekoration gebastelt haben, den Akteuren der kleinen Krippenspiele und dem Kirchenvorstand, der die Turnhalle geschmückt und sich gemeinsam mit den Pastoren Edith und Michael Steinmeyer viele Gedanken über die Organisation der Gottesdienste gemacht hat.

Pastor Michael Steinmeyer: „Wir haben uns bewusst für Gottesdienste entschieden.“

Nicht in allen Kirchengemeinden wird die Geburt Christi heute gemeinsam gefeiert. „Wir haben uns bewusst für Gottesdienste entschieden“, sagt Michael Steinmeyer. „Wir halten es für verantwortbar.“ Schließlich gab es wohl kaum eine Zeit in der jüngeren Vergangenheit, in der die Weihnachtsbotschaft des Engels „Fürchtet euch nicht!“ wichtiger gewesen wäre. Die Bedeutung dieser Botschaft wird eine wesentliche Rolle in der Predigt von Edith Steinmeyer spielen, die die vier Nachmittagsandachten leitet.

Man könnte meinen, dass besondere Zeiten eine besondere Predigt erfordern. Doch ihre Vorbereitung sei gar nicht so viel anders gewesen als sonst, sagt die Pastorin. „Es geht mir in jedem Gottesdienst darum, die Probleme der Zeit und die Stimmung der Menschen aufzunehmen und im Predigttext aufzugreifen.“

Edith Steinmeyer: Viele Menschen machen sich Gedanken darüber, wie es weitergeht.“

In den vergangenen Monaten hat sie vermehrt beobachtet, dass Menschen verunsichert sind und sich Gedanken darüber machen, wie es weitergeht. „Viele merken gerade jetzt in der dunklen Zeit, dass ihre eigene Stimmung gedrückt ist. Da wieder herauszukommen, fällt schwer.“

Angst vor Ansteckung, einem Verlust des Arbeitsplatzes und generell Existenzängste bewegten derzeit viele Menschen, ergänzt Michael Steinmeyer. Jenseits der Corona-Pandemie bereiteten vielen jüngeren Menschen auch die Klimathematiken große Sorgen.

Die Weihnachtsbotschaft, dass Gott bei den Menschen sein wolle, sei für einige dieser Menschen eine große Hilfe, weiß der Pastor. „Auch das Licht spielt in dieser dunklen Zeit eine große Rolle. Es steht für die Botschaft, dass Gott Licht in die Welt bringt.“ Er wolle in seiner Predigt an Menschen erinnern, „die vor uns schon durch schwierige Zeiten gegangen sind und durch diese Botschaft gestärkt wurden“, so Michael Steinmeyer. Und auch in der Weihnachtsgeschichte gehe es ja um Menschen, die eine schwere Zeit erlebten, ergänzt seine Frau.

Dienst an Heiligabend kostet Energie, ist aber auch schön

Während die Rahmenbedingungen ungewöhnlich sind, ist die Tatsache, an Heiligabend zu arbeiten, für das Pastorenehepaar völlig normal. „Ja, es ist mehr Arbeit“, sagt Edith Steinmeyer über die vier Nachmittagsgottesdienste, die sie traditionell verantwortet, während ihr Mann die Seniorenheime besucht und den Spätgottesdienst leitet. Diese Arbeitsteilung stamme noch aus der Zeit, als ihre Kinder klein gewesen seien, erzählt Michael Steinmeyer. Er habe nachmittags immer die häuslichen Aufgaben erledigt, während seine Frau in der Kirche war.

„Es kostet Energie, aber es ist auch schön, weil viele Menschen da sind“, sagt Edith Steinmeyer. Das Geheimnis sei eine gute Vorbereitung. Dann laufe an Heiligabend alles fast von selbst.

Während für sie die Arbeit am frühen Abend getan ist, muss ihr Mann zu später Stunde noch einmal raus. Manchmal müsse er sich schon etwas „aufraffen“, wenn die Familie nach der Bescherung gemütlich zusammensitze, gibt er zu. „Wenn es dann aber so weit ist, ist es einer der schönsten Gottesdienste im Jahr.“

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