Wasser muss sauber bleiben

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Wagenfelder Bürger mussten im vergangenen Jahr oft ihr Wasser abkochen. Bakterien stellen über Monate hinweg eine Gefahr dar. 

Bakterien oder andere Verunreinigungen im Trinkwasser - eine Horror-Vorstellung für Wasserversorger, die jedoch Realität werden kann. Das beweist der Fall des mit coliformen Bakterien verunreinigten Trinkwassers in Wagenfeld-Ströhen.

Barnstorf - Von Anke Seidel. Noch ist die Ursache nicht endgültig geklärt. Dass Wasserversorger jedoch alle nur denkbaren Sicherungsmöglichkeiten ausschöpfen wollen, beweist die Resonanz auf eine Info-Veranstaltung in Barnstorf.

Vertreter von sieben Wasserversorgern aus den Landkreisen Osnabrück, Oldenburg, Diepholz, Vechta, Nienburg und Rotenburg sitzen am Tisch, um sich über technische Möglichkeiten und spezifische gesetzliche Vorgaben zum Thema Trinkwasser-Sicherheit zu informieren. Mit so einer Resonanz hat Michael Paschmeyer als Ingenieur bei Resideo Honeywell Home nicht gerechnet. Aber er weiß, dass es für das große Interesse einen Grund gibt. Den Wasserversorgern ist - ebenso wie Vertretern von Fachfirmen im Saal - der Fall aus Wagenfeld-Ströhen bekannt: Im Herbst waren bei Wasserproben im Trinkwassernetz so genannte coliforme Bakterien weit über dem Grenzwert festgestellt worden. In der Folge mussten betroffene Bürger in Wagenfeld-Ströhen ihr Trinkwasser abkochen (wir berichteten).

Spezielle Untersuchungen ergaben, dass Stärke in den betroffenen Teil des Leitungsnetzes eingetragen worden war. Warum und von wem, ist noch unklar. Genauso, ob und wer gegen die gesetzlich vorgeschriebene Absicherung eines Hausanschlusses verstoßen hat. Die in diesem Fall betroffenen Stadtwerke EVB Huntetal ermitteln noch.

Grundsätzlich verweist deren Pressesprecherin Bianca Lekon auf das geltende Recht: „Der Anschlussnehmer ist für die ordnungsgemäße Errichtung, Erweiterung, Änderung und Unterhaltung der Anlage hinter dem Hausanschluss, mit Ausnahme der Messeinrichtungen des Wasserversorgungsunternehmens, verantwortlich.“ Wesentliche Veränderungen dürfen demnach nur durch das zuständige Wasserversorgungsunternehmen oder ein eigens dafür eingetragenes Installationsunternehmen vorgenommen werden. „Der Anschlussnehmer ist verantwortlich für die Unterhaltung der Anlage“, so Bianca Lekon.

Welche Möglichkeiten bestehen grundsätzlich, für Schutz zu sorgen - und wer muss ganz besondere Schutzmaßnahmen installieren? Michael Paschmeyer verweist auf ein ganz unterschiedliches Sortiment an Sicherungsarmaturen - und vor allem auf die gesetzlich festgelegten Kategorien von Flüssigkeiten sowie den jeweiligen Absicherungsmodus. Er verhindert den Rückfluss von Wasserresten ins Netz.

Die höchsten Absicherungs-Anforderungen gelten für Flüssigkeiten der Kategorie fünf, weil sie eine erhebliche Gesundheitsgefährdung für Menschen darstellen können. Denn zu dieser Kategorie gehören Flüssigkeiten, die möglicherweise mikrobielle oder viruelle Erreger übertragbarer Krankheiten enthalten können - wie zum Beispiel Viehtränken.

Speist ein Landwirt diese Tränken nicht aus einem Brunnen, sondern über das öffentliche Trinkwassernetz, muss er per Systemtrenner für eine Absicherung sorgen - sprich dafür, dass keine Wasserreste aus den Tränken in das öffentliche Netz zurückfließen können.

Eine solche Systemtrennung, so Michael Paschmeyer, ist genauso wichtig bei einem sogenannten Versenkregner, also einer im Boden installierten Bewässerungsanlage. Denn dort sei der Eintrag von Kolibakterien nicht auszuschließen, so der Fachmann. Zu einem Risiko könnte auch eine Stiefelwaschanlage in einer Schlachterei werden, weiß der Ingenieur aus Erfahrung. Auch dort sei eine spezielle Absicherung notwendig - wie in anderen Bereichen auch. Installationsunternehmen könnten Auskunft geben.

Natürlich müsse auch im öffentlichen Bereich streng auf eine Systemtrennung geachtet werden - bei Schwimmbädern zum Beispiel. Manche Kommunen würden sie nach Kategorie vier absichern, weil das Wasser durch die Chlorzugabe chemisch verändert wird. Andere Träger wiederum würden vorsichtshalber eine Absicherung nach Kategorie fünf vornehmen.

Der Grund: Falls ein menschliches Missgeschick in diesem Fall nicht in die Hose, sondern ins Schwimmbadwasser gehen würde, könnte genau das schlimmstenfalls mit mikrobiellen oder viruellen Erregern verunreinigt werden.

Flüssigkeit ist nicht gleich Flüssigkeit 

1: Wasser für den menschlichen Gebrauch, das direkt aus einer Trinkwasser-Installation entnommen wird.

2: Wasser, das in Geruch, Geschmack, Temperatur oder Farbe verändert ist. In diese Kategorie gehören Kaffee, Tee, Saft und Bier.

3: Flüssigkeiten, die eine „leichte Gesundheitsgefährdung“ des Menschen durch bestimmte Fremdstoffe auslösen können – wie zum Beispiel Spülmittel im Wasser oder Badewasser mit Zusatz.

4: In diese Kategorie fallen Flüssigkeiten, die durch „giftige, radioaktive, mutagene oder kanzerogene Substanzen schwere Gesundheitsgefährdungen für den Menschen bedeuten können“ – beispielsweise Desinfektionsmittel oder Zusätze in Hochdruckreinigern.

5: Flüssigkeiten, die durch mikrobielle oder viruelle Erreger übertragbarer Krankheiten eine „erhebliche Gesundheitsgefährdung für den Menschen darstellen können“.

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