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Wagenfeld und Ströhen rücken in Kirchenangelenheiten noch enger zusammen

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Von: Melanie Russ

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Wenn das Pastorenehepaar Edith und Michael Steinmeyer voraussichtlich im Herbst 2027 in den Ruhestand geht, fallen 0,75 der 2,25 Pfarrstellen in den Kirchengemeinden Wagenfeld und Ströhen weg. Archi
Wenn das Pastorenehepaar Edith und Michael Steinmeyer voraussichtlich im Herbst 2027 in den Ruhestand geht, fallen 0,75 der 2,25 Pfarrstellen in den Kirchengemeinden Wagenfeld und Ströhen weg. Archi © Russ

Die Kirchen in Niedersachsen müssen sparen - das trifft auch die Kirchengemeinden Wagenfeld und Ströhen. Sie bereiten sich auf eine 2027 anstehende Pfarrstellenkürzung vor.

Wagenfeld/Ströhen – Die Zahl der Gemeindeglieder sinkt, die Steuereinnahmen auch: Die Landeskirche Hannovers muss sparen und damit auch ihre Kirchengemeinden. Konsequenz: Wagenfeld und Ströhen werden 0,75 ihrer 2,25 Pfarrstellen verlieren – allerdings erst, wenn das Pastorenehepaar Edith und Michael Steinmeyer voraussichtlich im Herbst 2027 in den Ruhestand geht. Die beiden Kirchengemeinden, die ohnehin schon zusammenarbeiten, bereiten sich unterdessen darauf vor, noch enger zusammenzurücken, die Verwaltung zu straffen und Ehrenamtliche noch stärker einzubinden.

„Wir haben seit Beginn dieses Jahres einen gemeinsamen Gottesdienstplan“, berichtet Pastor Michael Steinmeyer. Um 9.30 Uhr beginnt der Sonntagsgottesdienst in der einen Kirche, um 11 Uhr in der anderen. So sei es möglich, dass er oder seine Frau jeweils beide Gottesdienste leiten könne. Denn die Pfarrstelle in Ströhen ist seit dem Weggang von Kerstin Wackerbarth im April 2021 unbesetzt. Anfang Juni wird erstmals ein gemeinsamer Gemeindebrief erscheinen.

Wer spart wie viel in der „Region Mitte“ des Kirchenkreises?

Anfang 2021 hat die Landeskirche Hannovers ihren Kirchenkreisen mitgeteilt, wie viel Personalausgaben sie bis 2028 einsparen müssen. Im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz sollen sie um 2,75 Pfarrstellen schrumpfen. 0,75 Stellen muss die „Region Mitte“ beitragen, zu der die Kirchengemeinden Lemförde, Brockum, Burlage, Barver, Rehden-Hemsloh, Wetschen, Ströhen und Wagenfeld gehören. „Wie die anderen beiden Regionen haben wir vom Kirchenkreis die Aufgabe bekommen, Vorschläge zu erarbeiten, wo die nötigen Einsparungen erbracht werden sollen“, erläutert Pastor Michael Steinmeyer. Die Kirchenvorstände hätten mehrheitlich entschieden, sogar 1,25 Pfarrstellen einzusparen und sich im Gegenzug einen Regionaldiakon für die Jugendarbeit zu „gönnen“. Die Kürzung um 0,75 Stellen in Ströhen und Wagenfeld wird mit dem Ruhestand des Ehepaars Steinmeyer 2027 wirksam, die halbe Stelle in Wetschen fällt mit dem Ruhestand von Pastorin Elke Haarnagel 2026 weg. Die Kirchengemeinden am Dümmer behalten ihre zwei Pfarrstellen, „denn zum einen haben sie in früheren Kürzungsrunden einen größeren Beitrag erbracht als wir, zum anderen ,opfert‘ Lemförde einen Teil seiner bisherigen Diakonenstelle für den Regionaldiakon“, so Steinmeyer.

Im Hintergrund arbeiten die beiden Kirchenvorstände unterdessen an einer neuen Satzung. Das Ziel: eine Gesamtkirchengemeinde werden. Pastor Steinmeyer betont, dass damit keine Fusion verbunden ist. „Beide Kirchengemeinden bleiben erhalten.“ Aber sie führen beispielsweise einen gemeinsamen Haushalt und haben nur einen Kirchenvorstand. „Wir hoffen, dass wir im Laufe von 2023 alles in trockenen Tüchern haben.“ Das letzte Wort haben die beiden Vorstände. Stimmen sie zu, würde 2024 erstmals ein gemeinsamer Vorstand mit Vertretern aus Wagenfeld und Ströhen gewählt.

Die beiden Kirchengemeinden geben aber nicht nur ab, sie bekommen auch etwas: einen Anteil an einer neuen Regionaldiakonstelle. Der Diakon wird unter anderem einen Teil des Konfirmandenunterrichts und die Jugendarbeit übernehmen.

Mit ihrem neuen Konzept wollen die beiden Kirchengemeinden nicht nur die Vorgaben der Landeskirche erfüllen. Denn die Einsparungen sind die eine Herausforderung, die Besetzung der verbliebenen Stellen eine andere. „Es entwickelt sich sehr massiv dahin, dass man Stellen nicht wird besetzen können“, weiß Steinmeyer.

Die Kirchengemeinde Ströhen spürt das gerade. Die unbesetzte Pfarrstelle ist seit Anfang März ausgeschrieben, seit dem 1. Mai sogar deutschlandweit. Bewerber gibt es laut Superintendent Marten Lensch bislang nicht. Das Schicksal teilt sie übrigens mit der Kirchengemeinde Lemförde, deren Pfarrstelle seit dem Weggang von Pastor Eckhart Schätzel im vergangenen Oktober ebenfalls vakant ist.

Ziel der Kirchengemeinden Wagenfeld und Ströhen ist es darum, sich auch hinsichtlich möglicher Bewerber so attraktiv zu machen, „dass sie hier etwas sehen, was für sie interessant ist. Da spielt auch die Anzahl der Gremien, in denen sie Mitglied sein müssen, eine Rolle“, weiß Pastor Steinmeyer. Ein gemeinsamer Vorstand für zwei Gemeinden wäre also schon mal ein Pluspunkt.

Ein weiterer sind viele engagierte Ehrenamtliche. Denn: „An vielen Stellen werden Ehrenamtliche künftig stärker gefordert sein – gerade was Leitungsfunktionen betrifft“, so Steinmeyer. Um für sie attraktiv zu sein, sei es wichtig, die Strukturen so einfach wie möglich zu halten. Zuversichtlich, dass sich weiterhin genügend Engagierte finden, stimmt ihn die Tatsache, dass wieder mehr Menschen aller Altersgruppen als Lektoren tätig sind. „Ich könnte mir vorstellen, dass das einen Pull-Effekt hat“, hofft er, dass weitere Gemeindeglieder motiviert werden, sich zu engagieren.

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