Nachhaltigkeit kann richtig Spaß machen

Wagenfeld: Reiterin Emily Thümmel treibt Initiative „Riders For Future“ voran

Ein Foto mit Pferd und Blatt eines Baumes vor dem Mund soll zum Symbol für das Wiederaufforstungsprojekt „Riders For Future start planting“ werden.
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Ein Foto mit Pferd und Blatt eines Baumes vor dem Mund soll zum Symbol für das Wiederaufforstungsprojekt „Riders For Future start planting“ werden.

Insgesamt sei der Reitsport nur wenig nachhaltig, sagt Emily Thümmel. Sie ist Gründerin der Initiative „Riders For Future“.

  • „Reitsport ist wenig nachhaltig“
  • Potenzial für Verbesserungen
  • Mitmachen kann jeder

Wagenfeld – Emily Thümmels Herz schlägt für ihre Ponys und den Reitsport. Die 15-Jährige ist außerdem eine große Naturliebhaberin. Die Wagenfelderin hat allerdings festgestellt, dass der ökologische Hufabdruck eines Pferdes und seines Reiters ziemlich groß ist. Um das zu ändern, hat die erfolgreiche Ponyspringreiterin vor rund anderthalb Jahren die Initiative „Riders For Future“ ins Leben gerufen. Jetzt hat die Initiative einen weiteren Baustein bekommen.

Zu „Riders For Future“ hat sich die Jugendliche von Greta Thunberg („Fridays for Future“) inspirieren lassen. Ausschlaggebend war ein Bericht im Radio. „Uns ist zum Beispiel aufgefallen, wie viel Plastik im Stall im Einsatz ist“, verdeutlicht Emily Thümmel. Insgesamt habe sie bemerkt, dass der Reitsport, vor allem der Turniersport, wenig nachhaltig sei.

Weniger Konsum, weniger Abfall

Bei den Themen „weniger Konsum, weniger Plastik, weniger Abfall“ scheine es jedoch in erster Linie oft um Verzicht zu gehen. Dabei könne Nachhaltigkeit auch richtig Spaß machen. „Bewusster zu leben ist nicht kompliziert“, unterstreicht die Tier- und Naturliebhaberin. „Jeder kann etwas umsetzen“, betont die Ponyspringreiterin und geht mit gutem Beispiel voran.

Auf ihrem Hof in Wagenfeld hat die Familie Fledermauskästen und Insektenhotels aufgehängt. Brennnesseln locken Schmetterlinge an und dienen getrocknet als Zusatzfutter für die Ponys. „Wir haben Hecken gepflanzt und am Reitplatz einen kleinen Wall angelegt, damit der Wind den Reitplatzboden nicht verweht.“ Emily Thümmels Putzkästen sind aus Holz statt aus Plastik. Mähnen- oder Fliegenspray rührt sie selbst an: „Da weiß ich wenigstens, was drin ist.“

Vom umweltfreundlichen Putzkasten bis hin zum selbst angerührtes Lederfett, das sich gut an andere Pferdefreunde verschenken lässt, hat Emily Thümmel vieles bedacht, was zum Umwelt- und Klimaschutz in der Reiterwelt beiträgt.

Potenzial für Verbesserungen biete sich in vielen Kleinigkeiten, findet die Schülerin. Angefangen von Reparieren statt Wegwerfen über Fahrgemeinschaften zu Turnieren bis hin zu groß gedachten Projekten wie die Begrünung von Stalldächern.

Aus der Idee für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit, die spontan im Pferdestall entstand, ist inzwischen eine Plattform geworden mit eigener Internetseite und Auftritten in den sozialen Netzwerken. Gesammelt, ausgetauscht und weiterentwickelt werden Alltagstipps für unterschiedlichste Bereiche. Mitmachen kann jeder.

Über 10.000 Unterstützer

Über 10 000 Unterstützer haben Emily Thümmel und ihr Team zum Jahresende erreicht. Bekannte Pferdesportler, Unternehmen und Verbände unterstützen „Riders For Future“. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) und das FN-Juniorteam würdigen den Einsatz ausdrücklich. Etliche Fachzeitschriften und das Fernsehen haben berichtet.

Wahrgemacht hat Emily Thümmel inzwischen ihr Versprechen, für jeden einhundertsten Abonnenten auf ihrem Instagram-Profil einen Baum zu spenden. 188 Bäume hat sie bei Plant-for-the-Planet pflanzen lassen. Das soll nun ausgeweitet werden. Darum hat die Jugendliche im Januar mit der bekannten Umweltorganisation ein gemeinsames Aufforstungsprojekt im Pferdesport gestartet.

Naturverbundene Sportart

„Der Reitsport ist einer der naturverbundensten Sportarten und doch sind wir viel mit dem Auto oder Lkw unterwegs. Zum Training, zum weiter entfernten Stall oder zu Turnieren. Dabei entsteht viel CO2“, verdeutlicht die 15-Jährige. Um das schädliche CO2 in der Atmosphäre zu binden, kommt Wäldern und Bäumen eine besondere Bedeutung zu. Sie sind in der Lage, große Mengen an CO2 auf lange Sicht zu speichern.

Wiederaufforstungsprojekte sind nicht unumstritten, und auch gibt es Kritik an den Organisationen. Damit haben sich Emily Thümmel und ihr Team im Vorfeld auseinandergesetzt. Trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen halten sie die Baumpflanzinitiativen für eine gute Sache.

„Wollen zeigen, was möglich ist“

„Bei ‚Riders For Future start planting‘ kann aus über 100 verschiedenen Wiederaufforstungsprojekten in unterschiedlichen Ländern ausgewählt werden“, erläutert Emily Thümmel. Alle seien von der Organisation Plant-for-the Planet verifiziert und würden regelmäßig auf gute Arbeit überprüft. Alle gesammelten Spenden würden in vollem Umfang an die Aufforstungsprojekte weitergeleitet.

Mitmachen könne jeder, zum Beispiel durch direkte Baumspenden oder allein durch Werbung für die Aktion. Vereine und Veranstalter hätten die Möglichkeit, „Baum statt Preisschleife“ anzubieten. Wer möchte, kann dabei seine gewonnenen Preisschleifen nach der Siegerehrung in der Meldestelle zurückgeben. Den durch die Wiederverwendung eingesparten Betrag spendet der Verein. Grundsätzlich sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

„Wir als Pferdesportgemeinschaft wollen zeigen, was zusammen möglich ist“, betont Emily Thümmel.

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