Stadtführung mit dem Duo „Pariser Flair“

„Paris ist Geruch, Geräusch, Farbe“

Marie Giroux (r.) schlüpft in die Rolle des unvergessenen Charles Aznavour. Foto: brauns-bömermann
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Marie Giroux (r.) schlüpft in die Rolle des unvergessenen Charles Aznavour. Foto:

Wagenfeld - Von Simone Brauns-b–mermann. „Paris, die Stadt der Liebe“, sagen die Deutschen. Die Franzosen beschwören sie als „Stadt des Lichts“. Frankreichs Hauptstadt ist ein Mythos. Eine Stadtführung, die in keinem Reiseführer steht, erlebte das Publikum am Samstag in der Auburg in Wagenfeld mit den charmanten Musikerinnen Marie Giroux (Gesang) und Jenny Schäuffelen (Piano, Akkordeon) vom Duo „Pariser Flair“. „Das ist unser erstes Geschenk zum 20. Geburtstag des Kulturkreises Auburg“, sagte Vorsitzende Marita Kleemeyer.

Natürlich führte kein Weg vorbei an Eiffelturm und Notre Dame, Sacré Coeur und Montmartre. Das Programm der Norddeutschen Jenny Schäuffelen und Wahlpariserin Marie Giroux wurde dual: Und dual ist in. Mal Fakten (von Schäuffelen aus verschiedenen Reiseführern) mal Intuition von Giroux, ganz aus der Bauchgegend: „Paris ist Geruch, Geräusch, Farbe. Es ist der Diamant der Diamanten.“ Schäuffelen erklärte derweil mit Edding am Flipchart die 20 Arrondissements, dass Paris drei Flughäfen und sechs Kopfbahnhöfe hat, 160 Museen, 200 Kunstgalerien, mehr als 100 Theater und 10.000 Restaurants. Aber Schäuffelen spielte nur die Rolle der coolen Norddeutschen, tatsächlich ist sie genau wie ihre Kollegin infiziert vom Charme der Stadt und spielte wunderbar am Akkordeon die Songs der „Grand Dame“ de Paris: Edith Piaf.

Den Einstieg machten die zwei Damen in Coco-Chanel-Outfit, figurbetont und mit Bleistiftgürtel, Netzstrümpfen an High-Heels mit „Sous le ciel de Paris“ (unter dem Himmel von Paris). Ab da ging es weiter zu diversen Plätzen der Stadt, die der klaren Struktur der Neuplanung von Georges-Eugène Haussmann im 19. Jahrhundert folgt. Zu „Eglises et Monuments“ (Kirchen und Denkmäler), „Cuisine“ (Küche), „Couture“ (Mode) und „Culture“ (Kultur). „Steigen Sie ein und lassen Sie sich entführen, ich bin Ihre Reiseführerin“ stellte sich Giroux vor.

Der Miniatur-Eiffelturm stand auf dem Flügel, Rotwein und typischer Charles Aznavour-Hut waren parat. Doch erst musste Giroux, die Wirtschaftswissenschaften in Paris und Operngesang in Berlin studierte, ihre persönliche Hommage an Paris „I love Paris“ von Cole Porter loswerden. Paris ist die Wiege des französischen Chansons, die Stadt an der Seine, die Stadt der Cartiers, aber auch die Stadt, die man nicht von oben filmen darf ohne Sondergenehmigung und die Stadt des Anschlags auf den Club Bataclan im Jahr 2015. Letzterer allerdings nicht Thema der musikalischen Reiseführung. Zurück zur Liebe: Die, die durch den Magen geht, dazu hatten die zwei Künstlerinnen zahlreiche Tipps wie ein gutes Navigationssystem parat, Shopping-Tipps, mal exorbitant teuer, mal kultig, Kultur- bis Sextempel-Tipps.

„Im Restaurant Le Voltaire hat man mittags Ex-Premierminister Jacques Chirac angetroffen“, wusste Giroux, das Cabaret „L´Ecluse“ ist Kult und Muss, und die Eisdiele „Berthillon“ gleich hinter „Notre Dame“ sei brillant. Für das Ratespiel bekannter Franzosen erhielt das Wagenfelder Publikum mit gutem Willen eine Zwei, minus. Es hatte Voltaire, Marie Curie, Victor Hugo und Jean Jacques Rousseau erkannt.

Die musikalische Stadtführung deklinierte den Begriff „Liebe“: „Im Französischen kennt man den Begriff Liebe so nicht, es ist mehr ein fließender Zustand des Verliebtseins“, so die Künstlerinnen. „Die Liebe ist eine Gemütskrankheit, die oft durch die Ehe geheilt werden kann“, damit zitierte Giroux den Dramatiker Sacha Guitry. Aus seiner Feder sang sie das bitterböse Lied „J´ai deux amants“. Dass Edith Piaf vielleicht eine rosa-rote Brille trug, demonstrierte Schäuffelen. Allerdings fußt die große Melancholie ihres Werkes auf vielen Schicksalsschlägen der bejubelten Chansonnette. „La vie en rose“ und ihre Ballade „Padam, Padam“ spiegelten das Schicksal. „Piaf sagte einmal: Das Schicksal hatte immer das Instrument, mein Glück in den Dreck zu ziehen“, zitierte Giroux und sang ihr zur Ehre. Auch einen betrunkenen Charles Aznavour mimte sie mit „Du lässt Dich gehen“. Damit das nicht passiere, gab es für die Frauen Einkaufstipps: „Zadiq et Voltaire“ und „Les Galeries Lafayette“, Schuhe der Stars bei „Christian Louboutin“.

Den Pariser Tango traute sich das Publikum nicht, aber zu Piafs „Mon manège à moi“ fand sich Rainer Striek aus Hüde für einen Tanz bereit. „Den Song gönne ich Jacques Brel, er hat sich oft die Finger verbrannt“, so Giroux und interpretierte grandios im Anschluss „Ne me quitte pas“.

Vielleicht gibt es eine Fortsetzung des außergewöhnlichen Stadtrundgangs: Zu der „Promenade plantée“, ein aufgelassener Bahndamm für Spaziergänger oder dem Kanal „St. Martin“, wo man herrlich entspannt Paris vom Boot aus entdeckt, oder, oder, oder. Die Stadt hat tausend Gesichter, bei Tag, bei Nacht, verliebt oder zum Verlieben bereit.

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