Mutig im Prozess des Tuns lernen

Janina Tiedemann macht Landfrauen Mut zum schnellen Handeln

Janina Tiedemann war sich in Wagenfeld sicher: Nora wird die nächste Arche bauen.
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Janina Tiedemann war sich in Wagenfeld sicher: Nora wird die nächste Arche bauen.

Wagenfeld – „Wir sind viele. Mehr als die CDU Mitglieder hat.“ Diese Zahl hatte die Vorsitzende des Landfrauenvereins Diepholz, Ulrike Meyer, für ihre Begrüßung der rund 140 Landfrauen parat. Sie zählte das dreizehnte Frauenfrühstück in Wagenfeld und hatte sich Gedanken zum Verein gemacht. „Was sind wir? Wie sehen wir uns und wie werden wir gesehen?“ Fragestellungen, zu denen auch das Thema der eingeladenen Referentin Janina Tiedemann, Trainerin aus Hannover, passte.

Für Meyer waren die Antworten: „Landfrauen sind eine Gemeinschaft von Frauen jeden Alters, mit vielfältigen Interessen aus allen Berufsgruppen. Uns ist auch egal, welche Religion die Frau hat.“ Die organisierten Frauen netzwerkten und mit 500 000 Landfrauen auf Bundesebene seien sie mehr, als die CDU Mitglieder hätte. „Und wir sind überparteilich.“

Der Landfrauenverein Diepholz hat die 500er-Marke geknackt und kann sie halten, darauf war Ulrike Meyer stolz. Das, was Referentin Tiedemann später ansprach, nahm Meyer bereits vorweg: Das Rezept der Schlagkraft der Frauen. „Vor Ort sind wir so gut wie die aktiven Frauen, die unser neues Programm mitgestaltet haben. Jede von uns hat Vorlieben.“

Das konnte als Stichwort für den dem Frühstück folgenden Vortrag „Warum nicht Nora, sondern Noah die Arche baute“ gewertet werden. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin Janina Tiedemann aus dem Landkreis Cuxhaven, die vier Jahre Landesvorsitzende der Landjugend im Landesverband Niedersachsen war und heute selbstständige Trainerin ist, sagt von sich: „Ich coache seit vier Jahren im Landfrauen-Landesverband Frauen für Führung.“ Reden vor Publikum habe sie bereits seit Kindesbeinen begeistert, erläutert sie vor dem Vortrag. Frauen die Spielregeln in der Führungsebene zu erklären, dafür sei sie angetreten. „Denn nur wer ein Spiel versteht, kann erfolgreich mitspielen.“ Aber auch Coaching habe ganz bestimmte Spielregeln und die kenne sie.

Herzlicher Applaus für die Referentin. Sie fand bei ihrem Vortrag vor den Landfrauen in Wagenfeld aufmerksame Zuhörerinnen vor. 

In Wagenfeld heißt der Start: „Stellen Sie sich einmal vor, Gott ruft Sie an und will, dass Sie die Arche bauen.“ Sie unterstellt der weiblichen Spezies, dass die meisten erst einmal nach dem Warum fragen würden, bevor sie anfingen. Dann kämen schnell die Selbstzweifel auf, ob ihre handwerklichen Fähigkeiten für den Großauftrag ausreichten.

„Wir müssen uns mehr zutrauen und die eigene Messlatte nicht so hochlegen.“ Diese These untermauerte die Trainerin: „Design-Thinking“ sei das Rezept der Stunde. Bedeute: Schnell ins Handeln kommen und nicht so lange herumfeilen, bis andere die gute Idee umgesetzt hätten. „Wir müssen nicht in allem tausendprozentig sein, sondern mutig im Prozess des Tuns zu lernen. Hinfallen und wieder aufstehen, wie Kinder.“ Nach ihrer Erfahrung sei gerade die Schule der Ort, „an dem man uns sagt, was wir alles nicht können.“ Man könne alles erlernen, hätte aber auch individuelle Talente. Statt Fehler picken, sollten sich die Frauen angewöhnen, ihre Stärken zu stärken. „Wir dürfen ruhig sagen: Das kann ich noch nicht.“ In „noch“ stecke die Bereitschaft zu lernen.

„Wie finde ich nun aber heraus, dass ich gut bin?“, die Frage ins Publikum. Tiedemanns Antwort: „Den Punkt gibt es nicht, außer sie sagen es sich selbst.“ Frauen fühlten sich viel zu oft noch in der Opferrolle und würden das nach außen demonstrieren. „Dann kann es sein, dass sie wie Opfer behandelt werden.“

Einen weiteren Tipp hielt sie parat: „Tappen Sie nicht in die Falle des ,Confirmation Bias’.“ Gemeint war damit das aus der Psychologie zu den Wahrnehmungsfehlern gezählte Verhaltensmuster, das Menschen dazu neigen lässt, ihre eigenen Annahmen zu bestätigen. Tiedemann war sich ganz sicher am Ende des Vortrags: „Nora wird die nächste Arche bauen, wenn sie es schafft, an sich zu glauben, und ihre Ansprüche zurückschraubt.“

Auf die Frage, wie sie sich ihr zielorientiertes Leben mit späterer Familie vorstelle, im Hinblick auf notwendige zwischenmenschliche Konzessionen, antwortete die taffe Karrierefrau mit Humor: „Das sehe ich ganz relaxt.“

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