31 Rudel in Deutschland und Westpolen

Experte: Konfliktarmes Zusammenleben mit Wölfen ist möglich

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Frank Faß ist Experte, wenn es um das Verhalten des Wolfes geht. In Dörverden betreibt er das Wolfcenter – und im Europäischen Fachzentrum Moor und Klima in Ströhen informierte er ein großes interessiertes Publikum.

Ströhen - Von Gerhard Scheland. Schon die Länge des Vortrags machte die Themen-Komplexität deutlich: Mehr als zwei Stunden referierte Frank Faß vom Wolfcenter Dörverden im großen Seminarraum des Europäischen Fachzentrums Moor und Klima (EFMK) in Ströhen über das Thema „Der Wolf ist da! Was nun?“

Ausgesprochen informativ und fachkundig, anschaulich und verständlich, von Anfang bis Ende spannend, gewürzt mit eigenen Einschätzungen, gestützt auf statistische Zahlen, einschlägige Fachliteratur und aktuelle Untersuchungsergebnisse. Und zum Schluss gab es immer noch Informationsbedarf: Nach seinem Vortrag beantworte der Wolf-Experte noch zahlreiche Fragen.

Das enorm große Publikum setzte sich aus unterschiedlichen Interessengruppen zusammen. „Moorwelten“-Leiter Reiner Kowarik hieß eingangs Jäger, Natur- und Tierschützer, Schäfer, Mutterkuhhalter, Förster, Hundebesitzer sowie weitere an der Thematik interessierte Zuhörer willkommen.

Er stimmte die Besucher „märchenhaft“ auf den Vortrag ein. Schon in den Geschichten seiner Kindheit habe dem Wolf immer etwas Böses angehaftet, erinnerte er sich. „Aber ist er wirklich so böse, oder glauben wir das nur, ist er wirklich so gefährlich, wie er beschrieben wird?“, spielte er Frank Faß den Ball zu. Und der lieferte auf die Fragen präzise Antworten.

"Möglichst konfliktarm" mit dem Wolf leben

Nicht der Wolf an sich, sondern das Zusammenleben mit dem Großraubtier sei das Problem, schickte der Redner seinem Fachvortrag voraus. „Konfliktfrei werden wir das Miteinander kaum hinbekommen, deswegen müssen wir versuchen, möglichst konfliktarm mit der Situation umzugehen.“

Faß erinnerte daran, dass das erste Wolfspaar auf dem Weg nach Deutschland in den 1990er Jahren aus dem Osten kommend in Westpolen registriert worden sei. „Wenn einer Wölfin ein Habitat gefällt, dann lässt sie sich dort nieder“, erläuterte Faß. Irgendwann komme ein Rüde dazu, der sich mit der Fähe paare, „und dann dauert es noch gut 60 Tage, bis die ersten vier bis sechs Welpen geboren werden“.

Im Frühling des darauffolgenden Jahres komme der nächste Wurf, und damit sei aus dem Wolfspaar bereits ein Rudel geworden, das als Lebensraum ein 200 bis 300 Quadratkilometer großes Territorium benötige.

31 Rudel in Deutschland und Westpolen

Zur Zentraleuropäischen Flachlandpopulation sagte Fass, dass derzeit jeweils 31 Rudel in Deutschland und Westpolen vorkämen. Bei den in dieser Region lebenden Rudeln sieht er in drei Bereichen Konfliktpotenzial: Menschen und Hunde, das Jagdwesen und landwirtschaftliche Nutztierhalter. Ein strenger rechtlicher Rahmen gewähre dem Raubtier höchstmöglichen Schutz, betonte Faß, nur gefährliche Wölfe und Beutespezialisten dürften der freien Wildbahn entnommen, sprich: abgeschossen werden.

Nach einem von der EU geforderten Management-System seien derzeit 1.000 geschlechtsreife Wölfe für einen günstigen Erhaltungszustand erforderlich, erläuterte der Experte, gab dabei aber zu bedenken, „dass der strenge Schutz nicht über Jahrzehnte aufrecht erhalten werden kann“.

Ausführlich ging Faß auch auf Maßnahmen für den Herdenschutz und Entschädigungsrichtlinien ein, „weil die Nutztierübergriffe zunehmen“. Allein 2015 habe der Wolf auf der Suche nach Beute fast 200 Schafe und Ziegen gerissen. Auch in der Region – von der Goldenstedter Wölfin. Bei ihr würden die geforderten Herdenschutzmaßnahmen nicht ausreichen, weil sie 1,20 Meter hohe Zäune mit Leichtigkeit überspringe. Von den in den zurückliegenden 15 Monaten registrierten 61 Nutztierübergriffen hätten 37 zweifelsfrei einem Wolf, elf davon der Goldenstedter Wölfin, zugeordnet werden können.

In Vergrämungsmaßnahmen sieht Wolfs-Experte Frank Faß ebenso wenig Sinn wie in dem Plan, die Wölfin zu fangen: „Ich plädiere dafür, das Einzeltier der freien Wildbahn zu entnehmen und durch autorisierte Personen zu erschießen.“

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