Ungewöhnliche Einladungsaktion zur Feier von Ann-Christin Kaufmann-Grote und Julian-James Mandviwala

Hochzeitsbitter sorgen in England für Furore

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Nach ihrer Ankunft in Mnchester vor ihrer Einladungstour: Marcel Uffenbrink, Malte Sander und André Schwettmann (v.l.).

Wagenfeld - Von Horst Benker. Dass eine Frau und ein Mann, die sich lieben, heiraten, kommt täglich vor. Dass sie die Gäste zu ihrem Ehrentag durch Hochzeitsbitter einladen, ist nicht überall üblich, hat aber in der heimischen Region durchaus Tradition. Dass sie aber ihre Einlader nach England schicken, ist schon außergewöhnlich. So geschehen in Wagenfeld.

Ann-Christin Kaufmann-Grote (24) und Julian-James Mandviwala (27) werden am 21. November vor den Standesbeamten treten, um sich das Ja-Wort zu geben. „Unser neunter Jahrestag“, verweist der Bräutigam auf den Tag, an dem sie sich seinerzeit kennengelernt hatten.

Die Vorbereitungen für das Fest sind angelaufen. 210 Gäste werden laut Ann-Christin erwartet und sollen in der Kaiserhalle in Wagenfeld mitfeiern.

Da für Julian-James das Einladen durch Hochzeitsbitter „einfach eine geile Tradition“ ist, wurde zwischen ihm und seinem Freund Malte Sander in bierseeliger Runde die Idee geboren, seine Verwandten in England ebenfalls auf diesem Wege einzuladen.

Gesagt getan. Mandviwala setzte seine Kumpels André Schwettmann, Malte Sander und Marcel Uffenbrink auf seine Kosten kurzerhand in Hamburg in den Flieger nach Manchester. Hier wurden sie von einem Bekannten des Onkels abgeholt. Schon während des Fluges hatten sie in ihrer schwarzen Kleidung mit weißem Oberhemd und geschmückten Zylindern für Aufsehen gesorgt. Dieses steigerte sich noch, als sie mit ihren geschmückten Fahrrädern durch Manchester, London und Milton Keynes steuerten, um zu den Verwandten des Bräutigams zu gelangen.

„So etwas kannten die Leute nicht, es wurde gehupt und gewunken, es war auch nicht ganz ungefährlich“, erinnert sich André Schwettmann mit Verweis auf den Linksverkehr. Aber es ging alles gut. Zudem fanden die drei soviel Aufmerksamkeit, dass ihnen die Dunstable Today, eine Ausgabe der Herold Post, einen Artikel widmete.

Beeindruckt sind die drei noch heute von der Gastfreundschaft der Engländer. „Wir sind mit offenen Armen empfangen und aufgenommen worden, obwohl wir für sie total fremde Leute waren“, berichtet Marcel Uffenbrink. Die Gastfreundschaft habe sich auch in viel Bier und anderen alkoholischen Getränken niedergeschlagen. „Aber nicht nur da, sondern auch bei den Frühstücken nach ,heftigen‘ Vorabenden in Pubs“, schmunzelt Malte Sander. Er saß übrigens das erste Mal in einem Flugzeug.

Bei der Überbringung der Einladung führten die Hochzeitsbitter einen geschmückten Gehstock mit. Und obwohl die Verwandten den Brauch nicht kannten, hatten sie entweder ein „Flachgeschenk“ – wie man hier sagt – dabei, oder banden Geld in einem Taschentuch oder einer Socke an den Stock. Insgesamt „sackten“ sie so 159 Euro ein.

„Wir wollen meine Verwandten aus England, die ich zum Teil seit Jahren nicht gesehen habe, unbedingt bei der Hochzeit dabei haben“, sagt der indischstämmige Mandviwala. Mit dieser Art der Einladung habe er ihnen gegenüber auch seine Wertschätzung zum Ausdruck bringen wollen. „Es kommen nahezu alle zu unserer Hochzeit, einige schon eine Woche vorher“, freut sich der Versicherungsfachmann.

Der Coup mit den drei Englandfahrern sei inzwischen Gesprächsthema in Wagenfeld, freut sich der 27-Jährige. Die Touren für die Hochzeitsbitter in der Heimat stehen allerdings noch an. Vier Teams zu je drei Personen werden in den kommenden Wochen unterwegs sein, um die weiteren Einladungen auszusprechen. Wer sich in der „Szene“ auskennt, weiß: das wird hart.

Übrigens: Spektakulär gestaltete sich auch bereits Mandviwalas Heiratsantrag an seine Angebetete. Der Versicherungsfachmann flog mit ihr nach Venedig, mietete am „achten Jahrestag“ eine Gondel nur für sie beide. Über eine Brücke ließ er vorher ein Transparent spannen. „Als wir um die Ecke kamen“, wie er es heute ausdrückt, las sie in großen Buchstaben: „Tini, ich liebe Dich über alles. Willst Du mich heiraten? In Liebe Dein Julian-James.“

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