Umweltpolitischer Sprecher der CDU lehnt Fracking aber nicht kategorisch ab

Bäumer fordert Sicherheit

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Saßen sich zum Gespräch in den Moorwelten gegenüber: Axel Knoerig, Martin Bäumer, Stephan Kawemeyer, Karsten Heineking) und Thorben Gruhl, Corinna Sievers und Wibke Langhorst. (von links).

Ströhen - Die Bundesregierung tritt ordentlich aufs Tempo zur Verabschiedung des Fracking-Gesetzentwurfes mit dem Argument, Fracking endlich rechtssicher zu machen. Das Aktionsbündnis „No Moor Fracking“ nutzte am Mittwoch die Chance des Austausches mit dem Umweltpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Martin Bäumer in den „Moorwelten“ in Ströhen.

Dieser war auf Einladung des Außenministeriums der USA auf Informationsreise in Sachen Fracking gewesen. Was bei der Konstellation von Einlader und Zielsetzung zu erwarten war, konnte Bäumer berichten. Die Kommission sah saubere Bohrstellen, boomende Wirtschaft in Fracking-Regionen und keine Probleme. Keine amerikanischen Umweltverbände, nur vereinzelt kämpfende Personen, mit Angst vor Repressalien bei Aufbegehren gegen die Technologie. „Ich war geschockt, wie wenig Photovoltaik oder Windenergieerzeugung wir sahen“, ergänzte Bäumer und zeigte parallel eine Folie die einen Bohrplatz als „grüne Oase“ 17 Jahre nach der Bohrung präsentierte. „Oil and Gas development is a temporary use of land“, stand da. Das kam bei den Mitgliedern des Aktionsbündnisses zynisch an. Ferner realisierte Bäumer, dass die Amerikaner durch Fracking ihren Bedarf an Gas für die nächsten 100 Jahre zu sichern erkannt hatten, dabei sei die Quelle „Naher Osten“ beinahe vernachlässigbar.

Er gab zu bedenken: „Deutschland ist derzeit ein großes Experimentierlabor aus Sicht der Nachbarländer, die schauen, wie wir das hinkriegen mit dem Atomausstieg.“ Zudem plane Israel ernsthaft, 2017 in die Atomenergie einzusteigen. „Irgendwie komisch diese Welt“, das hatte ihn bewegt auf der Reise. Sein Fazit: „Ich würde Fracking nicht kategorisch ablehnen, aber nur auf hohem Sicherheitsstandard erlauben.“ Amerika sei eine Pioniergesellschaft, Deutschland forsche vor dem Einsatz von neuen Technologien.

Auf Nachfrage, wo sich die CDU-Fraktion in der Nachbesserung zum Gesetzespaket besonders einsetze, gab Axel Knoerig Auskunft: „Grundsätzlich ist die CDU für heimische Erdgasförderung. Wir fordern aber eine Offenlegung der Frackingsubstanzen, Reinigung des Lagerstättenwassers und des Flowback. Und: Bergämter müssen in Zukunft mit Wasserbehörden zusammenarbeiten bei Genehmigungsanfragen.“ Knoerig bat die Mitglieder von „No Moor Fracking“: „An den letzten Knackepunkten möchte ich mit Ihnen diskutieren.“

Scharfe Kritik kam von Thorben Gruhl, Ingenieur und Mitglied der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle (DGMK) und Mitglied im Aktionsbündnis. „Im Wasserhaushaltsgesetz wird der Besorgnisgrundsatz ausgehebelt, die geforderte Expertenkommission hat eine Zuschauerrolle ohne ergebnisoffene Wissenschaft, die gelobte Umkehr der Beweislast der Bergschadenhaftung ist wirkungslos beim Hauptproblem Erdbeben.“ Sein Fazit für Niedersachsen: Das Gesetz verspricht keine Verbesserung.

In der nächsten Woche soll es verabschiedet werden und ab 1. Januar 2016 in Kraft treten.

Stephan Kawemeyer, CDU-Kreistagsmitglied und Gemeindeverbandsvorsitzender seiner Partei in Wagenfeld, resümierte: „Bitte alle Fragen auch in Zukunft an uns Kommunalpolitiker als Sprachrohr und ein wenig Verständnis, dass wir viele Baustellen zu bearbeiten haben.“

sbb

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