Überfall unter Drogeneinfluss

Schwerer Raub in Wagenfeld: Haftstrafen für vier Angeklagte

+
Haftstrafen hat das Landgericht Verden in dem Prozess nach einem Raub in Wagenfeld gegen vier Angeklagte aus Diepholz und Lohne verhängt. 

Haftstrafen hat das Landgericht Verden am Mittwoch im Prozess gegen vier Angeklagte aus Diepholz und Lohne verhängt. Gemeinsam waren die Männer am Nachmittag des 17. April 2019 nach Wagenfeld gefahren, um einen Mann zu überfallen, den sie als Drogendealer bezeichneten. Sie hatten es auf die Drogen abgesehen, um ihre eigene Sucht zu stillen.

Wagenfeld/Diepholz/Verden - Weil er das Opfer bei der Tat mit einem Messer bedroht hatte, wurde ein 25 Jahre alter Angeklagter aus Diepholz wegen besonders schweren Raubes zu sechs Jahren Haft verurteilt. „Wenn man von fünf Jahren Mindeststrafe ausgeht, sind wir beim Strafmaß am unteren Rand geblieben“, sagte der Vorsitzende Richter Daniel Hauschildt. 

Dieser Angeklagte bringt es mit 13 Eintragungen im Bundeszentralregister auf die meisten Vorstrafen in dem Quartett und war laut Gericht an der Tatplanung beteiligt. „Die Vorstellung war: Wir holen da Kokain raus, und wenn noch mehr, dann verkaufen wir es“, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Planung war zwar nicht sehr konkret, aber die Männer hatten sich im Vorfeld aus schwarzen T-Shirts Maskierungen hergestellt. „Spätestens da war klar, es geht nicht darum, höflich zum Geschädigten zu gehen“, so das Gericht.

Prozess in Verden: 24-Jähriger ohne Vorstrafen

Einen 24 Jahre alten Angeklagten aus Diepholz hatten sie dazu gebracht, sich mit dem späteren Opfer zu verabreden. Bei diesem Angeklagten erkannte das Gericht auf Beihilfe und verhängte eine einjährige Bewährungsstrafe. Solange er keinen Arbeitsplatz mit mindestens 20 Wochenstunden nachweisen kann, muss er ein Jahr lang monatlich 25 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Während der Tat hatte er im Auto gewartet und hat als Einziger der vier Angeklagten bislang keine Vorstrafen. Er saß nach der Festnahme nur wenige Tage in Untersuchungshaft. Die anderen drei Angeklagten bis zum Urteil und darüber hinaus. Die Haftbefehle bleiben wegen Fluchtgefahr aufrechterhalten.

21-jähriges Opfer erleidet Nasenbeinbruch

Ein 25-Jähriger aus Lohne – er besaß zwar keine Fahrerlaubnis, hatte die Männer aber gefahren – und ein 24-Jähriger aus Diepholz wurden des schweren Raubes schuldig gesprochen und zu jeweils vier Jahren Haft verurteilt. Sie sollen von dem Messer nichts gewusst haben.

Unklar blieb, ob ein mitgebrachter Teleskopschlagstock bei der Tat zum Einsatz gekommen war.

Bei dem Opfer handelt es sich um einen zum Tatzeitpunkt 21-Jährigen, der bei seiner Freundin und deren Mutter wohnte. Er hatte die Gefahr schon vor dem Haus erkannt und noch versucht zu flüchten, wurde aber zu Boden gebracht und in die Wohnung gezwungen. Geraubt wurden verschiedene Drogen, in der Anklage wurden 100 Gramm Marihuana benannt, ein Laptop und ein dreistelliger Geldbetrag. 325 Euro werden bei dem 25 Jahre alten Diepholzer eingezogen.

Das Opfer hatte einen Nasenbeinbruch und Hämatome erlitten. Das Gericht berücksichtigte bei den Strafen auch die psychischen Folgen.

Polizei fasst Männer in Rehden

Noch auf ihrer Flucht vom Tatort wurden die Männer in Rehden gefasst. Im Prozess waren alle geständig. Bei den drei Angeklagten mit den Haftstrafen wurde zudem die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Sie standen unter Drogen- und Alkoholeinfluss. Der zu vier Jahren Haft verurteilte 24 Jahre alte Diepholzer kam auf zurückgerechnete 2,22 Promille zum Tatzeitpunkt. Er war offenbar so betrunken, dass in der Urteilsbegründung sein auffälliger Blick in einem Video Erwähnung fand. Er soll sich in einer Whatsapp-Nachricht mit dem Teleskopschlagstock gepostet haben. „Ich schlage ihn tot“, zitierte ihn der Vorsitzende Hauschildt: „Zum Glück nicht. Es zeigt aber, in welcher Stimmung man war.“

Landgericht Verden verhängt gegen vier Angeklagte aus Diepholz und Lohne Haftstrefen

Dabei gehabt haben wollen die Männer den Schlagstock, weil es hieß, dass das Opfer eine Schreckschusswaffe habe. Dass der Überfallene mit Drogen gedealt haben soll, wurde entgegen der Argumentation der Verteidiger nicht als Strafmilderungspunkt angesehen. „Das macht ihn nicht zum Freiwild“, hieß es im Urteil.

Die Kammer ist mit dem Urteil weitestgehend den Anträgen von Staatsanwalt Jens Niemeyer gefolgt. Es ist aber noch nicht rechtskräftig.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Urteil: NPD-Demo gegen kritische Journalisten ist zulässig

Urteil: NPD-Demo gegen kritische Journalisten ist zulässig

Max (14) stirbt nach Zusammenstoß mit Raser - Bilder von Lichterketten-Aktion

Max (14) stirbt nach Zusammenstoß mit Raser - Bilder von Lichterketten-Aktion

Trump will bei möglichem Impeachment-Votum Prozess im Senat

Trump will bei möglichem Impeachment-Votum Prozess im Senat

Xi: China will Handelsdeal mit USA - kann aber auch kämpfen

Xi: China will Handelsdeal mit USA - kann aber auch kämpfen

Meistgelesene Artikel

Hachelauf mit neuen Disziplinen - Organisatoren geben Details bekannt

Hachelauf mit neuen Disziplinen - Organisatoren geben Details bekannt

Neuer Magro-Markt in Lemförde: „Wir sind keine Einzelkämpfer“

Neuer Magro-Markt in Lemförde: „Wir sind keine Einzelkämpfer“

Gesucht: Fahrer für einen Fahrschüler

Gesucht: Fahrer für einen Fahrschüler

Frank Seidel jetzt im Amt

Frank Seidel jetzt im Amt

Kommentare