Mitglieder halten Verein die Treue

TuS Wagenfeld: Gemeinschaft ist nicht zu unterschätzen

Die Sporthalle am Branntweinsweg, Heimat des TuS Wagenfeld, ist seit Monaten geschlossen. Obwohl der Sportverein seinen Mitgliedern momentan nicht viel zu bieten hat, halten sie ihm die Treue.
+
Die Sporthalle am Branntweinsweg, Heimat des TuS Wagenfeld, ist seit Monaten geschlossen. Obwohl der Sportverein seinen Mitgliedern momentan nicht viel zu bieten hat, halten sie ihm die Treue.

Wagenfeld – Die Sporthallen sind geschlossen, die Schwimmbäder auch, die Fußballplätze sind verwaist, und Kurse jeglicher Art finden nicht statt. Sportvereine haben ihren Mitgliedern dieser Tage wenig zu bieten. Die Folge: Vielen laufen die Leute davon. Der TuS Wagenfeld ist von dieser Entwicklung bislang verschont geblieben. Auch finanziell halten sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie laut Schatzmeister Herbert Bröcker noch in Grenzen.

Was allerdings merklich fehlt, ist die Gemeinschaft.

Laut dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbunds Deutschlands, Alfons Hörmann, verzeichneten die Sportvereine 2020 bundesweit etwa eine Million Mitglieder weniger, vor allem auch im Kinder- und Jugendbereich. Nach Daten des Statistischen Bundesamts können etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland durch den coronabedingten Lockdown keinen Vereinssport betreiben.

Auch die Menschen, die aus medizinischen Gründen in Sportgruppen aktiv sind, schauen momentan in die Röhre – mit welchen gesundheitlichen Auswirkungen ist noch nicht absehbar. Der TuS Wagenfeld hat neben seinen Breitensport-Sparten allein 13 unterschiedliche Angebote im Bereich Reha- und Gesundheitssport im Programm, zum Beispiel für Menschen mit Osteoporose, Wirbelsäulen-, Gelenk- oder Herzerkrankungen.

Online-Angebote seien in diesem Bereich nicht möglich, sagt Sieglinde Wemmel, zweite Geschäftsführerin des TuS Wagenfeld und selbst Übungsleiterin. „Beim Reha-Sport braucht man die Kontrolle der Bewegungen und eine Rückmeldung vom Übungsleiter.“ Es sei schwierig, etwas ohne diese Unterstützung anzubieten, denn falsche Bewegungen könnten unter Umständen mehr schaden als nutzen.

Im vergangenen Sommer hatte der TuS einige Kurse unter freiem Himmel angeboten. Ob das in den kommenden Monaten wieder eine Alternative ist und inwieweit eventuell Kurse im Gesundheitsbereich für vollständig Geimpfte möglich sein werden, ist laut Sieglinde Wemmel noch völlig offen. „Das haben wir noch nicht diskutiert. Das macht im Moment noch keinen Sinn“, sagt sie mit Blick auf die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen.

Im Fitness-Bereich hat es der Verein laut Wemmel im Lockdown zwar mit ein paar Online-Angeboten versucht, allerdings sei das Interesse daran eher verhalten gewesen. „Der Ehrgeiz ist dann nicht so groß.“ Die Gemeinschaft sei ein wichtiger Teil der Kurse, weiß sie. „Der soziale Aspekt ist nicht zu unterschätzen.“

Gut genutzt werden dagegen die ausgewiesenen Laufstrecken im Bockeler Berg für Jogger und Nordic Walker. Radsport ist unter Einhaltung der Abstandsregeln aktuell ebenfalls möglich ebenso wie Tennis spielen. Letzteres wird laut Schatzmeister und Spartenleiter Herbert Bröcker auch gut genutzt.

Er vermutet, dass Sportvereine in größeren Städten momentan größere Probleme haben, weil sie dort vielleicht eher mit Fitnessstudios gleichgesetzt würden, bei denen man für seinen Mitgliedsbeitrag eine Leistung erwartet, zum Beispiel in Form von Fitness- oder Tanzkursen. Im ländlichen Raum sei das anders. Nach seiner Einschätzung fühlen sich die Menschen hier stärker mit ihrem Verein verbunden, es gehe ihnen nicht um eine Gegenleistung.

Die Zahlen unterstützen diese Theorie. Der TuS Wagenfeld hat laut Bröcker aktuell knapp 1400 Mitglieder. Zwar habe es in den vergangenen Monaten auch ein paar Austritte gegeben, sie bewegten sich aber im Bereich der normalen Schwankungen. „Wir liegen seit Jahren konstant zwischen 1320 und 1400 Mitgliedern“, so der Schatzmeister.

Finanziell hat der TuS Wagenfeld bislang ebenfalls keine großen Einbußen zu verzeichnen. Zwar fehlen die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Bewirtung bei Punktspielen. Auf der anderen Seite fallen aber auch die Kosten für den Spielbetrieb, den Vereinsbulli und im Übungsleiterbereich weg, gibt Bröcker zu Bedenken. „Wir stehen unter dem Strich finanziell nicht wesentlich schlechter da.“

Und die Sponsoren des TuS halten es offenbar wie die Mitglieder. Auch wenn ihre Banner auf dem Fußballplatz oder in der Sporthalle momentan niemand wahrnimmt, hat noch niemand sein Geld zurückgefordert.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Reiserückkehrer rausgerechnet: Landkreis Diepholz lockert Corona-Regeln

Reiserückkehrer rausgerechnet: Landkreis Diepholz lockert Corona-Regeln

Reiserückkehrer rausgerechnet: Landkreis Diepholz lockert Corona-Regeln
Unfall endet tödlich: Lkw erfasst Radfahrer zwischen Bassum und Harpstedt

Unfall endet tödlich: Lkw erfasst Radfahrer zwischen Bassum und Harpstedt

Unfall endet tödlich: Lkw erfasst Radfahrer zwischen Bassum und Harpstedt
A 1-Ausbau zwischen Ahlhorner Heide und Stuhr wirft Schatten voraus

A 1-Ausbau zwischen Ahlhorner Heide und Stuhr wirft Schatten voraus

A 1-Ausbau zwischen Ahlhorner Heide und Stuhr wirft Schatten voraus
Im Amtshof in Bruchhausen-Vilsen entstehen Wohngemeinschaften für Senioren

Im Amtshof in Bruchhausen-Vilsen entstehen Wohngemeinschaften für Senioren

Im Amtshof in Bruchhausen-Vilsen entstehen Wohngemeinschaften für Senioren

Kommentare