Einer der letzten seiner Art

Timo Friedhoff renoviert etwa 150 Jahre alten Torfschuppen in Wagenfeld

Die Hofstelle Kriessmann mit dem Torfschuppen vorne links um 1945.
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Die Hofstelle Kriessmann mit dem Torfschuppen vorne links um 1945.

Wagenfeld – Er ist etwas unscheinbar, fällt auf den ersten Blick kaum auf neben den anderen alten Gebäuden und etwas versteckt unter den großen Bäumen, doch der historische Torfschuppen auf dem Hof von Timo Friedhoff ist eine echte Rarität.

Viele seiner Art gibt es laut dem Wagenfelder Gemeindearchivar nicht mehr. „Eine Handvoll einstiger Torfschuppen ist mir in Wagenfeld bekannt, aber meiner ist der einzige in der typischen Ausprägung“, berichtet er. Im vergangenen Jahr hat er ihn restauriert.

Das genaue Alter des sechs Meter langen und fünf Meter breiten Schuppens ist nicht bekannt. „Er dürfte aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen“, vermutet Friedhoff. Denn die Hofstelle Kriessmann, die seit dem 16. Jahrhundert nachgewiesen ist und sich einst im Ortskern an der Stelle der heutigen Küchenlounge befand, wurde im Rahmen der ersten Flurbereinigung 1866 an ihren heutigen Standort am Schnepfenweg verlegt.

Timo Friedhoff hat seinen Torfschuppen 2020 renoviert. Den handgestochenen Torf hat er erhalten.

„Diese Art von Torfschuppen waren früher zahlreich auf den Höfen und baulich nichts Besonderes“, erklärt der Gemeindearchivar. „Es wurde mit möglichst geringem Aufwand ein möglichst dauerhaftes Gebäude erstellt, in dem Brenntorf und Feuerholz trocken gelagert werden konnten. Die Seitenwände wurden wegen der Durchlüftung lediglich mit Weidenruten ausgeflochten oder einfach mit Torfsoden gefüllt, höchstens die Wetterseiten waren verbrettert.“ Manchmal seien auch nur ein paar Pfosten in die Erde gerammt und darüber ein Dach errichtet worden.

Als die Torfschuppen nicht mehr gebraucht und daher nicht mehr instand gehalten wurden, verfielen sie und wurden abgerissen. Dass seiner überlebt hat, führt Friedhoff darauf zurück, dass 90 Jahre lang keine Kinder im Haus waren und die vorherigen Besitzer darum keinen Anlass sahen, den Hof großartig zu modernisieren oder umzugestalten. Sogar alter, handgestochener Torf lagert noch im Schuppen. „Der bleibt auch da“, sagt Friedhoff.

Das Dach des Torfschuppens wurde mit alten, handgeformten Ziegeln neu gedeckt.

Er wohnt seit 2015 auf dem Hof am Schnepfenweg. „Ich könnte mir gar nicht vorstellen, in einem Neubau zu leben. So ein altes Haus hat Geschichte“, begründet der Gemeindearchivar mit einem Faible für die (Familien-)Geschichten der alten Höfe in der Gemeinde Wagenfeld seine Wahl. Was manch einen stören würde, nämlich sich nicht ganz nach den eigenen Wünschen einrichten zu können und sich an die vorhandene Gebäudestruktur anpassen zu müssen, macht für Friedhoff gerade den Reiz aus. „Man muss mit dem Haus gemeinsam Kompromisse eingehen.“ Außerdem passe so ein altes Anwesen viel besser zu einem Gemeindearchivar als ein Neubau, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Beim Bau des Torfschuppens wurde seinerzeit neues und gebrauchtes Eichenfachwerk verwendet, und auch heute, nach seiner Instandsetzung, verbindet er Altes und Neues. „Bei der Renovierung haben wir fast ausschließlich historische beziehungsweise recycelte Baustoffe verwendet“, berichtet Friedhoff, der dabei auf die tatkräftige Unterstützung seines handwerklich versierten Vaters zählen konnte.

Vor der Renovierung hatte der Torfschuppen auf beiden Seiten Kübbungen.

Das gebrauchte Fachwerk und die Türbänder stammen vom Hof Schmutte. Die handgeformten Dachziegel haben vor ihrem Einsatz auf dem Torfschuppen schon mehrere Gebäude geschützt. Zuerst lagen sie laut Friedhoff auf den Heuerhäusern des Central-Hotels, danach auf einem Scheunenanbau des Hofes Cording (Schmalen) am Friedhof. Die Schrauben stammen aus der Galerie der Haßlinger Mühle. Nicht ganz so alt sind die Bretter zum Verschalen des Schuppens. Sie hat Friedhoff vom Baugeländer der neuen Lagerhalle seines Arbeitgebers Lütvogt. Neu, aber nach historischem Vorbild verwendet, sind nur die Staken aus Haselnuss-Stangen und das Flechtwerk aus Weidenruten. Beides stammt ebenfalls vom Betriebsgelände Lütvogt.

Die alten Baumaterialien findet er nach eigener Aussage bei seinen Streifzügen durch die Region. „Ich gucke inzwischen immer, was man an authentischem Material noch gebrauchen kann und frage dann, ob ich’s haben kann.“

Während der Erhalt des Torfschuppens nun für die nächsten Jahre gesichert ist, steht für Timo Friedhoff schon das nächste Projekt an: In diesem Jahr soll die Scheune renoviert werden.

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