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„Ströher Dorfleben“: Ex-Vorsitzende über Wir-Gefühl und ein nettes Dorf

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Von: Carsten Sander

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Blumen für die alte und die neue Vorsitzende des „Ströher Dorfleben“: Linda Puppe (6.v.l.) gab den Posten an Heidrun Hilgemeier (5.v.l.) weiter. Der neue Vorstand des Vereins begrüßte die eine und verabschiedete die andere.
Blumen für die alte und die neue Vorsitzende des „Ströher Dorfleben“: Linda Puppe (6.v.l.) gab den Posten an Heidrun Hilgemeier (5.v.l.) weiter. Der neue Vorstand des Vereins begrüßte die eine und verabschiedete die andere. © Ströher Doprfleben

Acht Jahre stand Linda Puppe an der Spitze des „Ströher Dorfleben e.V.“. Ehrenamtlich natürlich. Sie hat sich engagiert für eine funktionierende Gemeinschaft in „ihrem“ Ströhen, hat versucht, die Fahne des Miteinanders hoch zu halten. Erfolgreich, wie den lobenden Worten auf der Jahreshauptversammlung zu entnehmen ist (siehe angefügten Bericht). Mit 73 Jahren hat Linda Puppe den Vorsitz an Heidrun Hilgemeier weitergereicht. Im Gespräch blickt die Ex-Vorsitzende auf ihre eigene Motivation für die Arbeit im Heimatverein zurück und schaut mit Sorge auf nachrückende Generationen.

Sie wurden beim Abschied als Vorsitzende für Ihre „Ruhe und Geduld“ und Ihre „ausgleichende Art“ gelobt. Das geht runter wie Öl, oder?

Linda Puppe (lacht): Ach, diese Lobhudeleien, das ist ja immer so eine Sache. Natürlich ist es schön, das zu hören. Aber mir ging es immer nur darum, dass etwas gemacht wird im Dorf, dass nicht etwas Gutes endet.

Was meinen Sie damit?

Als ich vor acht Jahren den Vorsitz übernahm, war da sonst niemand, der es hätte machen wollen. Wie das eben so ist. Ich habe mir aber gedacht: Wenn es in einem kleinen Dorf wie Ströhen mit solchen Sachen wie unserem Verein nicht weitergeht, was ist da dann noch? Wenn es keiner mehr macht, dann hört es auf.

Im „Ströher Dorfleben“ hat Heidrun Hilgemeier nun den Vorsitz übernommen...

...und das ist ein großes Glück. Wir haben schon vor einigen Jahren gesagt, dass der Wechsel kommen muss, durch Corona hat es sich aber bis jetzt nach hinten verschoben. Heidrun ist mit 50 Jahren wesentlich jünger als ich – ohnehin sind wir im „Dorfleben“ von der Altersstruktur her jetzt gut aufgestellt, es sind jüngere Mitglieder nachgerückt. Da sieht es bei anderen Heimatvereinen ganz anders aus.

Stichwort: Nachwuchsproblem?

Wissen Sie: Wenn man jüngere Menschen fragt, ob sie bereit wären, sich in einem Verein wie unserem zu engagieren, dann bekommt man oft den Faktor fehlende Zeit als Antwort. Dabei denke ich, dass es doch so ist: Wenn man für etwas wirklich brennt, dann findet man auch die Zeit. Mir war es immer wichtig, mich ehrenamtlich einzubringen – zunächst bei den Landfrauen, im Tourismus, später dann beim „Ströher Dorfleben“. Weil man helfen kann, weil man andere Menschen kennenlernt.

Ohne es zu sehr pauschalisieren zu wollen, aber sehen Sie diese Einstellung bei nachrückenden Generationen nicht mehr? Brennen die Jüngeren für etwas anderes?

Es fehlt bei manchen das Wir-Gefühl. Es gilt: ,Ich bin wichtig! Ich kann meine Ellenbogen einsetzen.’ Aber so läuft das Leben nicht. Wir brauchen uns alle gegenseitig.

Nach acht Jahren als Vorsitzende: Was wünschen Sie jetzt dem „Dorfleben“?

Dass der Verein nach der Corona-Auszeit zu den Aktivitäten zurückfindet. Dass er das Miteinander in Ströhen gestalten kann. Und dass wir auch in der Zukunft ein nettes Dorf mit netten Menschen bleiben.

Heidrun Hilgemeier übernimmt den Vorsitz

Ströhen – Die letzten zwei Jahre waren alles andere als leicht. Aber sie haben Linda Puppe auch etwas gezeigt. Nämlich dies: Die Mitglieder des Vereins „Ströher Dorfleben“ sind sehr treue Mitglieder. Denn obwohl in der Corona-Pandemie nicht viele Angebote seitens des Vereins gemacht werden konnten, gab es kaum Austritte zu verzeichnen. Dies sei „sehr erfreulich“ für die Vorsitzende gewesen, heißt es in einer Mitteilung des „Ströher Dorfleben“ zur Jahreshauptversammlung. Das gute Gefühl machte Linda Puppe auch den Rückzug leichter: Nach acht Jahren an der Spitze des Vereins gab sie die Führung an Heidrun Hilgemeier ab.

„Ruhe und Geduld“ wurden der Vorsitzenden bei der Ausübung ihres Postens von den Mitgliedern attestiert. Für sie sei es jetzt aber aus Altersgründen an der Zeit, die Aufgaben in jüngere Hände zu geben, erklärte Linda Puppe. Der 2. Vorsitzende Burkhard Scholz lobte ihre „ausgleichende Art“, Ortsvorsteher Reinhard Heider konnte sich dem nur anschließen.

Die Versammlung bestimmte Heidrun Hilgemeier zur neuen Vorsitzenden. Sie ist bereits seit einigen Jahren als Schriftführerin im Vorstand des „Dorfleben“ aktiv und durch vorherige Vorstandstätigkeiten gut im Ströher Vereinswesen vernetzt. Auf den freigewordenen Posten des Schriftführers wurde Stefan Ahrens gewählt, der ebenfalls schon viele Jahre im Verein aktiv ist – bisher überwiegend in der „Brezelbasar-Aufbautruppe“. Ebenso neu in das Vorstandsteam wurde Carola Pape gewählt, die sich zukünftig um die Pressearbeit des Vereins kümmern wird. Burkhard Scholz und Kassenwartin Heide-Marie Harlaß wurden für drei weitere Jahre in ihren Ämtern bestätigt. Auch die Beiratsmitglieder Maggi Summann, Steffi Meyer, Olaf Möhl, Michael Schröder und Reinhard Kowarik wurden wiedergewählt.

Mit einem Gutschein bedankte sich Linda Puppe bei Karl-Heinz Lindenberg für seine aktive Vorstandszeit, da er sich nicht wieder zur Wahl stellte.

Ein Erfolg war in der Vergangenheit der Honig, den der Verein an seine Mitglieder verteilte. Damit es auch langfristig noch Aussicht auf Honiggläser aus Ströhen gibt, wird „Ströher Dorfleben“ die Bienenwiesenaktion der Ströher Jäger erneut finanziell unterstützen.

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