Vater-Tochter-Verhältnis mit 9100 Kilometer Distanz

Ströher Detlef Barwinsky beherbergte sein kolumbianisches Patenkind

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Drei Kolumbianerinnen fast neun Wochen zu Besuch in der Ortschaft Ströhen: Detlef Barwinsky mit seiner 14-jährigen Patentochter Paula Andrea Salas Peneda (r.), ihrer 15-jährigen Cousine Natalia Penida Segura (l.) und ihrer Mutter Patricia Salas Peneda.

Wagenfeld-Ströhen - Von Gerhard Scheland. Im Haus von Detlef Barwinsky ist wieder Ruhe eingekehrt. Der pensionierte Lehrer für Deutsch und Betriebswirtschaftslehre lebt seit 19 Jahren in Wagenfeld-Ströhen. Üblicherweise allein. Jüngst gab es für den männlichen Ein-Personen-Haushalt dreifachen weiblichen Besuch.

Für rund zwei Monate weilte Barwinskys 14-jährige Patentochter Paula Andrea Salas Peneda aus Kolumbien in Ströhen. Begleitet wurde sie von ihrer 15-jährigen Cousine Natalia Penida Segura und ihrer Mutter Patricia Salas Peneda (36).

Paula Andrea schwärmt von Ströhen

Was bleibt, sind schöne Erinnerungen. Für Gastgeber Detlef Barwinsky ebenso wie für seine drei Gäste. Noch immer hat der 71-Jährige das gleichermaßen harmonische wie interessante abendliche Beisammensein mit seinen Besucherinnen vor Augen, etwa wenn sich seine Patentochter zufrieden im großen Ohrenbackensessel räkelte. Ihre langen dunklen Haare waren meist unter einem typischen Strohhut aus ihrer Heimat drappiert.

Paula Andrea hatte viel zu erzählen, ebenso wie Mutter und Cousine. Gesprochen wurde überwiegend spanisch, „weil die Deutschkenntnisse meiner Patentochter noch nicht für eine längere Unterhaltung ausreichen“.

In den ersten Wochen geriet Paula Andrea bei den Unterhaltungen immer ins Schwärmen – von Deutschland, von Ströhen und von ihrem dort lebenden Gönner. Später klang in den Gesprächen dann zunehmend Wehmut mit, weil der Tag der Abreise immer näher rückte. Da war Paula Andrea längst klar, dass sie Ströhen mit vielen neuen Erkenntnissen verlassen würde und das Verhältnis zu ihrem fast 60 Jahre älteren Paten weiter gefestigt war. „Sie liebt Deutschland, ganz besonders die Kultur und die Sprache.“

Kontakt über Organisation „Plan“

Weil sich Barwinsky schon lange für Südamerika im Allgemeinen und Kolumbien im Speziellen interessiert, nahm er vor gut zehn Jahren Verbindung mit der Patenschaftsorganisation „Plan“ in Hamburg auf – mit dem Ziel, offiziell eine Patenschaft für ein Kind in Kolumbien zu übernehmen. „Bei den ersten Gesprächen ging es zu wie auf einem Markt“, erinnert sich der 71-Jährige, „soll es ein Junge oder ein Mädchen sein und aus welcher Region Kolumbiens soll das Kind kommen?“ Die Entscheidung fiel auf die damals vierjährige Paula Andrea. „Erste Kontakte gab es nur postalisch über die Organisation. Von ihr wurden alle Briefe gelesen, übersetzt und an den jeweiligen Adressaten weitergeleitet.“

Vor neun Jahren reifte in Detlef Barwinsky erstmals den Wunsch, seine Patentochter persönlich kennen zu lernen. „Das war zwar mit großem Aufwand verbunden, hat 2008 mit einem Abstecher nach Kolumbien während meines Venezuela-Urlaubs aber geklappt. Paula Andrea war damals fünf Jahre alt und stand kurz vor der Einschulung.“ Zwei Jahre später durfte die kleine Kolumbianerin ihren Paten dann zum ersten Mal in Ströhen besuchen. Sie stammt aus einer ärmlichen Region, lebt inzwischen mit ihrer Familie aber 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bogota und damit in einer Region, in der es den Menschen etwas besser geht.

Privates Vater-Tochter-Verhältnis löst Patenschaft ab

Obwohl Gäste aus Übersee seit 2015 ohne Visum nach Deutschland einreisen dürfen, gestaltete sich der jüngste Aufenthalt der drei kolumbianischen Gäste eher zähflüssig. „Ich musste eine Verpflichtungserklärung auf Kostenübernahme vorlegen und alle notwendigen Versicherungen für den Deutschlandaufenthalt abschließen. Erst danach gab es grünes Licht.“

Weil die 14-Jährige in ihrem Heimatland heute nicht mehr in einem Fördergebiet lebt, ist die anfänglich offizielle Patenschaft zwischenzeitlich kräftig ins Wanken geraten. „Heute basieren unsere guten Beziehungen auf einem rein freundschaftlich-privaten Vater-Tochter-Verhältnis“, erläutert Barwinsky, „mit der Verpflichtung, einen monatlichen Beitrag für Paula Andrea zu zahlen, zusätzlich Schulgeld nach Kolumbien zu überweisen, die Kosten für eine Krankenversicherung zu übernehmen und immer einen Arm voller Geschenke mitzunehmen, wenn ich meine Patentochter in ihrer Heimat besuche“.

Zum großen 15. Geburtstag reist Barwinsky wieder nach Kolumbien

Das wird schon Ende dieses Jahres sein. Dann vollendet Paula Andrea ihr 15. Lebensjahr. „Das ist ein ganz besonderes Alter, das in Kolumbien groß gefeiert wird“, weiß der Ströher. Danach müsse sie noch zwei Jahre die Schule besuchen, um das kolumbianische Abitur in der Tasche zu haben.

Damit stünden ihr die Türen offen für ein Studium. „Ich favorisiere Sprachen oder einen Studiengang auf dem Agrarsektor“, hat der Patenonkel seiner Patentochter mit auf den Weg gegeben, „mal schauen, was sie daraus macht“.

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